Kurz & bündig
- Für die Jahresserie «Hofübergabe» begleitet «die grüne» Familie Bader im Hofübergabeprozess.
- Die Übergabe ist bereits fünf Jahre vor der Pensionierung von Josef Bader geplant. Die Eltern möchten die Verantwortung früh an die nächste Generation weitergeben.
- Durch Liliane Baders Projektarbeit zur Berufsprüfung Bäuerin mit Fachausweis wurde der Übergabeprozess angestossen.
- Es wurden bereits eine Ertragswertschätzung, eine Inventarschätzung und eine Tragbarkeitsberechnung erstellt.
Hoch oben über der solothurnischen Gemeinde Mümliswil-Ramiswil mit weiter Sicht ins Guldenthal liegt der Betrieb Bereten der Familie Bader. Der Grünlandbetrieb mit Aufzuchtrindern und Waldbewirtschaftung liegt in der Bergzone und wird bereits in der vierten Generation von Josef und Sibylle Bader bewirtschaftet. Die fünfte Generation steht bereits in den Startlöchern. Die 27-jährige Tochter Liliane möchte Anfang 2029 in die Fussstapfen der Eltern treten.
«Ich habe den Betrieb 1999 im Alter von 31 Jahren von meinen Eltern übernommen. Ich finde, junge Leute sollten im Alter von 30 Jahren Verantwortung übernehmen können», sagt Josef Bader. Deshalb will er den Betrieb bereits fünf Jahre vor seiner Pensionierung an Liliane übergeben.
Das Jahr 2029 scheint zeitlich noch weit entfernt zu liegen. Doch Familie Bader hat sich bereits sehr konkrete Gedanken rund um die Hofübergabe und um das Leben nach der Übergabe gemacht.

In der Bereten wurde viel gebaut und umgestellt
Als drittältestes von sieben Kindern hat Josef Bader im Jahr 1999 den Landwirtschaftsbetrieb von seinen Eltern übernommen. Zehn Jahre zuvor hat er seine Frau Sibylle kennengelernt. Sie ist unten im Dorf Mümliswil-Ramiswil auf einem Nebenerwerbsbetrieb als Tochter eines Försters auf-gewachsen.
Kurz nach der Hofübernahme im Jahr 2003 beendete das junge Paar die Milchproduktion und stellte auf Aufzuchtrinder um. Der alte Anbindestall wurde abgerissen und ein Neubau realisiert. Im Boxenlaufstall ist Platz für 64 Aufzuchtrinder. Doch nicht nur der Stall, auch die beiden Wohngebäude wurden neu gebaut.
«Bis vor vier Jahren haben wir hier jedes Jahr irgendetwas gebaut», erzählt Sibylle Bader. Auf dem ganzen Betrieb gibt es kaum einen Stein, den die beiden nicht angefasst haben. Das hat aber auch mit Josefs Hintergrund zu tun. Bevor er die Landwirtschaftslehre absolvierte, lernte er Zimmermann. Er hatte immer einen Fuss in der Baubranche. Denn nebst dem Landwirtschaftsbetrieb betreibt er seit 25 Jahren ein Transportunternehmen für gewerbliche Transporte, das er selbstständig aufgebaut hat. Dank dieses zweiten Standbeins und seiner Erstausbildung als Zimmermann konnte er bei den Bauten viel Eigenleistung bringen.
Da Josef Bader viel auswärts arbeitete, kümmerte sich meistens seine Frau Sibylle Bader um den Hof. Zu Beginn erledigte sie die Stallarbeiten noch mit ihrem Schwiegervater zusammen, was sehr gut funktionierte. Sie wurde von Anfang an auf dem Hof angestellt und bekommt einen Lohn sowie Sozialleistungen. Nebenbei arbeitet Sibylle Bader noch auswärts. Sie ist gelernte Drogistin und arbeitet 20 Prozent bei einem Tierarzt.

