Kurz & bündig
- Hans und Brigitte Weidmann haben den Stall Höfli in Marthalen ZH zu einem erfolgreichen Betrieb mit Pensionspferdehaltung und Ackerbau entwickelt.
- Ihnen ist es wichtig, dass die nächste Generation den Betrieb mit Freude und eigenen Ideen weiterführen kann.
- Als nächsten Schritt auf dem Weg zur Hofübergabe gründet die Familie Weidmann eine Generationengemeinschaft.
- Robin Weidmann übernimmt den Betrieb schrittweise und erhält dabei immer mehr Verantwortung, während seine Eltern ihn mit ihrer Erfahrung unterstützen.
Wer durch die Strassen von Marthalen im Zürcher Weinland spaziert, entdeckt den malerischen Dorfkern mit den vielen historischen Riegelhäusern. Am Dorfrand und doch mitten im Dorfleben befindet sich der Betrieb der Familie Weidmann. Top gepflegte Weiden, eine grosszügige Infrastruktur und ein wunderschönes Reitgelände: Hier finden Pferdebesitzer alles, was das Herz begehrt. «Wir haben hier ein echtes Reitparadies», erzählen Hans und Brigitte Weidmann vom Stall Höfli.

Vom Munimaststall zur Pensionspferdehaltung
Hans und Brigitte Weidmann haben den Betrieb «Stall Höfli» von Brigitte Weidmanns Eltern übernommen. Brigitte Weidmann ist auf dem Betrieb aufgewachsen, Hans Weidmann auf einem kleineren Betrieb in der Nähe.
Im Jahr 2000 zogen sie auf den Stall Höfli, fünf Jahre später übernahmen sie ihn. Einfach war dieser Weg nicht. 2004 brannten die Scheune und die Siloanlage vom Munistall ab. Brigitte Weidmanns Eltern hatten nicht mehr die Energie, den Betrieb wieder aufzubauen und die grossen, anstehenden Investitionen zu tätigen. 2005 übernahmen Brigitte und Hans Weidmann zusammen den Betrieb.
Da der Munimaststall nicht mehr nutzbar war, entschied sich das Paar dazu, die Pensionspferdehaltung auszubauen. Pensionspferde gehörten damals bereits zum Betrieb. Im Jahr 2000 wurde ein ehemaliger Schweinestall umgenutzt und bietet bis heute Platz für 8 Einzelboxen. 2006 wurde der neue Pferdestall mit 13 Einzelboxen fertiggestellt. Die Pensionspferdehaltung ist heute neben dem Ackerbau der wichtigste Betriebszweig. Der Betrieb, auf dem Hans Weidmann aufgewachsen ist, bildet den zweiten Standort des Betriebs. Dort befinden sich eine grosse Lagerhalle und alte Ökonomiegebäude.
Mit Blick auf die näher rückende Pensionierung machten sich Hans und Brigitte Weidmann zunehmend Gedanken über die Zukunft des Betriebs. Als nächsten Schritt auf dem Weg zur Hofübergabe gründet Hans Weidmann gemeinsam mit seinem Sohn Robin Weidmann per Januar 2027 eine Generationengemeinschaft.

Jeder bringt seine Stärken mit ein
Hinter dem Stall Höfli stehen mehrere Menschen, die mit unterschiedlichen Aufgaben und Fähigkeiten zum gemeinsamen Alltag auf dem Hof beitragen.
Hans Weidmann ist ausgebildeter Landwirt und hat zusätzlich eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Schon immer hat er neben dem Betrieb auswärts gearbeitet. Er ist auf dem Hof präsent, wenn es ihn braucht, das heisst meistens morgens oder abends im Stall sowie an den Wochenenden. Er ist zum grössten Teil mit Feldarbeiten (Pflanzenschutz und Düngung) beschäftigt, aber auch viel im Stall. Im Büro ist er für die Buchhaltung, die Verträge mit Pensionären und die Betriebsplanung verantwortlich.
«Brigitte ist die gute Seele im Stall», sagt Hans Weidmann über seine Frau. Sie ist ausgebildete Gärtnerin und arbeitet einen Tag pro Woche im Blumenladen ihrer Schwester. Den grösseren Teil ihrer Zeit widmet sie jedoch dem Betrieb und insbesondere den Pferden. Sie ist fast täglich im Stall und hat über die Jahre viel Erfahrung in der Pensionspferdehaltung gesammelt.

