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Fenaco-Chef Feitknecht: «Es wird auch nächstes Jahr Dünger geben»

Niedrigwasser im Rhein, teurere Importe, knappe Liquidität: Fenaco-Chef Michael Feitknecht über die Folgen des Hitzesommers und warum es auch nächstes Jahr Dünger geben wird.

Herr Feitknecht, der Hitzesommer 2026 hat die Versorgung unter Druck gesetzt. Wie angespannt ist die Lage heute?

Die Lage ist immer noch sehr angespannt, auch wenn es inzwischen wieder geregnet hat. Das betrifft vor allem den Import von Dünger, Futtermittelrohwaren und Treibstoffen. Diese Waren kommen normalerweise per Schiff über den Rhein und werden im Basler Auhafen gelöscht.

Weil der Rhein wegen des tiefen Pegels kaum noch befahrbar ist, mussten wir Zwischenlager einrichten und auf Bahn oder Lastwagen ausweichen. Das macht den Transport drei- bis viermal teurer und wirkt sich auf die Preise und Verfügbarkeit im nächsten Frühling aus. Aber: Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet, auch dank der Freigabe der Pflichtlager für Proteinträger durch den Bund.

Was heisst das für die Bauernbetriebe?

Es bleibt eine logistische Herausforderung. Das bedingt Flexibilität. Und es wird für die Betriebe Kostenfolgen haben. Die Liquidität dürfte in den nächsten zwölf Monaten bei vielen ein Thema werden.

Und langfristig? Wie bleibt die Schweizer Landwirtschaft produktionsfähig, wenn solche Sommer häufiger werden?

Wir müssen uns überlegen, wie wir unter diesen Voraussetzungen Rahmenbedingungen für eine produzierende Landwirtschaft sicherstellen, welche die Ertragssicherheit gewährleisten und den Selbstversorgungsgrad wieder steigen lassen. Den grössten Hebel für die Fenaco sehe ich bei der Forschung und Technologie, zum Beispiel den neuen Züchtungsverfahren. In den letzten Jahren haben wir rund 20 Millionen Franken in die Innovation investiert. Die Agrarpolitik spielt natürlich auch eine entscheidende Rolle. Die politische Arbeit überlassen wir aber dem Bauernverband.

Die Fenaco zahlt 7,2 Millionen Franken als ausserordentlichen Trockenheitsbeitrag an rund 13 000 Betriebe. Nach welchen Kriterien wird verteilt?

Der Beitrag wird über die Fenaco-Erfolgsbeteiligung ausbezahlt. Registrierte Mitglieder erhalten je nach Umsatz, den sie im Agrarbereich ihrer Landi machen, einen Trockenheitsbeitrag zwischen 100 und 2000 Franken. Für uns sind die insgesamt 7,2 Millionen Franken ein grosser Betrag und ein starkes Zeichen genossenschaftlicher Solidarität. Uns war wichtig, dass möglichst viele Betriebe profitieren können, die mit uns zusammenarbeiten.

Reicht das für Betriebe, die existenziell getroffen sind?

Auf 13 000 Betriebe verteilt ist klar, dass der Betrag existenzielle Notlagen einzelner Betriebe nicht überbrücken kann. Wir unterstützen die Landwirtinnen und Landwirte auf verschiedenen Ebenen. Etwa, indem wir die Verfügbarkeit von Raufutter oder Dünger sicherstellen und die Mehrkosten abfedern.

Lebensmittel werden teurer. Wer trägt die höheren Produktionskosten: Bauer, Verarbeitung oder Konsument?

Lebensmittel werden zwar teurer, langfristig aber weniger stark als andere Konsumgüter. Uns ist wichtig, dass die höheren Kosten fair über die Wertschöpfungskette verteilt werden. Dafür setzen wir uns in den Branchenorganisationen ein. Um die Mehrkosten zu kompensieren und möglichst viel Wertschöpfung an die Landwirtschaftsbetriebe weiterzugeben, arbeiten wir vor- und nachgelagert so effizient wie möglich.

Klar ist: Gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten lassen sich die Preise nicht beliebig erhöhen. Wird die Differenz zum Ausland zu gross, organisieren sich die Märkte neu, wie etwa beim Import von Teiglingen. Und das ist nicht im Interesse unserer Branche.

Volg hat einen Rekordumsatz erzielt, die Landi-Läden wachsen wieder. Wie viel davon kommt bei den Mitgliedern an?

Wenn es der Fenaco und den Landi gut geht, ist das eine gute Nachricht für die Bauernfamilien. Wir sind ihre Genossenschaft, auf die sie über den Verwaltungsrat direkt Einfluss haben. Und es fliesst auch konkret Geld zurück: Mit der Fenaco-Erfolgsbeteiligung beteiligen wir aktive Mitglied-Landwirtinnen und Mitglied-Landwirte direkt an unserem Erfolg.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat die Fenaco über 36 Millionen Franken an die Landi und deren Mitglieder, Schweizer Bäuerinnen und Bauern, vergütet. Dass wir finanziell gesund sind, ist auch wichtig, um nötige Investitionen zu tätigen, etwa in die Infrastruktur. So haben wir in den letzten zehn Jahren zum Beispiel mehr als 20 Millionen Franken in Lager- und Logistikinfrastruktur am Basler Auhafen investiert. Das ist relevant für die gesamte Wertschöpfungskette der Land- und Ernährungswirtschaft und die Versorgungssicherheit in der Schweiz.

Die Fenaco wird oft «Bauernkonzern» genannt. Wo endet die Partnerschaft mit den rund 23 000 aktiven Mitgliedern, wo beginnt die Konzernlogik?

