«Ich habe Freude an bunten Farben und Formen in meinem Garten, dazu mag ich die grosse Vielfalt der Sorten», erzählt Gabriel Hess. Bei einem Rundgang durch den Garten in Oeschenbach, Bern weiss der junge Fachmann viel Wissenswertes zu berichten, denn er verbringt unzählige Stunden in der Natur. Mit seiner Lehre als Gärtner, Fachrichtung Zierpflanzen, geht der Sortenerhalter, der für Pro Specie Rara über sechzig Kulturpflanzen vermehrt, nun auch beruflich in diese Richtung.

Den Garten vom Vater übernommen

Die grüne Ader hat Gabriel Hess seit Geburt. Er erinnert sich, dass er schon als kleiner Bub gerne ein Gartenbeet bewirtschaftete und an Botanik interessiert war. 2016 übernahm er den Garten, von seinem Vater. 2018 besuchte er bei Pro Specie Rara während vier Tagen den Samenbaukurs intensiv. «Dort lernte ich enorm viel über die Vermehrung von Gemüse, Blumen und anderen Gartenpflanzen. Bei dieser speziellen Arbeit gibt es unzählige Dinge, die man beachten muss, damit sich ein Erfolg einstellt», weiss Hess.

250 Tomatensorten sind in der Sammlung vorhanden

Er baut für Pro Specie Rara an, hat aber auch viele andere Sorten, die ihn ebenfalls speziell interessieren. So haben bei ihm die Tomaten einen hohen Stellenwert. Im Folientunnel und Freiland gedeihen jeweils rund hundert verschiedene Sorten. In der Sammlung lagern sogar Samen von über 250 Tomatensorten. «Ich habe mich darin vertieft und es ist ein schönes Erlebnis, die diversen Sorten wachsen und reifen zu sehen. 2018 war für dieses Gemüse ein Hammerjahr, schön, trocken und heiss», erzählt Gabriel Hess.

In einer Holzkiste präsentiert sich eine unglaubliche Sortenvielfalt. Da ist das «Andenhorn», oder die Herztomate «Di Catenna» eine Tessiner Lokalsorte, die grosse und schöne alte Sorte «Mamut Deutsches Gold» strahlt ebenfalls. Die Frucht der gelb-orangen, sehr saftigen Fleischtomate hat einen hervorragenden Geschmack. Daneben nicht zu übersehen: «Black Beauty», die schwärzeste Tomate der Welt. Die schwarze Farbe der Haut geht auf einen extrem hohen Anthocyan-Anteil zurück. Diese roten Farbstoffe gelten als sehr gesund.

Gesunde Knollen im Keller lagern

Kartoffeln sind ebenfalls ein Steckenpferd von Gabriel Hess. «Ich habe über vierzig Sorten und die Tendenz ist steigend. Die Kar­toffel-Vielfalt entdeckt man eigentlich erst, wenn sie aufgeschnitten werden, oder an den wunderschönen Blüten», erklärt er. Die gesunden Knollen hat er bereits im Keller eingelagert. Eine namenlose Sorte begeisterte ihn durch schwarze Blüten und die blaue Maserung des Fruchtfleisches. Dazu gibt es aber auch die «Corne de Gatte», oder «Blue Eyes», eine Schweizer Züchtung von Varietas. Bei den hellfleischigen Sorten gibt es zahlreiche Gelb- bis Goldtöne.

Im Treibhaus gedeihen verschiedene Chilis, darunter sehr scharfe. Ingwer und Kurkuma sind dort ebenfalls zu finden. Ende August ist der Garten nicht mehr so üppig, aber es gibt viel Saatgut zu ernten. Kichererbsen, Maissorten, bunte Karotten, runde Zucchetti, dazu einige seltene Beeren- und Obstsorten und viele mehr. Im Blumenbeet leuchten rote Zinnien prächtig. «Die ‹Scarlet Flame› steht bei Pro Specie Rara sogar auf der roten Liste, das Saatgut ist dringend gesucht», erklärt Gabriel Hess deren Aufgabe.

Behausung für die Gartenbewohner

Sein Garten ist etwas wild, so wird der Natur Platz geboten, um sich zu entfalten. Einige Stein- und Asthaufen, Hecken, Wiesen und Insektenhotels bieten Gartenbewohnern Unterschlupf. In seinem zweiten Garten in Ursenbach wachsen unter anderem Kartoffeln und Getreide. Letzteres wird von ihm ausschliesslich zum Vermehren angebaut. Die Arten Dinkel, Emmer, Einkorn und Welscher Weizen sind sehr begehrt.

 

Das Wochenende der offenen Samengärten

Mit einem Wochenende der offenen Samengärten macht die Stiftung Pro Specie Rara in der ganzen Schweiz durch 13 aktive Sortenbetreuer und Sortenbetreuerinnen auf alte, traditionelle Gemüse-, Zierpflanzen-, Kräuter- und Ackerpflanzensorten aufmerksam. Die Adressen der Gärten sowie weitere Daten sind auf der untenstehenden Website zu finden. Auch der 17-jährige Gabriel Hess aus Oeschenbach zeigt in seinem Garten dessen ganz besondere Vielfalt.

Offener Samengarten Alte Mühle Hofen, 4943 Oeschenbach, Samstag und Sonntag, 22. und 23 August, jeweils von 13 bis 18 Uhr. 

Weitere Informationen, Adressen und Daten: www.offenergarten.ch