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Partnervermittlerin Tuchschmid: «Für jeden gibt es ein passendes Gegenüber»

Seit 2016 bringt Manuela Tuchschmied mit ihrer Partnervermittlung «Nie mehr allein» Singles zusammen. Dabei verlässt sie sich nicht auf Algorithmen, sondern auf persönliche Gespräche und ihre Intuition. Zu ihrer Kundschaft gehören Menschen aus der ganzen Deutschschweiz – darunter auch Landwirte.

«Ich bin sicher: Für jeden Menschen gibt es das passende Gegenstück», sagt Manuela Tuchschmid überzeugt. Seit 2016 führt sie die persönliche Partnervermittlung «Nie mehr allein» in Müllheim TG mit Kund(innen) aus der ganzen Deutschschweiz – darunter auch immer wieder Landwirte.

Über ihre Schwester erfuhr die Thurgauerin damals, dass die bisherige Inhaberin eine Nachfolge suchte. Da wurde sie hellhörig, «obwohl ich von Partnervermittlung keine Ahnung hatte. Ich bin schon seit Ewigkeiten mit meinem Mann zusammen und hatte zum Beispiel auch null Erfahrung mit Onlinedating.»

Sprung in die Selbständigkeit

Trotzdem liess der Gedanke sie nicht los. «Ich fand es schon immer spannend, Menschen zu beobachten. Gerade Paare, die unterwegs sind. Manchmal war ich überrascht, wer da so zusammengefunden hat. Zum Beispiel, weil man von aussen denkt, rein optisch passt das so gar nicht.»

Ursprünglich gelernte Kauffrau, hatte Tuchschmid vorher nach einem längeren Auslandsaufenthalt in England viele Jahre lang ein interdisziplinäres Team bei der Invalidenversicherung (IV) geführt. Sie traf sich also mit der ehemaligen Inhaberin, besprach sich mit ihrem Mann und ging mit Finanzierungsfragen zur Bank. Daraufhin wagte sie den Schritt in die Selbständigkeit. Seither verhilft sie hauptberuflich anderen Menschen zum Liebesglück.

Manuela Tuchschmid bringt mit ihrer persönlichen Partnervermittlung Singles an den Mann bzw. die Frau. Dabei vertraut sie vor allem ihrem Bauchgefühl.(Bild: Privat)

Von knapp 30 bis 89 Jahren

Manuela Tuchschmid betreut Kundinnen und Kunden aus der ganzen Deutschschweiz. Unternehmer, Akademikerinnen, Handwerker oder Landwirte gehörten ebenso dazu wie Menschen aus anderen Berufen.

Die Jüngsten seien teilweise knapp 30 Jahre alt, ihr ältester Kunde war 89 gewesen. «Unter meinen Kunden hat es überraschend viele junge Männer, für die Partnersuche offenbar nicht einfach ist. Mit steigendem Alter steigt auch der Frauenanteil.»

Rund 250 Personen umfasst ihre eigene Kartei. Mit ihren Mitbewerbern hat sie ein gutes Einvernehmen: «Der Markt an persönlichen Partnervermittlungen in der Schweiz ist überschaubar. Mit einigen Kolleginnen und Kollegen arbeite ich zusammen, manchmal geben wir auch einander Partnervorschläge aus unseren Karteien weiter.»

So läuft eine persönliche Partnervermittlung ab

Wer sich bei Manuela Tuchschmid meldet, nimmt meist zuerst telefonisch oder über ein Kontaktformular Kontakt auf. Danach folgt ein unverbindliches und kostenloses Kennenlerngespräch vor Ort bei ihr in Müllheim. Dabei geht es um Persönlichkeit, Interessen und die Vorstellungen von Beziehung und Partnerschaft. Auch ein Foto macht sie bei dieser Gelegenheit, das sie bei Partnervorschlägen aber nur ausnahmsweise herausgibt.

Aus diesen Angaben erstellt Tuchschmid einen Steckbrief. Darin stehen unter anderem Personalien, Raucher/Nichtrauchter(in), Haar- und Augenfarbe, Körpergrösse, Statur, Wohnort, Beruf, Persönlichkeit und Wünsche an eine künftige Partnerschaft, Hobbys und Interessen. Danach macht sie einen ersten Partnervorschlag. «Ich mache das immer so, dass ich will, dass der Mann sich innert vier Tagen bei der Frau meldet.» Ein mögliches Date vereinbaren die beiden dann unter sich.

Danach ist ihr das Feedback wichtig: Was hat gepasst, was weniger? Daraus versucht sie, für den nächsten Vorschlag zu lernen. Der grosse Unterschied zu Dating-Plattformen sei die persönliche Auswahl. «Vieles passiert bei meinen Partnervorschlägen intuitiv», sagt Tuchschmid.

Manchmal hört sie jemandem zu und hat bereits eine Person im Kopf, die passen könnte. Während Online-Plattformen mit Algorithmen arbeiten, kennt sie all ihre Kundinnen und Kunden persönlich. Fake-Profile gebe es bei ihr deshalb nicht.

Das Angebot hat seinen Preis

Günstig ist diese Form der Partnersuche deshalb nicht. «Man muss dazu aber auch sagen, dass ich sehr viel Arbeit erledige, die die Kunden sonst selbst machen müssten.» Tuchschmid verlangt aktuell 2500 Franken zu Beginn der Vermittlung. Weitere 1300 Franken werden bei Erfolg fällig. Insgesamt kostet die Dienstleistung damit 3800 Franken. Vor der Corona-Pandemie habe sie den ganzen Betrag zu Beginn verlangt. Danach habe sie das Honorar aufgeteilt, weil finanzielle Fragen für viele Menschen stärker ins Gewicht gefallen seien.