Wir konzentrieren uns darauf, unseren Zweckauftrag zu erfüllen, nämlich die Schweizer Landwirtinnen und Landwirte bei der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen zu unterstützen. Die Fenaco ist stark bäuerlich geprägt: 11 von 17 Verwaltungsratsmitgliedern bewirtschaften selbst einen Betrieb, auch der Präsident. Sie stellen bei jeder Investition die Frage: «Was bringt das den Schweizer Landwirtinnen und Landwirten?»

Gleichzeitig müssen wir am Markt als modernes und relevantes Unternehmen auftreten können. Da geht es um Grösse, Schwungmasse und Skalierbarkeit. Gerade im Ausland ist das der Hebel, mit dem wir für die Schweizer Landwirtinnen und Landwirte das Maximum herausholen.
Wie wichtig das ist, hat sich in den letzten Jahren gezeigt. Corona, der Krieg in der Ukraine und jetzt der Hitzesommer waren echte Stresstests für die Lieferketten. Zum Beispiel beim Dünger: Dank den erwähnten Investitionen im Basler Auhafen mit neuen Lagern, revidierten Kränen und einem erweiterten Bahnanschluss sind wir auch in Ausnahmesituationen wie jetzt lieferfähig und können die Versorgung zu vernünftigen Preisen sicherstellen.

Unser Verwaltungsrat hat diese Investitionen beschlossen, weil die verlässliche Warenverfügbarkeit für unsere Mitglieder einen Wert hat. Dank diesen Investitionen können wir heute sagen: Es wird in der Schweiz auch nächstes Jahr Dünger für die Bauernbetriebe geben.




Sie führen die Fenaco seit Juli 2025, zuvor leiteten Sie das Departement Pflanzenbau. Ihre ersten Berufsjahre verbrachten Sie bei Syngenta. Was ist an der Spitze einer Genossenschaft anders?

Ich bin auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen, die Fenaco war mir also immer ein Begriff. Entscheidend bei meinem Eintritt war, die Rechtsform und die Führungsstruktur zu verstehen. Die ist ganz anders als bei einer börsenkotierten Aktiengesellschaft wie Syngenta. Die Führung ist viel dezentraler. Das ist ein grosser strategischer Vorteil unserer Genossenschaft.

Auch der Umgang miteinander ist ein anderer, der Dialog ist wichtig. Es gehört zu meinen zentralen Aufgaben, den Austausch mit den Landi und unseren Mitgliedern zu pflegen.

An der Brennpunkt Nahrung steht «Wertschöpfung im Wandel» im Zentrum. Wo entsteht für den Bauernbetrieb wirklich mehr Wert?

Letztlich muss das jeder Betrieb für sich beantworten. Als Fenaco können wir erstens dazu beitragen, dass die Preise und Dienstleistungen im Vorleistungsbereich konkurrenzfähig bleiben, zum Beispiel bei Saatgut, Pflanzenschutz oder in der Agrartechnik.

Zweitens setzen wir uns dafür ein, dass die Verarbeitung gute Rahmenbedingungen hat. Diese Wertschöpfungsstufe ist ganz entscheidend dafür, wie viel vom Preis, den die Konsumentinnen und Konsumenten im Laden bezahlen, zurück an die Betriebe geht. Und drittens hat es sich als sehr wertvoll erwiesen, dass wir mit Volg und den Landi-Läden selbst im Detailhandel tätig sind. Nicht nur finanziell. Es verschafft uns auch einen Informationsvorsprung. Wir sehen, wofür die Kundschaft im Laden tatsächlich bereit ist zu zahlen, was gefragt ist und was nicht. Oft fällt der Kaufentscheid an der Kasse anders aus als in der Umfrage.

Was wollen Sie den Teilnehmenden in Luzern mitgeben?

Wir sind eine Agrargenossenschaft in den Händen der Schweizer Bäuerinnen und Bauern. Unsere Geschäftstätigkeit ist auf Stabilität und verlässliche Partnerschaften ausgerichtet. Ich möchte aufzeigen, dass das einen positiven Einfluss auf die gesamte Land- und Ernährungswirtschaft hat. Unser Auftrag ist es, möglichst viel Wertschöpfung auf die Bauernbetriebe zu bringen.

Dass das System funktioniert, zeigt der letzte Agrarbericht: In der Schweiz kommt bei vielen Produkten mehr vom Konsumentenfranken bei den Produzentinnen und Produzenten an als in den umliegenden Ländern. Das bedeutet, dass die Zwischenstufen effizient arbeiten. Und das ist auch ein Verdienst der Fenaco und der anderen Genossenschaften.

Barbara Kretz, Konferenzleiterin Brennpunkt Nahrung (Bild: Privat)

Fachkompetenz Nahrung

Die Fachkonferenz Brennpunkt Nahrung findet am 3. November 2026 im Forum der Messe Luzern statt und versammelt jedes Jahr über 300 Entscheidungsträgerinnen und -träger aus der Land- und Ernährungswirtschaft.

Unter dem Titel «Wertschöpfung im Wandel – Strategien für morgen» richte man den Blick auf die aktuelle Marktentwicklung und auf neue Potenziale der Wertschöpfung, sagt Konferenzleiterin Barbara Kretz. Michael Feitknecht spricht über Wertschöpfungsketten zwischen Markt und Mitverantwortung. Agroscope-Ökonom Christian Gazzarin geht der Frage nach, wie wirtschaftlich eine grasbasierte Milch- und Fleischproduktion ist. FiBL-Stiftungsratspräsident Bernard Lehmann beleuchtet, welche agrarpolitischen Instrumente der Landwirtschaft am meisten bringen. Weitere Referate kommen unter anderem von der ETH Zürich, der Migros und NielsenIQ. Programm und Tickets: www.brennpunkt-nahrung.ch

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