Das Wetter kennt grundsätzlich keinen Kalender, dennoch gibt es immer wieder die Situation, bei der sich ein Wetterumschwung und ein besonderer Kalendertag überschneiden. So ist es zwar nur Zufall, dass am vergangenen Freitag pünktlich zum astronomischen Herbstanfang eine Kaltfront das Ende einer mehrtägigen Hochdruckphase eingeläutet hat.
Dass seither Herbstwetter wie aus dem Bilderbuch mit Regen, Wind und dichten Wolken überwiegt, kann ebenfalls kaum dem Kalender zugeschrieben werden – hierfür ist die grossräumige atmosphärische Zirkulation verantwortlich, die hier etwas genauer unter die Lupe genommen wird.
Das Muster wiederholt sich
Betrachtet man die grossräumige Druckverteilung über dem Atlantik und Europa, so findet man ein Muster, das sich seit ungefähr Mitte September immer wieder neu aufbaut. Zum einen besteht über dem zentralen Atlantik ein massives Hochdruckgebiet, zum anderen ein umfangreiches Tiefdruckgebiet, das seinen Kern meist im Raum zwischen Nordsee, dem Baltikum und Mitteleuropa hat.
Diese Konstellation sorgt dafür, dass zwischen dem Hoch und dem Tief ein ausgeprägter Druckunterschied besteht und sich entlang dieses Druckunterschieds eine Nord- bis Nordwestströmung einstellt, die kalte und feuchte Luft von den Polarregionen nach Süden transportiert.
Mit dieser Nordwestströmung hat bereits Mitte September ein erster Schub Kaltluft zu einem Wintereinbruch in den Alpen geführt. Damals war die Menge an Kaltluft, die Mitteleuropa erreichte, jedoch verhältnismässig gering, sodass sich das steuernde Tiefdruckgebiet etwas auffüllen konnte und vorübergehend nach Osten verdrängt wurde. Diese Situation hatte uns die mehrtägige Hochdruckphase mit «Altweiber-Sommer-Wetter» beschert. In derselben Zeit zog jedoch auf der Westseite des Atlantiks der tropische Wirbelsturm Fiona nach Norden, welcher indirekt das Regenwetter der vergangenen Tage stark beeinflusst hat. Denn mit dem Sturm wurden grosse Energiemengen über Neufundland und Grönland zum Polarkreis transportiert.
Viel Polarluft fliesst aus
Als Retourkutsche erfolgte dann wie auf einer Kippschaukel ein Ausfluss einer grösseren Menge Polarluft – und diese wurde mit der oben erwähnten Nordwestströmung direkt in Richtung Mitteleuropa transportiert. Da diese Polarluft nun umfangreicher war, blieb auch das Tiefdruckgebiet über Europa deutlich langlebiger. Die Polarluft und die Temperaturgegensätze, die durch sie entstehen, sind nämlich der Treibstoff dieser Tiefdruckgebiete. Das langlebige und kräftige Tief wanderte von der Nordsee allmählich nach Deutschland. Dabei blieb die Schweiz an seiner südwestlichen Flanke und lag damit oft im Bereich einer Luftmassengrenze zwischen der kalten Polarluft und der eher milden Luft über dem Mittelmeerraum. Diese Luftmassengrenze führte zu häufigem Niederschlag, sodass allein in der ersten Wochenhälfte verbreitet um 50 mm Regen fielen – und bis zum Freitag bleibt das Tief über Mitteleuropa erhalten, wobei es sogar noch etwas näher an die Schweiz kommen kann.
Zuerst nass, dann trocken
Erst zum Monatswechsel scheint eine Umstellung der Wetterlage wahrscheinlich, auch wenn sie sich in der Schweiz erst etwas verzögert zeigt. Zum Monatswechsel verflacht nämlich das Hoch über dem zentralen Atlantik. Dies hat den Vorteil, dass sich die etwas festgefahrene Situation über Mitteleuropa auflösen kann, aber auch den Nachteil, dass nun die Bahn frei ist für Tiefdruckgebiete, die aus Westen aufziehen.
Ein solches Tief aus Westen sorgt darum in den ersten Oktobertagen nochmals für Niederschläge. Danach scheint es jedoch sehr wahrscheinlich, dass der Luftdruck über der Schweiz wieder ansteigt und in der ersten Oktoberwoche trockenes Wetter überwiegt. Unsicherheiten bestehen jedoch noch in der Position des Hochs und der Dauer der Hochdruckphase. Auf jeden Fall scheint die Schweiz dann zumindest vorübergehend dem Bann der Tiefdruckgebiete entfliehen zu können.

