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«Blumen sind Gemüse für die Seele», sagt Bäuerin Margrit Odermatt

Margrit Odermatt bewirtschaftet mit ihrem Mann Walti den Hof Oberhostatt in Oberdorf NW. Ihre grosse Leidenschaft gilt den Blumen: Sie bindet saisonale Sträusse und schmückt mit viel Herzblut «Mäien», die traditionellen Älplerchilbi-Hüte. Bald übernimmt Sohn Marco den seit 150 Jahren familiengeführten Betrieb in fünfter Generation.

«So mager war der Garten noch nie», entschuldigt sich Bäuerin Margrit Odermatt bei der Begrüssung, denn sehr gerne hätte sie für die BauernZeitung einen farbig-blühenden Blumengarten präsentieren wollen – so wie er eigentlich in dieser Jahreszeit hätte sein sollen. «Die Blumen leiden auch unter der Hitzewelle. Aber das kommt schon wieder gut», sagt sie und lächelt sie optimistisch. Dann fügt sie an: «das ist die Natur und das akzeptieren wir.»

Fünfte Generation übernimmt bald

Auf 600 Metern über Meer, auf dem Waltersberg am Buochserhorn, bewirtschaften Margrit und ihr Mann Walti in Oberdorf NW den Hof Oberhostatt, genannt «Länzä». «Unser Betrieb ist seit 150 Jahren in Familienbesitz und nächstes Jahr wird unser Sohn Marco, gelernter Landwirt und Zimmermann, den Betrieb in fünfter Generation übernehmen», berichtet die Bäuerin stolz.

Die ausgebildete Familienhelferin wuchs im obwaldnerischen Melchtal auf und absolvierte später die Bäuerinnenschule in Langenthal. «Als Familienhelferin musste ich nur noch einzelne Module besuchen», erzählt sie. Lange hat sie noch in Teilzeit auf dem Beruf gearbeitet.

«Als wir dann vor 10 Jahren zusätzliches Land pachten konnten, gab es auch mehr Arbeit auf dem Betrieb. Seither bin ich zu 50 Prozent als Landwirtin tätig», sagt Margrit Odermatt. Das tue sie sehr gern, betont sie.

Margrit Odermatt liebt Tiere. Hier mit einem Munikälbchen.(Bild: Erika Rebsamen)

Berufskraut jätet sich im Steilhang nur schwer

«Meine Hauptaufgaben auf dem Hof sind vor allem das Kälber betreuen, das Zäunen, Heuen und in den arbeitsintensiven Sommermonaten stehe ich abends beim Melken im Stall.» In Spitzenzeiten hilft Sohn Marco – dank flexibler Arbeitszeiten seines Arbeitgebers – tatkräftig mit.

Margrit Odermatt liebt die Arbeit mit den Tieren und in der Natur – auch wenn nicht alles leichtfällt. «Das Jäten des Berufskrauts in den steilen Wiesen finde ich mühsam», gibt sie zu. «Letztes Jahr haben wir bis zu 100 Neophytensäcke damit gefüllt.»

Von der Natur inspiriert

Ihre grosse Leidenschaft abseits der Stallarbeit gehört dem Garten mit seinen unzähligen Blumen und dem Kreieren von Blumensträussen. «Ich lasse mich von der Natur inspirieren und stelle die Sträusse je nach Saison zusammen.» Was vor Jahren als Geschenk für Geburtstage im Bekanntenkreis begann, hat sich zu einem erfolgreichen Nebenerwerb entwickelt. Inzwischen bindet Margrit Odermatt bis zu 100 Sträusse pro Jahr für Hochzeitsfeiern, Jubiläen oder private Anfragen und Geschenke.

«Für mich ist es selbstverständlich, Blumen aus meinem eigenen Garten oder von der Wiese zu verwenden», betont sie. Flexibilität und Beratung gehören dabei dazu. Als sich eine Kundin einmal rote Rosen wünschte, die im Garten gerade nicht blühten, schlug sie kurzerhand Dahlien vor. Die Kreation kam hervorragend an. Für die Bäuerin ist klar: Es ist wichtig, kreative Alternativen aufzuzeigen, anstatt Blumen zuzukaufen.

«Mäien» – die Lieblingsbeschäftigung

Seit letztem Jahr sind Margrit und Walti Odermatt dem Verein «Natürlich Nidwalden», der für lokale und nachhaltig produzierte Erzeugnisse aus dem Kanton Nidwalden steht, beigetreten. Auf ihrem Profil ist zu lesen:  «Wer anderen eine Blume sät, blüht selber auf.» Blumen scheinen für die Naturliebhaberin eine grosse Bedeutung zu haben. «Ja, das ist so, Blumen gehören bei mir auf den Tisch wie der Wasserkrug», hält sie fest.

Ihre Leidenschaft: Mäien binden für die Trachtenhüte.(Bild: Erika Rebsamen)

Die absolute Lieblingskreation der 57-Jährigen sind Mäien (Älplerchilbi-Hut im Kanton Nidwalden): «Ich liebe es, diese Hüte mit meinen frischen Blumen zu dekorieren. Eine ‹Mäie› muss mindestens zwei Edelweiss und eine Ähre enthalten. Die restlichen Blumen stimme ich je nach Farbe auf die Tracht oder das Hirtenhemd ab», erklärt sie.