Eine Projektarbeit kurbelte die Hofübergabe an
Im Jahr 1997 ist die Tochter Liliane auf die Welt gekommen und auf dem Familienbetrieb aufgewachsen. Sie fühlt sich ihrem Zuhause sehr stark verbunden, weshalb sich nach und nach der Wunsch der Hofübernahme herauskristallisierte. «Ich könnte mir nicht vorstellen, jemals von der Bereten wegzuziehen», erzählt Liliane Bader. Sie ist zwar bereits im Alter von 20 Jahren ausgezogen, aber lediglich wenige Meter weg in die zweite Wohnung im Bauernhaus. Dort wohnt sie mit ihrem Partner Thomas Ackermannzusammen, der gelernter Maurer ist.
Für Liliane Bader war von Anfang an klar: Wenn sie auf dem Betrieb wohnhaft bleiben möchte, dann will sie auch den Landwirtschaftsbetrieb weiterführen. Deshalb absolvierte sie nach ihrer Lehre als Kauffrau im Herbst 2024 die Berufsprüfung zur Bäuerin mit Fachausweis.
Zum Erlangen des Fachausweises erstellte sie eine ausführliche Projektarbeit zum Thema Hofübergabe mit dem Titel «In die Fussstapfen der Eltern treten». Darin ging es konkret um die Hofübergabe bei der Familie Bader. «Mit dieser Arbeit ist der ganze Hofübergabeprozess in Gang gekommen», erinnert sich Sibylle Bader.
Innerhalb der Projektarbeit liess sich Familie Bader dann durch Dominik Hasler vom Wallierhof beraten. Das hatte zur Folge, dass bereits eine Ertragswertschätzung des Betriebs und des Inventars gemacht wurde. Daraus wurde für Liliane auch bereits eine Tragbarkeitsberechnung erstellt. «Es ist sehr wichtig, dass man eine professionelle Beratungsperson beizieht, die Ahnung von der Materie hat», folgert Josef Bader.
Doch nicht nur die Zahlen wurden auf den Tisch gelegt, auch die Zukunft wurde diskutiert. Wie soll ein Leben auf dem Hof für alle Beteiligte nach der Hofübergabe aussehen? «Das hat uns gezeigt, dass wir langsam älter werden und unsere Zeit des Befehlens bald einmal vorbei sein wird», erzählt Josef Bader und schmunzelt.
Verantwortung früh abgeben, Arbeit aber noch nicht
Das «Befehlen», also die Verantwortung, möchten die Eltern bereits vor der Pensionierung abgeben. Doch die beiden werden keineswegs bereits in Rente gehen. Nach der Übergabe ist aktuell geplant, dass Josef Bader in einem 50-Prozent-Pensum auf dem Betrieb angestellt sein wird und nebenbei sein Transportunternehmen weiterführt. Auch Sibylle Bader möchte weiterhin auf dem Betrieb mithelfen und nebenbei beim Tierarzt arbeiten.
Liliane Bader arbeitet im Moment in einem 100-Prozent-Pensum als Sachbearbeiterin beim Handelsregisteramt Solothurn. Sie möchte im Moment noch voll auswärts arbeiten, damit sie für die Hofübernahme sparen kann. Nach der Übernahme will aber auch sie das Auswärtspensum reduzieren und mehr auf dem Betrieb arbeiten.
Auch Lilianes Partner Thomas Ackermann möchte sich im Betrieb einbringen und mithelfen. Das junge Paar hat ausserdem geplant, im Herbst 2026 zu heiraten.

Der Umgang ist respektvoll und ehrlich
Der Betrieb soll also als Familie weitergeführt werden, wie das auch bereits die Eltern gemacht haben. Im Gespräch ist deutlich spürbar, dass die Familie einen respektvollen, harmonischen Umgang pflegt und sehr offen über die Hofübergabe spricht.
Für tiefe Gespräche nehmen sich Vater und Tochter etwa zweimal pro Woche bei einem gemeinsamen Ausritt Zeit. Nebst den Aufzuchtrindern stehen noch zwei Pferde auf dem Hof – das gemeinsame Hobby von Liliane und Josef Bader. «Beim Ausreiten kommt man zusammen mal weg vom Hof und hat die Möglichkeit für tiefgründigere Gespräche», erzählt Josef Bader. So haben die beiden auf dem Pferd auch schon oft über die Hofübergabe und über Wünsche und Vorstellungen gesprochen. Diese gemeinsame Vater-Tochter-Zeit stärkt den Zusammenhalt zusätzlich. Es zeigte sich, dass der Familienzusammenhalt bereits von den Eltern von Josef Bader gut gepflegt wurde.
«Als ich damals den Betrieb übernommen habe, war das für alle in der Familie, auch für meine sechs Geschwister, in Ordnung», erinnert sich Josef Bader. Auch Sibylle Bader hatte einen sehr guten Draht zu ihren Schwiegereltern und fühlt sich auf dem Hof zu Hause.
«Meine Eltern haben uns nie reingeredet, sie haben immer gesagt: ‹Mach›. Selbst als ich meinen Vater gefragt habe, ob ich das Bauernhaus abreissen und neu bauen könne, meinte er: ‹Ja, jaja, kein Problem, einfach machen›», erinnert sich Josef Bader. Diese von Grund auf positive Einstellung brachte die Familie weiter. Aber auch die offene Kommunikation untereinander.
«Wir sind nicht immer derselben Meinung wie Liliane, aber es liegen auch 30 Lebensjahre zwischen uns. Als Josef und ich jung waren, wollten wir auch unser Ding machen», ergänzt Sibylle Bader. Sie meint, der Grundsatz für den guten Familienzusammenhalt bei Baders und für eine gelingende Hofübergabe seien folgende drei wichtigen Aspekte, die von der jungen und der alten Generation gepflegt werden sollten:
- Respekt
- Ehrlichkeit
- Toleranz
Das möchte Sibylle Bader als Tipp für andere Familien weitergeben, die sich in der Hofübergabe befinden. Als Vorbild nimmt sie ihre Schwiegereltern. «Ich hoffe, dass wir die Hofübergabe für Liliane so gut gestalten können, wie das damals die Eltern von Josef für uns gemacht haben», sagt Sibylle Bader mit Blick in die Zukunft.
Betriebsspiegel der Familie Bader
Josef (57) und Sibylle (54) Bader, Mümliswil-Ramiswil SO
LN: 36 ha
Kulturen: Grünland, 8 ha Wald
Tierbestand: 55 bis 60 Aufzuchtrinder, 2 Pferde
Weitere Betriebszweige: Transportunternehmen für gewerbliche Transporte und Kranarbeiten, 30-kW-Solaranlage, Verkauf von Holzschnitzel
Arbeitskräfte: Josef und Sibylle Bader

