Vier Jahre lang war es Vereinsarbeit im Hintergrund – Sitzungen, Abklärungen mit den Landbesitzern, Budgetpläne. Am Mittwochabend im Restaurant Löwen in Kernenried BE wurde daraus ein öffentlicher Auftakt: Ziemlich genau ein Jahr vor dem 41. Eidgenössischen Hornusserfest 2027, das zwischen dem 20. und 29. August an zwei Wochenenden in Zauggenried BE und Kernenried stattfindet, lud der Trägerverein erstmals breiter ein – Landbesitzerinnen und Landbesitzer, das Organisationskomitee, eine Delegation des Eidgenössischen Hornusserverbandes und die Medien.
Zwei Bauerndörfer in Aufruhr
Ausführungen dazu machte Matthias Stoll, einer der drei Co-Präsidenten des Organisationskomitees – neben Adrian Sägesser aus Kirchberg und Werner Bütikofer aus Zauggenried. Zusammen mit rund 20 Mitgliedern im Kern-OK, gegen 50 im erweiterten OK und am Ende wohl etwa 800 Helferinnen und Helfern stemmen sie ein Fest, das zwei Bauerndörfer für zehn Tage aus den Angeln hebt.
Eindrückliche Zahlen
Matthias Stoll rechnete vor, was hinter dem Fest steckt: zwei Dörfer verwandeln sich in eine Festarena mit 30 Spielfeldern auf 50 Hektaren Land. Rund 240 Mannschaften mit insgesamt 4500 aktiven Spielerinnen und Spielern werden erwartet, dazu 20 000 Besucherinnen und Besucher über die gesamte Festdauer. Zahlen, die deutlich machen: Ein solches Fest ist keine Wiese, die man für ein Wochenende absperrt, sondern ein logistisches Grossprojekt mitten in der produktiven Landwirtschaft.
Getragen wird das Ganze von der Hornussergesellschaft Zauggenried-Kernenried, gegründet 1903 – über 120 Jahre Vereinstradition, heute mit 70 Mitgliedern und zwei Aktivmannschaften in der 1. und der 4. Liga.
Ohne Bauern geht gar nichts
Der vielleicht wichtigste Teil des Abends galt jedoch nicht den grossen Zahlen, sondern jenen, ohne die das Fest gar nicht möglich wäre: den Landwirtinnen und Landwirten, auf deren Boden Spielfelder, Zufahrten und Infrastruktur entstehen sollen. Stoll machte klar, dass der Dialog mit den Bewirtschaftern keine Formsache am Rande ist, sondern von Anfang an im Zentrum der Planung stand. Bereits Jahre vor dem Fest wurden gemeinsam mit den Betrieben Flächen, Fruchtfolge und Zufahrten festgelegt.
Für alle, die mit dem Sport weniger vertraut sind: Hornussen zählt neben Schwingen und Steinstossen zu den Schweizer Nationalsportarten. Der Name geht auf den summenden Ton zurück, den die geschlagene Scheibe – der «Nouss» – im Flug erzeugt. Geschlagen wird er vom «Bock» aus mit dem biegsamen «Stecken» ins bis zu 200 Meter lange «Ries», wo ihn die gegnerische Mannschaft mit der «Schindel» abzufangen versucht, bevor er den Boden berührt.
Am Eidgenössischen wird zweimal über zwei Tage in vier Umgängen gespielt, gefolgt vom Ausstich um den Königstitel und am Ende stehen Schlägerkönig, Fest- und Mannschaftssieger fest.
Die BauernZeitung berichtet monatlich
Die BauernZeitung ist Medienpartner des Grossanlasses. Bis zum Fest begleiten wir das Geschehen mit einem monatlichen Bericht in der neuen Serie «Der Weg ans Hornusserfest» – aus sportlicher als aus gesellschaftlicher Sicht.
Wir erzählen von den zwei Dörfern, die sich für ein paar Tage in eine Festarena verwandeln und vor allem von den Menschen, die ehrenamtlich Hunderte von Stunden investieren, damit im August 2027 alles bereit ist – Landwirtinnen und Landwirte eingeschlossen, ohne die kein einziges Spielfeld stehen würde.