Eine fixe Anzahl an Partnervorschlägen gibt es nicht. Grundsätzlich begleite sie die Kundschaft «bis zum Erfolg», sagt Manuela Tuchschmid. Manchmal passe bereits der erste Vorschlag, manchmal brauche es zehn oder mehr. Eine Erfolgsquote kann sie deshalb nur schwer nennen. «Gewisse Menschen verlieben sich sehr schnell, andere nicht.»

Wenn die Wünsche zu eng werden

Lehnt sie auch mal Kunden ab? «Selten, aber ja», erzählt die Thurgauerin, «wenn ich merke, dass die Person so hohe Erwartungen hat, die ich nicht erfüllen kann. Oder wenn jemand zu mir respektlos ist, was zum Glück sehr selten vorkommt, aber dann wüsste ich schon, dass diese Person auch zu meinen Kunden respektlos sein würde.»

Ob jemand einfach zu vermitteln ist, hängt laut Manuela Tuchschmid nicht primär von der optischen Attraktivität ab. «Ich hatte auch schon eher kleingewachsenen Kunden mit etwas mehr Bauch, bei denen es gleich beim ersten Partnervorschlag gegenseitig gefunkt hat.»

Viel wichtiger sei, wie offen die Person an die Suche herangehe. Wer nur jemanden aus der unmittelbaren Umgebung akzeptiert, einen engen Altersrahmen setzt oder genaue Vorstellungen vom Aussehen hat, verkleinert den möglichen Kreis stark. «Ich hatte auch schon Männer, die sagten, für sie käme nur eine schlanke Frau mit langen blonden Haaren infrage. Das wird dann unter Umständen schwierig.» Auch Rauchen könne die Suche erschweren.

Bei unrealistischen Erwartungen spricht Tuchschmid Klartext. Als Beispiel nennt sie einen 65-jährigen Mann, der eine 30-jährige Partnerin möchte. In einem solchen Fall sage sie offen, dass dieser Wunsch fast unmöglich zu erfüllen sei.

Warum Bauern einen schwierigeren Stand haben

Unter Tuchschmids Kundschaft finden sich immer wieder Menschen aus der Landwirtschaft. Sie inseriert deshalb manchmal auch gezielt in landwirtschaftlichen Medien. Bauern erlebt sie in der Regel als umgängliche Menschen: «Ich arbeite sehr gerne mit Bauern zusammen, das ist immer so angenehm bodenständig.» Gleichzeitig merkt sie, dass Landwirt(innen) bei der Partnersuche mit einem hartnäckigen Bild zu kämpfen hätten.

Viele Frauen sagten ihr zunächst, dass sie keinen Bauern möchten. Fragt sie nach dem Grund, höre sie oft dieselben Argumente: Der arbeite nur, müsse morgens und abends in den Stall, habe am Wochenende keine Zeit und könne nie in die Ferien.

«Manche meiner Kunden machen jedes Jahr Skiferien»

Dieses Bild versucht Manuela Tuchschmid zu relativieren. Sie hat über die Jahre sehr unterschiedliche Landwirte kennengelernt. Natürlich gebe es Betriebe, auf denen die Arbeit stark an den Hof binde. Es gebe aber ebenso Bauern, die ihre Arbeit so organisierten, dass Ferien und gemeinsame Freizeit möglich seien. «Manche meiner landwirtschaftlichen Kunden machen jedes Jahr Skiferien oder verreisen sonst ein, zwei Wochen.»

Trotzdem ist die Ausgangslage auf einem Hof nicht immer einfach. Wer abgelegen wohnt, wenig freie Zeit hat und stark an den Betrieb gebunden ist, trifft im Alltag automatisch weniger neue Menschen. Gleichzeitig finden Begegnungen im landwirtschaftlichen Umfeld noch häufiger im «echten Leben» statt – etwa während der Ausbildung, an Festen, Viehschauen oder Schwingfesten oder anderen «Hundsverlocheten».

Dating-Apps machen es nicht einfacher

Manuela Tuchschmid glaubt, dass die Partnersuche generell schwieriger geworden ist. Im Zug etwa seien viele Menschen mit Handy oder Laptop beschäftigt: «Man kommt kaum mehr einfach so miteinander ins Gespräch.» Gleichzeitig sei die Auswahl an Online-Plattformen und anderen Angeboten im Bereich Dating seit ihrer Übernahme der Agentur vor elf Jahren regelrecht explodiert.

Dating-Apps will Manuela Tuchschmid nicht schlechtreden. Sie kennt auch glückliche Paare, die sich online gefunden haben. Gleichzeitig erlebt sie heute mehr Unverbindlichkeit. Bei einer persönlichen Vermittlung sei die Ausgangslage anders: Wer zu ihr kommt, nimmt sich Zeit und investiert Geld in die Suche. «Das schafft eine gewisse Verbindlichkeit.»

Das Happy End ist nicht garantiert

Eine Garantie auf Liebe gibt es auch bei ihr nicht. Manuela Tuchschmid kann Menschen zusammenbringen, von denen sie glaubt, dass sie zueinander passen könnten. Den Rest müssen die beiden selbst herausfinden.

An ihrem Grundsatz hält sie fest: Für jeden Menschen gäbe es ein passendes Gegenüber. Die Herausforderung ist, dass sich die beiden auch begegnen.

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