Eine Über- oder Ansaat bei zu trockenen Bedingungen oder nach nur geringen Niederschlägen erhöht das Risiko für ein ungleichmässiges Auflaufen. Im Extremfall keimen die ausgesäten Arten mit der Restbodenfeuchtigkeit und sterben dann aufgrund zu trockener Bedingungen wieder ab.
Deshalb sollte eine Ansaat erst stattfinden, wenn im Boden genügend Feuchtigkeit vorhanden ist bzw. ein deutlicher Wetterumschwung absehbar ist. Ab Mitte August kühlen die Nächte in der Regel schon deutlich ab und der Tau am Morgen fördert eine bessere Etablierung.
Entscheidende Frage: Übersäen oder nicht?
Aufgrund der fehlenden Niederschläge und der hohen Temperaturen der letzten Wochen können Bestände vollständig abgestorben sein. Ob die einzelnen Pflanzen wieder austreiben, überprüft man am besten, indem man die Stoppeln ausgräbt und auf einzelne noch grüne Triebe kontrolliert. Falls sämtliche Triebe braun und ausgetrocknet sind, kann man davon ausgehen, dass die Pflanzen abgestorben sind und nicht mehr neu austreiben können.
Bei einem grossflächigen Auftreten muss eine Übersaat bzw. Neuansaat ins Auge gefasst werden, da sich sonst schnell unerwünschte Arten ausbreiten können. Ist eine Wiese intensiv genutzt worden, ist im Boden wahrscheinlich kaum genügend Samenvorrat für eine natürliche Regeneration vorhanden.
Anders ist die Situation auf extensiv genutzten Wiesen, wo die artenreicheren Bestände durch die spätere erste Nutzung absamen können. Eine Übersaat dürfte hier kaum notwendig sein.

Fehlendes Futter kompensieren
Wer die Möglichkeit hat, Zwischenfutter anzubauen, kann einen Teil des fehlenden Futters im Herbst mit etwas Wetterglück kompensieren. Hier soll auch an die Solidarität von Nachbarbetrieben appelliert werden, statt einer Gründüngung vielleicht ein Zwischenfutter anzubauen, um dem Nachbarn aus der Futterkrise zu helfen.
Dazu eignen sich rasch auflaufende und spätsaatverträgliche Mischungen wie z. B. Westerwoldisches Raigras mit Alexandriner- und Perserklee (SM 106) sowie Wick-Hafer-Erbsen (SM 101). Bei einer Ansaat bis Mitte August kann mit einem Ertragspotenzial von rund 30 dt/ha gerechnet werden.
Alle diese Zwischenfutter haben aber gemeinsam, dass die Futterqualität nicht sonderlich hoch ist und eine Konservierung (Silage) aufgrund des hohen Wassergehaltes in den Herbstmonaten sehr erschwert ist. Meist stehen Eingrasen oder eine Beweidung im Vordergrund.
Als Notlösung für späte Saaten bis Anfang September bietet sich die Aussaat von Grünschnittroggen an. Hier gilt zu beachten, dass das Futter einseitig strukturreich ist und der Roggen im Winter nicht abfriert.
Stoppelrüben als Alternative
Eine Variante für Betriebe mit der Möglichkeit zur Weide bieten Stoppelrüben. Vor einigen Jahren an der Hochschule für Agronomie, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) durchgeführte Versuche haben gezeigt, dass Stoppelrüben bei einer Ansaat bis Mitte August von allen Zwischenfuttern das höchste Ertragspotenzial aufweisen. Nach Ausbildung des Rübenkörpers werden sowohl das Kraut als auch die Rübenkörper nach einer Angewöhnungsphase von den Tieren gefressen.
Die Flächen werden am besten als Portionenweide genutzt. Eine nasse Witterung im Herbst kann allerdings limitierend in Bezug auf den Bodenschutz wirken. Auch Sommerrübsen und Futterraps lassen sich als Zwischenfutter nutzen. Wie bei den Stoppelrüben ist zu beachten, dass der Anteil in der Ration für Milchkühe limitiert werden sollte (max. 30%) und die Arten inkompatibel mit Raps in der Fruchtfolge sind.
Bei der Verfütterung von sämtlichen Zwischenfuttern gilt zu beachten, dass ein Risiko für Blähungen besteht.
Wiesen und Weiden zurückhaltend Düngen
Verschiedene Versuche aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass nach längeren Trockenphasen nach dem Wiedereinsetzen des Wachstums im Boden sehr viel Stickstoff mineralisiert wird. Die Bestände sollten nach Einsetzen der Niederschläge deshalb sehr zurückhaltend mit Dünger versorgt werden, da sich die Pflanzen mit dem im Boden vorhandenen Stickstoff sehr gut versorgen können.
Eine zusätzliche N-Düngung erhöht die ohnehin hohen Rohproteingehalte des Futters im Herbst zusätzlich und kann zu überhöhten Nitratgehalten des Futters führen. Die wertvollen Nährstoffe in den Hofdüngern sollten nun besser in anderen Kulturen eingesetzt werden.