Wände streichen und Möbel aufpolieren

Ja, kreativ ist sie, die aufgestellte Länze-Margrit. In ihrem Bauernhaus hat sie schon manche Wand frisch gestrichen oder alte Möbel aufpoliert, welche nun im Haus das geeignete Plätzchen gefunden haben. Selbst im Badezimmer gibt es liebevolle Details zu entdecken. Begeistert führt sie die Schreiberin durch ihre Wohnung und strahlt übers ganze Gesicht beim Erklären ihrer Tätigkeit. «Diesen Bauernschrank habe ich auch renoviert, und schau mal, wie es drinnen aussieht…»

Eine grosse Kollektion Kindertrachten kommt zum Vorschein. «Ach ja, das ist ja noch eine weitere Leidenschaft von mir. Ich nähe sehr gerne. Für das ‹Kinderjodlercheerli Brisäblick› ändere ich jedes Jahr die Trachten», erklärt die Vielseitige bescheiden. «Auf Anfrage nähe ich auch Lätzli, Picknicksäckli und vieles mehr. Zudem führe ich auch gerne Flickarbeiten aus», fügt sie an.

Nähen ist ihre Leidenschaft: Margrit Odermatt präsentiert ihre Znünisäckli und Lätzli(Bild: Erika Rebsamen)

In der Freizeit als Säumerin unterwegs

Trotz viel Arbeit findet die Umtriebige Zeit für ihre Hobbys: «Wann immer möglich gehe ich mit meinem Mann in unserer schönen Bergwelt wandern, biken oder skifahren. Oder wir besuchen auch mal ein Schlager-Open-Air.»

Grössere Wanderungen unternimmt sie meistens mit Freundinnen. «Da möchte ich meinem Mann ein Kränzlein winden. Er ist sehr tolerant und lässt mich immer gehen, wenn ich es möchte», sagt Margrit Odermatt. Das schätzt sie sehr. «Ich gehe ja nicht in der Hochsaison oder wenn viel Arbeit ansteht, meinen Hobbys nach», sagt sie schmunzelnd.

Neben den Bergen schlägt ihr Herz für Pferde. Einmal im Jahr taucht sie als Säumerin in eine andere Welt ein. «Jedes Jahr bin ich mit meinen Säumerkollegen eine Woche lang mit unseren Pferden, Maultieren und Eseln irgendwo in der Schweiz unterwegs.» Ein eigenes Pferd habe sie aus Zeitgründen nicht mehr, jedoch dürfe sie mit einer Freundin dessen Pferd führen. Das macht ihr viel Freude.

Landwirtschaft hat sich verändert

Der Alltag in der Landwirtschaft hat sich verändert, was der gelernten Bäuerin auch Sorgen bereitet: «Der administrative Aufwand und die Bürokratie werden immer grösser. Auch den allgemeinen Trend, dass Betriebe immer weiterwachsen müssen, um wirtschaftlich zu überleben, betrachte ich kritisch. Das ist ungesund. Unser Betrieb hat eine ideale Grösse – wir können davon leben, es bleibt uns etwas Freizeit und damit Lebensqualität.»

Jedes Jahr ändert sie für das «Kinderjodlercheerli Brisäblick» die Trachten.(Bild: Erika Rebsamen)

Familie an oberster Stelle

Familie steht für die Nidwaldnerin an oberster Stelle. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie stolz auf die vier erwachsenen Kinder und den starken Zusammenhalt: «Jeder kann sich auf jeden verlassen.» Inzwischen ist Margrit Odermatt auch zweifache Grossmutter. Wann immer es die Zeit erlaubt, hütet sie ihre Enkelkinder und verfolgt dabei eine Herzensmission: «Es macht mich glücklich, Kindern unsere Natur, die Tiere und den Garten näherzubringen.» Gemeinsam pflanzen und ernten sie Kartoffeln – wertvolles Praxiswissen, das sie der nächsten Generation spielerisch mit auf den Weg gibt.

«Ja, und eins möchte ich gerne noch tun in meinem Leben: z’Alp ga mit meinem Mann.» Aber erst, wenn die Zeit reif sei, sagt sie über ihren Wunsch, und fügt an: «Komm, wir gehen noch kurz in den Stall, ich möchte dir noch unser Kälbchen zeigen.»

Fünf Fragen an Margrit Odermatt

Was möchten Sie besser können?

Schwyzerörgeli spielen.

Welchen Traum möchten Sie verwirklichen?

Ein paar Wochen z Alp mit meinem Mann Walti.

Wie belohnen Sie sich selbst?

Einen freien Tag in den Bergen, im besten Fall mit meinem Mann. Wenn die Zeit nicht reicht, mindestens ein Panaché auf unserem Feierabendbänkli.

Welche Arbeit liegt Ihnen gar nicht?

Alles rund um den PC.

Wohin möchten Sie gerne einmal reisen?

Kanada.

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