Robin Weidmann, der Sohn von Hans und Brigitte Weidmann, ist ausgebildeter Landwirt und arbeitet auf dem Betrieb mit. Daneben ist er bei einem Lohnunternehmen tätig. Er übernimmt zunehmend alle Arbeiten und wächst Schritt für Schritt in die Betriebsführung hinein.
Auch Michelle Bürki, Robin Weidmanns Partnerin, ist ein wichtiger Teil der Familie. Sie ist ausgebildete Kaminfegerin und arbeitet weiterhin in ihrem Beruf. Gleichzeitig besucht sie die Bäuerinnenschule am Strickhof. Auf dem Betrieb hilft sie im Stall mit und kümmert sich um die Website und die sozialen Medien des Betriebes.
Jeder bringt seine eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen mit ein. Das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Generationengemeinschaft im Alltag funktionieren kann.
Die Generationengemeinschaft schafft einen Übergang
Dass Robin Weidmann den Betrieb später übernehmen möchte, ist für die Familie schon länger klar. Die konkrete Planung der Generationengemeinschaft nahm vor rund zwei Jahren Fahrt auf. Der eigentliche Übergabeprozess läuft allerdings schon seit ungefähr fünf Jahren. «Die Hofübergabe ist für mich nicht direkt mit der Pensionierung gekoppelt. Sie beginnt schon viel früher», sagt Hans Weidmann.
Für die Familie war von Anfang an wichtig, dass alle – auch Robins Geschwister und deren Partner – miteinbezogen werden. «Die gesamte Familie muss mit allem zufrieden sein», betont Hans Weidmann. Die Hofübergabe ist für die Familie emotional ein sehr wichtiges Projekt. Dabei lässt sich die Familie Weidmann vom Zürcher Bauernverband beraten.
Die Geschichte der eigenen Hofübernahme hat Hans und Brigitte Weidmann geprägt. «Wir wollen es anders machen», sagen sie deshalb mit Blick auf die nächste Generation.
Brigitte Weidmann weiss, wie schwierig es sein kann, plötzlich Verantwortung zu übernehmen. «Die junge Generation wird ins kalte Wasser geworfen», sagt sie. Genau das soll bei Robin Weidmann anders sein. Die Generationengemeinschaft schafft einen Übergang, in dem die beiden Generationen gemeinsam arbeiten und Robin Weidmann gleichzeitig immer mehr Verantwortung übernehmen kann.
Organisatorisch soll die Generationengemeinschaft möglichst unkompliziert funktionieren. Die Einnahmen der Generationengemeinschaft fliessen auf ein neues Konto, daraus werden die Löhne ausbezahlt. Die geleisteten Stunden werden aufgeschrieben und abgerechnet.
Die Generationengemeinschaft mietet das gesamte Betriebsinventar (Maschinen, Gebäude usw.) von Hans und Brigitte Weidmann. Vertrag und Buchhaltung werden mit Unterstützung eines Buchhalters geregelt. Für Hans Weidmann ist wichtig, einen offiziellen und sauberen Weg zu gehen: «Je besser das jetzt geregelt wird, desto einfacher wird später die Übergabe.»

Jahrelange Erfahrung trifft auf neues Wissen
Vater und Sohn sind schon heute ein eingespieltes Team. Vieles funktioniert unkompliziert und ohne lange Absprachen. Sie helfen einander, wenn es nötig ist, und organisieren den Arbeitsalltag oft spontan. «Wir planen meistens einen Tag vorher», sagt Robin Weidmann. Eine wichtige Gelegenheit für den Austausch bietet das gemeinsame Mittagessen. Dann besprechen die beiden, was ansteht und wer welche Aufgaben übernimmt. Ansonsten läuft vieles unkompliziert über das Telefon.
Dass Hans und Robin Weidmann nicht ständig gemeinsam auf dem Hof arbeiten, erweist sich dabei sogar als Vorteil. Beide sind auch ausserhalb des Betriebs tätig, haben dadurch ihren eigenen Arbeitsalltag und gleichzeitig etwas Abstand voneinander. Brigitte Weidmann beobachtet, dass diese Distanz der Zusammenarbeit guttut. Wenn einmal etwas nicht wie geplant laufe, könne man eher damit umgehen und nicht jede Kleinigkeit müsse ausdiskutiert werden.
Die beiden Generationen profitieren gegenseitig von ihrem Wissen. Robin Weidmann kann auf die jahrzehntelange praktische Erfahrung seines Vaters zurückgreifen. Hans Weidmann wiederum gibt sein Wissen nicht nur im Stall oder auf dem Feld weiter, sondern zieht seinen Sohn auch bei wichtigen Entscheidungen mit ein.
Gleichzeitig weiss Hans Weidmann, dass man auch offen für Neues sein muss. «Der Tunnelblick wird stärker, je älter man wird», sagt er. Für ihn bedeutet das, die eigenen Vorstellungen immer wieder zu hinterfragen und offen für neue Ideen zu bleiben. Was die technischen Entwicklungen angeht, lernt er zum Beispiel wiederum viel von seinem Sohn.
Robin Weidmann kennt sich durch seine Arbeit beim Lohnunternehmen mit moderner Technik aus. Beim neuen Traktor mit GPS kann er seinem Vater zeigen und erklären, wie das System funktioniert und wie es bei der Arbeit eingesetzt wird. Für Hans Weidmann ist das gleichzeitig eine Möglichkeit, sich mit der neuen Technik vertraut zu machen. «Ich nenne das Arbeitstraining und das fordert und fördert», sagt Hans Weidmann und lacht.

