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Betriebsübergabe: Früh planen lohnt sich

Im Rahmen der Hofübergabe ist eine sorgfältige Planung und Abstimmung aller Beteiligten erforderlich. Der Prozess startet idealerweise einige Jahre vor dem eigentlichen Vertragsabschluss zwischen der übergebenden und der übernehmenden Generation.

Kurz & bündig

- Eine genaue Auswertung der Buchhaltung des bestehenden Betriebes dient als Grundlage für eine saubere Vorbereitung der Hofübergabe. - Die Übergebenden sollten sich früh genug Gedanken über die Vorsorge machen. Mit 50 Jahren gibt es noch Spielraum für grössere Investitionsentscheide oder beim Aufbau der Vorsorge.

Es sind immer wieder die gleichen Themen, die auftauchen: Früh genug mit der Planung der Hofübergabe anfangen, transparent sein, gesetzliche Rahmenbedingungen kennen, optimieren im zweiten Umgang», sagt Martin Goldenberger, Leiter Agriexpert.

Im Gespräch wird deutlich, dass eine erfolgreiche Hofübergabe vor allem von einer frühzeitigen und sorgfältigen Vorbereitung abhängt.

Finanzielle Vorüberlegungen bei der Hofübergabe

Ein zentraler Bestandteil der Vorbereitung für die Hofübergabe ist die finanzielle Analyse des bestehenden Betriebs. Dazu empfiehlt Martin Goldenberger, die Buchhaltungen der letzten drei Jahre genau auszuwerten. Dabei werden sowohl Einkommen, Abschreibungen als auch Investitionen betrachtet und ein verlässliches Mittel gebildet.

Betriebsübergabe: Früh planen lohnt sich
Martin Goldenberger empfiehlt, die Buchhaltungen der letzten drei Jahre genau auszuwerten.

«Gemäss Erfahrungen gibt es in der Regel wenige Schwankungen zwischen den Jahren, ausser einzelne wie zum Beispiel ein schlechtes Ackerbaujahr», weiss Goldenberger.

Als Grundlage für weitere Berechnungen dient das Durchschnittseinkommen. Anschliessend wird geprüft, was sich bei der übernehmenden Generation verändert, beispielsweise durch höhere Steuerbelastungen, eine grössere Familie oder neue betriebliche Ausrichtungen. Teilumstellungen, neue Betriebszweige oder das Wegfallen einzelner Produktionsbereiche müssen hinsichtlich Aufwand und Gewinn realistisch eingeschätzt werden. Grundsätzlich wird auf dem bisherigen Einkommen aufgebaut und dieses entsprechend korrigiert.

Um aufzuzeigen, ob die Übernahme wirtschaftlich tragfähig ist, werden ein Finanzierungsplan sowie eine Tragbarkeitsberechnung erstellt. Einerseits ist es für die Familie entscheidend, die finanziellen Zusammenhänge nachvollziehen zu können. Andererseits spielen auch externe Stellen eine wichtige Rolle: Viele Kreditkassen verlangen eine detaillierte Prüfung der Tragbarkeit.

Sich neben dem Betrieb auch um die Vorsorge kümmern

Neben der Übernahme selbst darf die Zukunft der übergebenden Generation nicht vernachlässigt werden. Themen wie AHV, Pension, mögliche Anstellung im Betrieb oder bestehende Vorsorgelücken müssen frühzeitig geklärt werden. Ein wichtiges Instrument ist dabei die Vermögensverzehrberechnung, die aufzeigt, wie lange die übergebende Generation vom Nettoerlös des Verkaufs des Betriebs leben kann.

«Wir können rechnen, die Beteiligten müssen aber auch die Auswirkungen sehen und beurteilen können.»

Martin Goldenberger, Agriexpert

«Wir können rechnen, die Beteiligten müssen aber auch die Auswirkungen sehen und beurteilen können», betont Martin Goldenberger. Manchmal zeigen sich dabei auch Denk- oder Rechenfehler, etwa wenn alternative Einkommensmöglichkeiten wie zum Beispiel eine auswärtige Arbeit nicht berücksichtigt wurden.

Idealerweise setzt der Prozess bereits mit etwa 50 Jahren ein. In diesem Alter bestehe noch mehr Spielraum, etwa bei grösseren Investitionsentscheiden oder beim Aufbau der Vorsorge. Zudem würde sich eine erste vertiefte Beratung empfehlen: Wie viel und wo kann investiert werden? Was ist für den Betrieb sinnvoll?

Dabei würde schnell sichtbar werden, wie hoch das vorhandene Guthaben für die Pension sei und ob Handlungsbedarf bestehe. «Man sieht zu diesem Zeitpunkt schon, ob es ein Problem gibt. Vielfach wurde zwar für den Betrieb geschaut, aber nicht für die Pension», ergänzt Goldenberger. Ab etwa 60 Jahren sind die Möglichkeiten laut Goldenberger deutlich eingeschränkt. Grosse Vermögenswerte lassen sich kaum mehr aufbauen. Zwar ist eine gewisse steuerliche Optimierung noch möglich, die grundsätzliche Ausgangslage lässt sich jedoch kaum mehr verändern.

Auch sozialversicherungsrechtliche Aspekte gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Behörden prüfen heute sehr genau, ob Vermögen verschenkt wurde. Wird dies festgestellt, kann es zu Kürzungen von Ergänzungsleistungen oder zur Streichung von Sozialhilfe kommen.

Beratung zwei bis drei Jahre nach der Übernahme

Nach einer erfolgten Hofübernahme wird häufig abgewartet, wie sich der Betrieb entwickelt. Eine erneute Beratung nach zwei bis drei Jahren kann helfen, Anpassungen vorzunehmen.

Zu diesem Zeitpunkt kann es sich zum Beispiel auch lohnen, eine Vollkostenrechnung für bestimmte bestehende Betriebszweige durchzuführen. Auch über mögliche Investitionen wird häufig nachgedacht.

Martin Goldenberger beobachtet in der Praxis, dass sich viele Nachfolger stark engagieren und den Betrieb weiterentwickeln wollen: «Vielfach hören wir von der übergebenden Generation, dass es die nachfolgende besser machen wird, weil sie sich mehr bemüht.» Die übergebende Generation fordere oft weniger heraus, da sie selbst genau wisse, wie der Betrieb optimal funktioniere, und sie gehe kurz vor der Hofübergabe in der Regel weniger Risiko ein.

Insgesamt zeigt sich, dass eine Hofübergabe ein komplexer Prozess ist, der sowohl wirtschaftliche als auch persönliche und rechtliche Aspekte umfasst. Eine saubere und frühzeitige Planung ist dabei entscheidend für beide Generationen.