Ans Heuen und Kühe treiben an den steilen Hängen in Braunwald GL oben musste sie sich erst gewöhnen. Schliesslich ist Margrit Streiff im Tal unten aufgewachsen. Im Luzerner Hinterland, zwischen St. Urban und Paffnau, führten ihre Eltern einen kleinen Pachtbetrieb mit neun Kühen, Acker- und Obstbau. Als Margrit 13 Jahre alt war, mussten sie den Hof wegen Eigenbedarfs verlassen. Fortan arbeitete ihr Vater als Schreiner, sie besuchte das Gymnasium.
Margrit Streiffs Vater war einen Sommer lang Rinderhirt auf der Braunwaldalp und erzählte oft von diesem Erlebnis. Als Zehnjährige durfte Margrit das erste Mal dort ihre Ferien verbringen und auf der Alp mithelfen.
Von da an verbrachte sie, mit nur einer einzigen Ausnahme, jeden Sommer in Braunwald auf der Alp. «Scheinbar habe ich damals schon erzählt, dass ich später einmal Bergbäuerin werden will», erinnert sich die 45‑Jährige. Es sollte schneller als gedacht so weit sein.

Ausbruch aus dem Gymnasium
«Nach etwas mehr als drei Jahren in der Kantonsschule war es mir dort verleidet und ich wollte selbstständig werden», erzählt Margrit Streiff. Also brach die Jugendliche das Gymnasium ab, verbrachte als Überbrückung einen Alpsommer auf der Braunwadalp und nahm anschliessend das erste Lehrjahr als Landwirtin nahe Yverdon VD in Angriff.
Jakob Streiff vom Tschudiberg in Bruuwald, wie die Einheimischen sagen, war damals längst mehr als nur ein guter Kollege. «Wenn ich einmal im Monat ein freies Wochenende hatte, reiste ich fünf Stunden lang mit dem Zug aus der Westschweiz zu Köbi hoch», erzählt die Frau mit dem sympathisch zurückhaltenden Lachen.
Als Margrit dann an die Bäuerinnenschule in Schiers GR wechselte, hatte sie ihren Wohnsitz schon fest ins Südglarner Bergdorf gewechselt. Als 19-Jährige heiratete sie den damals 33-jährigen Braunwalder.

Begehrter Alpkäse
Und so kommt es, dass die Luzernerin mit den blonden Locken nun schon seit 26 Jahren gemeinsam mit Köbi einen Bergbauernbetrieb führt. Auf dem knapp 22 Hektar umfassenden Betrieb Tschudiberg steht das Milchvieh seit Generationen im Vordergrund. «Bei uns leben 20 Original-Braunviehkühe plus noch einmal so viel Jungvieh, sie alle tragen Hörner», verrät Margrit Streiff. In den Wintermonaten wird die Milch in einem Tank alle zwei Tage mit dem Braunwaldbähnli ins Tal gefahren.
Im Sommer, wenn die Familie mit insgesamt 50 Milchkühen und 50 Stück Jungvieh auf die zweistaffelige Alp zieht, verarbeitet die Bäuerin die Milch selbst zu Käse und Butter. Für das Käsen scheint Margrit Streiff ein gutes Händchen zu haben: Dorfläden, Hotels, Restaurants sowie die Kunden des Hofladens und der beiden Selbstbedienungskühlschränke reissen sich regelrecht um den Käse von der Braunwaldalp.
Als neuer Betriebszweig ist der Agrotourismus hinzugekommen. Seit zwei Jahren vermietet Familie Streiff zwei Ferienwohnungen, eine dritte wird aktuell hergerichtet. Und um die besonders steilen Planggen abzugrasen, leben auch einige Gämsfarbige Gebirgsziegen auf dem Hof hoch über dem Linth-Tal.
Steckbrief
Name: Margrit Streiff
Alter: 45
Beruf: Bäuerin FA
Landwirtschaftliche Nutzfläche: 21,8 ha auf dem Heimbetrieb
Auf der Braunwaldalp 74,5 Stösse, 40 davon sind eigen und 34,5 sind gepachtet.
Tierbestand: 20 Original-Braunviehkühe, 20 Stück Jungvieh, kleine Herde Gämsfarbige Gebirgsziegen, 1 Hund
Kochbegeisterung nicht in die Wiege gelegt
«Wenn ich oben auf der Alp den ganzen Morgen am Käsen war, mussten meine Kinder das Mittagessen auch mal selbst vorbereiten», erklärt die Bäuerin. So komme es, dass alle ihre fünf Kinder kochen können. Heute leben nur noch die drei Jüngsten, Patrick, Cornelia und Martin, zu Hause. Cornelia hat am Kochen so viel Gefallen gefunden, dass sie im Braunwalder Märchenhotel eine Ausbildung zur Köchin absolviert. Sie war es auch, die ihre Mutter für die aktuelle Staffel der Landfrauenküche anmeldete.
«Bei mir war es nicht etwa so, dass ich von klein auf gerne am Herd stand. Am Anfang unserer Beziehung konnte Köbi sogar besser kochen als ich», gesteht die frisch gebackene Grossmutter. Erst in der Bäuerinnenschule habe sie den Zugang zum Kochen gefunden.

