Im Monat Mai kommt die Natur so richtig in Fahrt und in der Landwirtschaft stehen viele Aufgaben an. In diesem Jahr waren die ersten Monate in der Schweiz zum Teil aussergewöhnlich mild und die Vegetation hat gegenüber dem langjährigen Mittel einen Vorsprung von mehreren Wochen.

Vor allem der Februar sticht heraus, mit einer Abweichung der Temperatur von mehr als 5 Grad. Somit war der Februar in diesem Jahr sogar noch um einiges wärmer als ein durchschnittlicher März.

Durch den Vorsprung in der Vegetation fanden die Tiere in diesem Jahr schon früh genügend Futter auf den Weiden und der erste Grasschnitt war früher möglich als in anderen Jahren. Dabei stellt sich wie jedes Jahr die Frage nach einem geeigneten Wetterfenster für das Trocknen des ersten Grasschnitts.

Niederschlagsreicher Monat

Ein Blick in die Klimatologie zeigt, dass der Mai in der Schweiz nicht unbedingt durch beständiges Wetter mit mehrtägigen Trockenphasen heraussticht. Der Mai gehört auf der Alpennordseite zu den niederschlagsreichsten Monaten des Jahres, an vielen Stationen im Mittel-land ist es sogar der niederschlagsreichste, wie zum Beispiel in Bern.

Auch bei der Anzahl der Tage mit Niederschlag nimmt der Mai meist den Spitzenplatz ein in der Statistik. Im Schnitt fällt an etwa 11 bis 15 Tagen im Monat Mai Niederschlag von einem Millimeter oder mehr. Dies macht es schon rein statistisch unwahrscheinlich, dass sich längere trockene Phasen einstellen.

Teil der Übergangsjahreszeit

Der Mai gehört in der Schweiz zur Übergangsjahreszeit. Das heisst, dass sich in dieser Zeit die typischen Wetterlagen umstellen. Die Tiefdruckaktivität über dem Atlantik lässt nach, sorgt aber noch oft für eine ausreichende Zufuhr von feuchter Luft aus westlicher Richtung.

Gleichzeitig sind beständige Hochdruckgebiete aus den südlichen Regionen noch selten. Zusammen mit der schon sehr starken Sonneneinstrahlung begünstigt dies im Mai die vermehrte Bildung von Schauern und Gewittern. Auch in diesem Jahr haben sich im Mai schon einige Gewitterlagen eingestellt.

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Typischer Kreislauf

Ein weiterer Faktor, der im Mai oft zu Schauern oder Gewittern führt, ist die Bodenfeuchte. In der Regel sind die Böden in der Schweiz gegen Ende des Frühlings gut mit Wasser gesättigt.

Dies einerseits durch die vergangenen Niederschläge im Winter und Frühling bei gleichzeitiger noch geringer Verdunstung, andererseits auch durch den schmelzenden Schnee, vor allem in den Voralpen und Alpen.

Durch die in diesem Jahr hohe Bodensättigung ist ausreichend Wasser für die Bildung von Quellwolken vorhanden. Wenn es nun also auch die Wetterlage mit einem fehlenden, stabilen Hoch erlaubt, regeneriert sich der Wasserkreislauf immer wieder durch Verdunstung, Bildung von Schauern und Gewittern und anschliessend weiterhin nassen Böden.

Ein Blick in die Wetterkarten zeigt auch für die nächsten Tage eine für die Jahreszeit typische Wetterlage. Das Wetter bleibt instabil und es ist immer wieder mit Regen zu rechnen. Trockene Phasen sind nur kurz und typisches Heuwetter ist bis auf Weiteres nicht in Sicht.

Woher die Wonne?

Der auch gebräuchliche Begriff des «Wonnemonats» bezieht sich übrigens nicht auf wonnig-schönes Wetter im Mai, sondern stammt vom althochdeutschen «Wunnimanot», was im Neuhochdeutschen so viel wie «Weidemonat» bedeutet. Das heisst, dass in diesem Monat das Vieh wieder auf die Weide gelassen werden konnte.

Auch in diesem Jahr sorgt der ausreichende Regen wieder für genügend Grünfutter auf den Weiden und der Monat Mai macht seinem Namen – im ursprünglichen Sinn – alle Ehre.