«Ich bin froh, absolvieren wir unseren Schultag als Präsenzunterricht», sagt Miryam Bärtschi aus Sumiswald BE. Seit August 2020 absolviert sie im Kanton Bern das Bildungsjahr Hauswirtschaft (BJHW). «Ich habe in meinem Umfeld festgestellt, dass die Hauswirtschaft in der Corona-Pandemie einen hohen Stellenwert bekommen hat. Viele haben mir gratuliert, dass ich diese Ausbildung mache», fährt die junge Frau fort.
«Viele haben mir gratuliert, dass ich die Ausbildung mache.»
Miryam Bärtschi, AbsolventinBildungsjahr Hauswirtschaft
Überall im Schulgebäude herrscht Maskenpflicht
Am Inforama Waldhof sind vierundzwanzig Schülerinnen einen Tag pro Woche im praxisbezogenen Unterricht des BJHW anzutreffen. Das private Zwischenjahr vermittelt hauswirtschaftliche Kenntnisse sowie Allgemeinbildung und dient als Basis zum selbstständigen Führen eines Haushalts. Der Verband Bernischer Landfrauenvereine (VBL) hat die Trägerschaft inne.
Der Unterricht der Grundbildung findet vor Ort, die höhere Berufsbildung grundsätzlich als Fernunterricht statt. «Es herrscht im Schulhaus überall Maskenpflicht. Dies ist beim Kochen ein Nachteil, weil man vergisst, die Speisen zu probieren. Am Tisch ist der Abstand so gross, dass ein Gespräch fast nicht möglich ist. Trotzdem geniesse ich den Kontakt mit den Kolleginnen», erzählt Miryam Bärtschi. Sie lernt in der Schule, aber vor allem im Familienhaushalt, wo sie vier Tage pro Woche arbeitet, viel.
Trotz Corona normal weiterleben
«Wir versuchen auf dem Bauernhof so normal wie möglich weiterzuleben. Natürlich mit Abstand und unter Berücksichtigung der Corona-Vorgaben von Bund und Kanton», meint Brigitte Walker. Sie bietet auf ihrem Lamahof Agrotourismus an. Die Ferienwohnung mieten Menschen, die Abstand vom Alltag brauchen. «Die Leute freuen sich, in einer anderen Umgebung etwas zu entdecken», bemerkt Brigitte Walker. Lama-Wanderungen werden plötzlich zu Geburtstags-Events im kleinen Kreis.
«Viele Menschen mussten teilweise lernen, was Wohnen heisst.»
Brigitte Walker, Bäuerin und Ausbildnerin
Der Lamahof bietet als anerkannter Familienhaushalt, Lernenden vom BJHW vier Tage pro Woche einen Ausbildungsplatz. «Für uns alle war vor allem im letzten Frühjahr die Ungewissheit schwierig», hält Brigitte Walker fest. Sie ist aber überzeugt, dass die Hauswirtschaft in der Pandemie an Wert gewonnen hat. Viele Menschen entdeckten ihr Daheim neu und mussten teilweise lernen, was Wohnen heisst. Genaue Zahlen über den Einkauf von Backzutaten in der Pandemie-Zeit gibt es nicht. Ebenso wenig über Kosten für Renovationen von Küchen oder Bädern. Nimmt man aber nur einen Bruchteil der Gelder, die sonst von Herr und Frau Schweizer fürs Reisen ausgegeben werden, ist dies eine beachtliche Summe. Für die umfassenden Wirtschaftshilfen hat der Bund bisher rund siebzig Milliarden Franken gesprochen, oder auf den Entscheidungsweg geschickt. Sicher wird davon die Hauswirtschaft profitieren.
Wer leistet was im Bauernhaushalt?
Transparenz in der bäuerlichen Hauswirtschaft ist wichtig. Auf einem Bauernhof teilen sich Bäuerin und Bauer oft betriebliche Aufgaben sowie die Familien- und Hausarbeit auf. Der Umfang der geleisteten hauswirtschaftlichen Arbeiten zeigt sich oft jedoch nicht. Die Online-Anwendung «LabourScope» hilft, sämtliche Betriebszweige gleichberechtigt darzustellen.
Mehr zum Tool LabourScope finden Sie in diesem Artikel.