Schritt für Schritt in die Betriebsführung hineinwachsen
Auch wenn die Generationengemeinschaft noch nicht offiziell auf dem Papier steht, verändern sich die Rollen bereits. Für Hans Weidmann bedeutet das, einen Schritt zurückzutreten und Entscheidungen auch mal abzugeben. Wenn eine Entscheidung ansteht, sagt Hans Weidmann deshalb manchmal ganz bewusst zu seinem Sohn: «Nein, das ist jetzt deine Entscheidung.» Damit überträgt er Robin Weidmann gezielt mehr Verantwortung und gibt ihm die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln.
Robin Weidmann führt den Bereich Futterbau (Bodenbearbeitung, Saat und Ernte) bereits heute mehr oder weniger in eigener Verantwortung.
«Mein Vater gibt mir die Chance, einfach zu machen und auszuprobieren. Ich kenne viele, die dürfen gar nichts», sagt Robin Weidmann. So durfte er dieses Jahr beispielsweise mit dem Budget von Hans Weidmann den neuen Traktor kaufen. Dieses Vertrauen ist für ihn besonders wertvoll. So kann er eigene Entscheidungen treffen und auch erfahren, was funktioniert und was vielleicht nicht.
«Grösstes Geschenk, dass die junge Generation weitermacht»
Die Familie Weidmann weiss, dass eine Hofübergabe Zeit braucht. Gerade wenn mehrere Gebäude, verschiedene Standorte und mehrere Familienmitglieder betroffen seien, brauche es unbedingt genügend Zeit für Abklärungen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wer den Betrieb übernimmt. Es geht auch darum, welche Aufgaben künftig wo liegen, wie das Einkommen verteilt wird und welche Vorstellungen die einzelnen Familienmitglieder haben.
Für Hans und Brigitte Weidmann ist dabei eines besonders wichtig: Die nächste Generation soll den Betrieb nicht einfach übernehmen, weil es von ihr erwartet wird. Sie soll Freude und Herzblut für die Sache aufbauen können und ihren eigenen Weg finden können. «Das grösste Geschenk ist, dass die junge Generation weitermacht», sagen die beiden. Sie sind stolz darauf, dass ihr Sohn mit seiner Partnerin den Betrieb weiterführen möchte.
Robin Weidmann freut sich darauf, mit der Generationengemeinschaft mehr Verantwortung zu übernehmen und den Betrieb aktiv mitzugestalten. Für ihn ist die Landwirtschaft mit viel Leidenschaft verbunden. «Mach dein Hobby zum Beruf, dann musst du nie wieder arbeiten», hat ihm einmal ein Chef während der Lehre gesagt. Der Satz ist ihm bis heute geblieben.
Lange wusste der junge Landwirt allerdings nicht, ob auch die Pferdehaltung Teil seiner Zukunft sein würde. «Ich wollte immer Landwirt werden, aber ich wusste nicht, ob ich das mit den Pferden und den Pensionären wirklich wollte», so Robin Weidmann. Inzwischen stimmt die Kombination für ihn. Die Pferdehaltung ist eine Familientradition und passt gut in die zukünftige Betriebsstrategie.
Mit der Generationengemeinschaft beginnt für die Familie Weidmann nun eine neue Phase. Hans und Brigitte Weidmann ziehen sich langsam zurück. Robin Weidmann übernimmt mehr Verantwortung und kann gleichzeitig weiter auf die Erfahrung und Unterstützung seiner Eltern zählen.
Betriebsspiegel
Stall Höfli
Hans und Brigitte Weidmann, Marthalen ZH
LN: 35 ha
Kulturen: Natur- und Kunstwiesen, Weizen, Gerste, Raps, Zuckerrüben, Mais, Konservenerbsen
Tierbestand: 21 Pensionspferde, 7 Mutterkühe
Weitere Betriebszweige: externe Einkommen von Hans und Robin Weidmann
Arbeitskräfte: Hans und Brigitte Weidmann, Sohn Robin Weidmann, Michelle Bürki (Partnerin von Robin Weidmann), ein Angestellter


