Kurz & bündig
- Investieren Betriebsleitende bis etwa zum 50. Altersjahr laufend und verzichten dann darauf, bleibt Zeit, um Schulden bis zur Übergabe zu tilgen. - Erfolgen Investitionen in den letzten fünf Jahren vor der Übergabe, können die Übernehmenden zunächst produzieren und Geld verdienen.
Eine pauschale Antwort für den richtigen Investitionszeitpunkt gibt es nicht. «Wichtig ist, dass man sich über alle Möglichkeiten im Klaren ist und diese überprüft», sagt Patrick Burren, Berater für Agrarwirtschaft am landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg.
Dabei stellt sich zum Beispiel die Frage, ob zuerst die Bildung einer Generationengemeinschaft sinnvoll ist oder der Betrieb direkt übergeben werden soll. Empfehlenswert ist ausserdem eine langfristige Planung. Erste Überlegungen (z. B. im Bereich Vorsorgeplanung oder Abschreibungen) sollten idealerweise bereits 15 Jahre vor der Hofübergabe erfolgen.
Durch die Hofübernahme allein ist die Verschuldung schon hoch
Fallen grössere Investitionen wie zum Beispiel ein Um-/Neubau des Milchviehstalls direkt nach der Hofübernahme an, stellt sich die Frage der Finanzierung und Tragbarkeit. «Nach der Hofübernahme ist man normalerweise schon hoch verschuldet», merkt Patrick Burren an.
Eine mögliche Lösung ist ein etappenweises Vorgehen: zuerst die Hofübernahme, zwei Jahre später der Um-/Neubau des Milchviehstalls und drei bis vier Jahre später weitere Investitionen (z. B. neues Futterlager). Es ist zudem sinnvoll, zuerst Investitionen zu tätigen, die wirtschaftlich etwas abwerfen. Falls zum Beispiel notwendige Investitionen sowohl bei der Remise als auch beim Milchviehstall anstehen, sollte zunächst der Umbau bzw. Neubau des Stalls in Angriff genommen werden.
Auch finanzielle Lösungen innerhalb der Familie sind denkbar. «Man kann auf die Eltern zugehen, vielleicht ist ein Darlehen eine Option», schlägt Burren vor. Voraussetzung dafür ist jedoch eine gute Vorsorgeplanung der Eltern. Es muss sicher gut angeschaut werden, ob ein Darlehen überhaupt möglich ist. Zudem müssen auch zukünftige Verpflichtungen wie Steuern berücksichtigt werden.
Vor der Übernahme investieren erfordert eine enge Abstimmung
Was ist mit Investitionen, die noch vor der Hofübergabe getätigt werden? Ein mögliches Vorgehen ist, dass Betriebsleitende bis etwa zum 50. Altersjahr laufend investieren und danach darauf verzichten. So bleibt Zeit, um Schulden bis zur Übergabe zu tilgen. «Der Vorteil ist, dass das Eigenkapital der übergebenden Generation höher und das Fremdkapital bei der Übergabe tiefer ist», erklärt Patrick Burren. Gleichzeitig bestehen weniger Schulden.
Wenn im Alter ab 50 Jahren keine Investitionen mehr getätigt werden, kann es jedoch sein, dass die neue Generation kurz nach der Hofübergabe investieren muss. Dadurch können bereits zwei bis drei Jahre nach der Übergabe grössere Investitionen anfallen.
Eine weitere Variante ist, dass Investitionen erst in den letzten fünf Jahren vor der Übergabe erfolgen. «Für die Übernehmenden hat das den Vorteil, dass sie zunächst produzieren und Geld verdienen können», erklärt Burren. Zudem kann zu Beginn mit weniger Investitionen gerechnet werden.
Dem stehen jedoch Risiken gegenüber. Die Hofübergabe kann für die Übernehmenden finanziell herausfordernd werden, zum Beispiel durch einen hohen Fremdfinanzierungsgrad.
Zudem kann es zu zwischenmenschlichen Konflikten kommen, wenn die übernehmende Generation wenig Einfluss auf den Investitionsentscheid hatte. «Die übernehmende Generation muss dann oft das weiterführen, was übergeben wurde, und ist sozusagen ‹gezwungen›, diese Schulden die nächsten Jahre zu tilgen», verdeutlicht Burren. Grössere Investitionen kurz vor der Hofübergabe erfordern deswegen eine enge Abstimmung und es ist wichtig, dass die zukünftige Betriebsleitung mitentscheidet. «Bei einer grösseren Investition wie einem neuen Stall werden die Weichen für die nächsten 25 bis 30 Jahre gelegt», zeigt Burren als Beispiel auf.
Rahmenbedingungen können sich verändern
Keine oder zu wenig detaillierte Finanzierungs- und Tragbarkeitsberechnungen sind Fehler, die beim Tätigen von Investitionen in der Praxis auftreten. Zudem werden teilweise Annahmen getroffen, die später nicht erreicht werden. So kann beispielsweise der angenommene Deckungsbeitrag deutlich tiefer ausfallen als gedacht. «Grösser bauen bedeutet auch nicht immer automatisch einen grösseren Deckungsbeitrag», ergänzt Patrick Burren.
Während der Umsetzung können sich auch die Rahmenbedingungen verändern. Die Grundlage bilden die Zahlen aus der Buchhaltung des Betriebs. Zwischen Planung und Umsetzung eines Projekts spielen aber viele weitere Faktoren mit hinein. Unvorhergesehene Rückzahlungen, wie ein Darlehen, das ungeplant früher zurückbezahlt werden muss, können die Situation zusätzlich erschweren.
Patrick Burren empfiehlt, früh genug eine Begleit- bzw. Beratungsperson hinzuziehen, die an alles denkt.

«Zuerst sollten Investitionen getätigt werden, die wirtschaftlich etwas abwerfen.»
Patrick Burren, Liebegg
Investitionen wirken sich auf den Übernahmepreis aus
Bereits getätigte Investitionen beeinflussen den Übernahmepreis (siehe Grafik). Investitionen in Gebäude und Boden werden entsprechend berücksichtigt und dem Ertragswert aufgerechnet.
Ein wichtiger Punkt ist die Gleichbehandlung der Geschwister. Fair bedeutet dabei nicht zwingend finanziell gleichwertig. «Fair kann auch heissen, dass jemand etwas finanziell Höherwertiges erhält, für eine andere Person aber etwas anderes einen höheren persönlichen Wert hat», erklärt Patrick Burren.
Eine mögliche Lösung kann zum Beispiel auch sein, dass, wenn ein Kind den Betrieb bekommt, die anderen Kinder Bauland oder Darlehen für den Kauf eines Hauses erhalten.
«Wichtig ist, dass alle Abmachungen schriftlich festgehalten werden, damit es Jahre später nicht zu Konflikten kommt», sagt Burren.