Mehr Zeit für die Hausarbeit
Im Frühjahr 2020 und jetzt arbeitet Luca Fischer im Homeoffice. «Während Corona habe ich klar mehr Zeit für die Hausarbeit eingesetzt. Es macht mir Spass, meine persönliche Umgebung schön zu machen» stellt der Single-Mann, der auf einem Bauernhof aufwuchs, fest. Er freut sich, bald wieder die Freunde einzuladen. «Ich habe in diesem Jahr meine Küchenschränke sehr gründlich aufgeräumt» meint Luca Fischer mit einem Lachen zur Nachbarin über den Gartenzaun. Darum lief seine elektrische Saftpresse nach Jahren wieder einmal, nämlich in die Entsorgung. Er ist stolz auf sein gepflegtes Daheim, und der Haushalt wird mit Engagement geführt. Luca Fischer hat seine Fähigkeiten von seiner Mutter gelernt, oder sich selbst angeeignet. Der Haushalt hat einen hohen Stellenwert in seinem Leben, obwohl er keine Ausbildung dafür besucht hat.
Was man über Hauswirtschaft lesen kann
Sucht man auf Bing das Wort «Hauswirtschaft» sind 1 290 000 Ergebnisse zu lesen. Unter Wikipedia steht: «Der Ausdruck Hauswirtschaft bezeichnet die in einem Haushalt in Betracht zu ziehenden ökonomischen Aspekte und Tätigkeiten. Hauswirtschaft bezeichnet auch die bis ins 19. Jahrhundert hinein dominierende Wirtschaftsform. Sie bezieht sich auf das Haus in seiner Gesamtheit als Ort des Wohnens und der Arbeit. Somit bildet heute die Hauswirtschaft neben der Betriebswirtschaft und der Volkswirtschaft eine der grundlegenden ökonomischen Ebenen der modernen Gesellschaft.»

Hauswirtschaft ist nicht nur kochen, manchmal muss Miryam Bärtschi den Hofplatz wischen.
Internationaler Tag der Hauswirtschaft
Am 21. März findet der Internationale Tag der Hauswirtschaft statt. In diesem Zusammenhang sagt Bundesrätin Karin Keller-Sutter in einem Statement: «Hauswirtschaft ist wichtig, weil sie wichtige Lebensgrundlagen vermittelt. Wir lernen, eigenständig zu haushalten, gesund zu leben und richtig zu entscheiden, was wir einkaufen.» Weitere Statements zu Hauswirtschaft und viel Wissenswertes sowie Spannendes aus der Welt der Ernährungs- und Hauswirtschaft gibt es auf der Website des Bäuerinnen- und Landfrauenverbands zu entdecken. Unter anderem Landfrauenrezepte, Menüpläne oder Weiterbildungshinweise.
Tagung des landwirtschaftlichen Institut Grangenauve
Im Vorfeld zum Internationalen Tag der Hauswirtschaft 2021 organisierte das landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve FR eine hauswirtschaftliche Fachtagung (mehr darüber lesen Sie in der BauernZeitung vom 26.3).
Tagungsthemen waren unter anderem:
- die Bio-Reinigung von Böden mit Mikrofasern und Wasser
- Foodtrends
- das Wohlbefinden durch Begrünen im Innenbereich.
Der Kanton Freiburg hat seit je her eine starke Verbundenheit zur Hauswirtschaft, wurde doch in Freiburg vor über 100 Jahren, nämlich 1908, der Internationale Verband für Hauswirtschaft (International Federation for Home Economics, IFHE) gegründet. Die IFHE ist das einzige Forum für den weltweiten Austausch im Bereich Hauswirtschaft mit all seinen Facetten wie Ernährung, Gesundheit, Konsum und Bildung. Als bedeutende NGO (Non Governmental Organisation) hat die IFHE beratenden Status bei mehreren UN-Organisationen.
Slogan zum Internationalen Tag der Hauswirtschaft 2021
Ausserdem gibt die IFHE jedes Jahr den Slogan zum Internationalen Tag der Hauswirtschaft heraus. Für diese Jahr lautet er: «Mein Zuhause – meine Nachbarn – unser Quartier: Gutes Leben und Wohnen für jedes Alter.»
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