«Hier oben finde ich alles, was es braucht, um Gerichte zu zaubern, die der ganzen Familie schmecken. Nur, dass wir keine Bäume mit frischem Obst haben, vermisse ich manchmal», sagt die Landfrauenköchin, die sich in ihrer spärlichen Freizeit gerne hinter die Nähmaschine setzt, um Hirtenhemden zu kreieren.
Hoch in den Bergen am wohlsten
Wirklich vermissen würde sie nichts im autofreien Bergdorf. «Als ich hier hochkam, war es eine Umstellung. Heute wäre es für mich allerdings eine komische Vorstellung, wieder unten im Flachland zu leben», gesteht Margrit Streiff. Dass der Skibetrieb auf der Glarner Sonnenterrasse ab dieser Wintersaison eingestellt wird, findet die Braunwalderin schade. Für ihren bei Feriengästen beliebten Wohnort werde es aber trotzdem eine Zukunft geben, ist sie sich sicher. «Wir Braunwalder haben schon viele Herausforderungen gemeistert, auch ohne den Skibetrieb geht es hier oben weiter.»
Beim Rundblick in die imposante Bergwelt, der sich am höchstgelegenen Punkt des Betriebes bietet, ist es nicht verwunderlich: Auf dem Braunwalder Oberstafel fühlt sich die Bergbäuerin am wohlsten. Ende der Oberstaffelzeit falle es ihr jeweils schwer, diesen magischen Ort auf 1800 Metern über dem Meer wieder zu verlassen, gesteht Margrit Streiff und fügt an: «Hier oben habe ich meine zweite Heimat gefunden.»
Fünf Fragen an Margrit Streiff
Mein Lieblingsessen als Kind:
Panierte Plätzli und Pommes Frites
Das esse ich (heute) nicht gerne:
Fenchel
Meine Küchenwunderwaffe:
Anke (Butter) und Nidel (Rahm)
Meine Lieblingsarbeit in der Küche:
Dessert zubereiten
Diese Küchenarbeit finde ich öde:
Kühlschrank und Backofen putzen
«SRF bi de Lüt – Landfrauenküche 2026»: Wir sind für Sie dabei
Ab Freitag, 30. Oktober, bis zum Finale am 18. Dezember berichtet die BauernZeitung zur Landfrauenküche.
- Über jede Kandidatin gibt es ein grosses Porträt
- Nach der Sendung finden Sie online alle Rezepte der Sendung
- Mitraten und Gewinnen: Machen Sie ab dem 30. Oktober mit bei unserem grossen Wettbewerb
Die Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche 2026» wird ab dem 30. Oktober 2026 jeden Freitagabend (20.05 Uhr, SRF 1) ausgestrahlt.

Der grosse Wettbewerb zur «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» 2026
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