Der Herbst gehört im Bauerngarten traditionell dem Aufräumen, dem Neubepflanzen und der Vorbereitung des Rasens auf den Winter. Der Unternehmerverband Gärtner Schweiz, Jardin Suisse, hat dazu wie jedes Jahr einen Arbeitskalender mit Tipps veröffentlicht. 2026 lässt sich davon aber nicht alles eins zu eins übernehmen, denn die anhaltende Trockenheit prägt auch den Bauerngarten – und macht andere Prioritäten nötig als in einem normalen Jahr.
Die Ausgangslage: eine der schwersten Trockenheiten seit Jahrzehnten
Seit dem Frühling 2026 herrscht in weiten Teilen der Schweiz eine ausgeprägte Trockenheit, die Fachleute mit den Dürrejahren 1947, 1976, 2003 und 2018 vergleichen. Landesweit gilt weiterhin die höchste Gefahrenstufe für Trockenheit. Über 190 Gemeinden haben die Bevölkerung zum Wassersparen aufgerufen. Mehr als 150 davon sind gemäss einer Zählung von Ende Juli 2026 einen Schritt weitergegangen und haben durchsetzbare Verbote erlassen – etwa fürs Poolfüllen, Autowaschen oder Rasensprengen, mit Bussen von bis zu 2000 Franken.
Die Regeln unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde markant: In einzelnen Orten ist die Gartenbewässerung ganz untersagt, andernorts nur zu bestimmten Tageszeiten oder Wochentagen erlaubt. Wichtig für Landwirtschaftsbetriebe: Mehrere Verbote haben die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen und die Tränke von Nutztieren ausdrücklich ausgenommen. Betroffen ist in der Regel der private Hausgarten am Trinkwassernetz.
Folgen für Tierhalter und Älplerinnen
Die Trockenheit zeigt sich auch andernorts deutlich. In Graubünden mussten Kühe auf mehreren Alpen wegen Futter- und Wassermangel deutlich früher ins Tal zurückgeholt werden, im Domleschg rund drei Wochen früher als üblich. Im Kanton Schwyz, mit rund 420 Alpbetrieben und 15 000 Tieren, kam es ebenfalls zu vorzeitigen Alpabtrieben. Schweizweit wurden deutlich mehr Tiere zur Schlachtung angemeldet als im Vorjahr – Proviande senkte in der Folge die Richtpreise.
Auch bei den Bäumen zeigt sich die Trockenheit früher als sonst: Laut Forschenden der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL verfärbten und verloren Buchen an trockenen Standorten in diesem Jahr bereits ab Mitte Juni ihre Blätter – so früh wie noch nie seit Beobachtungsbeginn.
Aufräumen – aber mit Mass und Acht auf Kleinstrukturen
Laub zusammenzurechen und Verwelktes zu entfernen gehört laut Jardin Suisse zum Herbstprogramm, ebenso der letzte Rasenschnitt, der je nach Wetter meist Ende Oktober erfolgt. Herbstlaub sollte nicht auf dem Rasen liegen bleiben, da es den Gräsern Luft und Licht nimmt. Nach den Trockenschäden dieses Sommers empfiehlt der Verband, kahle Stellen mit einer Nachsaat auszubessern und den Rasen mit einer kaliumbetonten Düngung für den Winter zu stärken – beides idealerweise erst, wenn wieder ausreichend Bodenfeuchte vorhanden ist.
Gleichzeitig lohnt sich in diesem Jahr ein zweiter Blick auf die Kleinstrukturen im Garten. Ein Laubhaufen mit ein paar Ästen darauf dient Igeln als Winterquartier, Baumrinde, Totholz und Ritzen in Trockenmauern sind für Wildbienen, Florfliegen und Marienkäfer wichtige Rückzugsorte. Diese Nützlinge halten im Frühling Schädlinge in Schach – und sie sind gerade in einem Trockenjahr, in dem das Nahrungsangebot für Insekten ohnehin knapper ausfällt, auf solche Strukturen angewiesen.
Pflanzung für das nächste Gartenjahr
Solange der Boden nicht gefroren ist, ist laut Jardin Suisse die beste Zeit, um Blumenzwiebeln für den Frühling zu setzen: Narzissen, Tulpen, Krokusse und Schneeglöckchen kommen jetzt in die Erde, Winterlinge und Schneeglöckchen zeigen sich oft schon im Februar. Nach Monaten der Trockenheit ist der Boden vielerorts hart und ausgetrocknet – vor dem Pflanzen empfiehlt es sich, auf Regen zu warten, statt in verkrusteter Erde zu graben. Für ein natürliches Bild wirft man die Zwiebeln danach locker aus und pflanzt sie dort, wo sie liegen bleiben, statt sie in geraden Reihen zu setzen. Ein Zwiebelpflanzer – ein Werkzeug, das mit einem Griff ein passendes Pflanzloch aussticht – erleichtert die Arbeit bei grösseren Flächen.
Für Farbe im Spätherbst empfiehlt der Verband robuste, wenig durstige Pflanzen: Chrysanthemen in Orange- und Gelbtönen, Zierkohl, der auch nach dem ersten Frost seine Farbe behält, oder winterharte Kräuter wie den rotblättrigen Salbei. Diese Pflanzen wachsen kaum mehr und dürfen deshalb dichter gesetzt werden als der Sommerflor.
An feuchten Standorten, etwa in Teichnähe, nennt Jardin Suisse den Gewöhnlichen Blutweiderich als Septemberhighlight: Er blüht bis in den Oktober hinein und ist bei Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen sehr beliebt.
Wassersparen im Garten
Wo Bewässerung nötig und erlaubt ist, lohnt sich gesammeltes Regenwasser statt Trinkwasser aus der Leitung. Ein Fass oder Tank am Fallrohr macht unabhängiger von lokalen Giessverboten und schont die knappen Trinkwasserreserven. Angesichts der Klimaszenarien des Bundes, wonach Trockenperioden wie jene von 2026 künftig häufiger auftreten dürften, gewinnt die Wahl trockenheitsverträglicher Pflanzenarten auch für die Neupflanzung im Hausgarten an Bedeutung.

