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Ein Briefwechsel zwischen einer Bäuerin und der Trinkwasser-Initiantin

Vor gut einem Monat hat eine Berner Bäuerin einige Fragen an Trinkwasser-Initiantin Franziska Herren. Nun hat diese zurückgeschrieben, die zentrale Frage wurde aber nicht beantwortet.


Am 10. Dezember 2019 schrieb die Bäuerin Gabi Schürch aus Kirchberg folgenden offenen Brief an Franziska Herren, die Haupt-Promotorin hinter der Trinkwasser-Initiative, die im November 2020 an die Urne kommt:

Der offene Brief von Gabi Schürch

Sehr geehrte Frau Herren

Im November 2019 haben mein Mann und ich eine Podiumsdiskussion am Inforama Emmental besucht. An dieser Veranstaltung haben Sie und Herr Rufer vom Schweizerischen Bauernverband zum Thema Trinkwasserinitiative referiert und diskutiert. Wir wollten uns aus erster Hand informieren und Ihre Meinung und Ihre Lösungsvorschläge für die Landwirtschaft anhören. Ich hatte die Hoffnung, dass ich dann ein wenig beruhigter nach Hause fahren kann. Dem war leider nicht so! Obwohl Sie versichert haben, dass Sie keinen Kampf gegen uns führen wollen und dass Sie uns, der Landwirtschaft, helfen wollen. Leider war mein Gefühl am Ende der Veranstaltung nicht besser! Ich bin ein positiv denkender, lösungsorientierter Mensch. Wie immer in den letzten Monaten, habe ich versucht, mich wieder zu motivieren, meine Arbeit positiv zu verrichten und die Freude daran nicht zu verlieren. Das trotz häufiger, und teils heftiger, Kritik aus den Medien.

Nun hat jedoch der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht! Das aus folgendem Grund:

Mein Mann und ich führen einen landwirtschaftlichen Betrieb im unteren Emmental, Hauptbetriebszweig ist die Milchwirtschaft. Wir haben auf den 1.1.18 auf Bio-Produktion umgestellt, das heisst, wir sind in der 2-jährigen Umstellungsphase. Konkret bedeutet das: wir produzieren nach Bio-Richtlinien (zB. keine Pflanzenschutzmittel, kein Kunstdünger, höhere Preise für Saatgut und Futtermittel). Wir füttern unseren Kühen fast ausschliesslich betriebseigenes Futter. Ausser in den letzten zwei Jahren mussten wir, notgedrungen, Heu zukaufen, dies wegen der Trockenheit! Also ich wage zu behaupten, dass wir im Moment eigentlich das erfüllen, was Sie mit ihrer Initiative fordern. Soweit so gut.
Ab dem 1.1.20 sind wir dann ein Vollknospe-Betrieb und können unsere Produkte zum Bio-Preis verkaufen.

Nun haben wir Ende November Post erhalten; es ist jetzt Tatsache, dass wir unsere Biomilch auch im Jahr 2020 in den konventionellen Kanal liefern müssen, da zu viel Biomilch auf dem Markt ist. Ein grosser Frust für uns und eine Einbusse von rund 20000 Fr. im nächsten Jahr!

Wir Bäuerinnen und Bauern machen unsere Hausaufgaben, wir produzieren sorgfältig und nachhaltig und entwickeln uns weiter, trotzdem, so empfinde ich es, ist es immer wieder falsch.

Gerne erwarte ich von Ihnen Antworten auf folgende Fragen:

  • Wenn die Initiative angenommen wird gibt es teurere Bioprodukte zu kaufen. Sind Sie sicher, dass die Konsumenten sich das dann leisten wollen oder können?
  • Sind die Konsumenten bereit, für eine nachhaltige Ernährung mehr Geld auszugeben als sie das bisher tun? Sprich; nicht nur fordern sondern dann auch kaufen?! Im Moment funktioniert es jedenfalls noch nicht zufriedenstellend, sonst hätten wir kein Überschuss.
  • Oder fallen die Preise für Bioprodukte zusammen und wir stehen mit dem Rücken zur Wand?
  • Was passiert, wenn die Konsumenten sich für günstigere, intensiv produzierte Produkte entscheiden? Denn es wird Landwirte geben, welche aus wirtschaftlichem Druck, aus dem Direktzahlungssystem aussteigen und möglichst günstig, viel produzieren.
  • Am Diskussionsabend am Inforama haben Sie mehrmals erwähnt, dass wir ja vorgesorgt haben, in dem wir die Ernährungssicherheitsinitiative angenommen haben und diese nun umsetzen sollen. Ich kann mir da nichts Konkretes vorstellen. Können Sie mir erklären, was Sie damit meinen und wie die Ernährungssicherheit im Zusammenhang mit ihrer Initiative steht?
  • Wir blicken nach vorne, sehen alles Schöne was unser Beruf und unsere Lebensform zu bieten hat. Wir sind innovativ und zukunftsorientiert (zB. betreiben wir eine Kleinbiogasanlage familieschuerch.ch). Innovation benötigt viel Energie der Betriebsleiter*innen und deren Familien, dazu auch die nötigen Finanzen, um die Ideen umzusetzen. Wir können uns nicht alle zwei Jahre neu erfinden. Wir sind mit unserem Latein am Ende. Was würden Sie in unserer Situation nun machen?
  • Was können wir Bäuerinnen und Bauern tun, damit die Zukunftsangst nicht allzu erdrückend wird und wir unseren Beruf weiterhin mit Freude und Engagement ausführen können?

Gespannt warte ich auf Ihre Rückmeldung, besten Dank bereits jetzt!

Freundliche Grüsse

Gabi Schürch, Kirchberg BE

 

Die Antwort von Franziska Herren

Gut einen Monat später hat Franziska Herren nun geantwortet, allerdings ohne die zentrale Frage zu beantworten, ob die Konsumenten tatsächlich bereit sind, mehr Bio zu kaufen:

Sehr geehrte Frau Schürch
Ich bedanke mich für Ihren offenen Brief.
Es ist offensichtlich, dass die intensive, von Pestiziden, Importfutter und Antibiotika abhängige Lebensmittelproduktion keine Zukunft hat. Zu gross ist ihr negativer Einfluss auf die Qualität unserer Gewässer und unseres Trinkwassers sowie auf die Biodiversität, das Klima und die Luft. Sie gefährdet unser aller Gesundheit und auf Dauer auch die Ernährungssicherheit, weil sie die Produktionsgrundlagen, vor allem die Böden und die für stabile Ökosysteme unerlässliche Biodiversität, durch die überintensive Nutzungsweise massiv beeinträchtigt.
Tausende Bäuerinnen und Bauern beweisen wie Sie, dass es auch anders geht. Ich möchte mich sehr herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie den Weg zu einer ökologisch verträglichen Milchproduktion eingeschlagen haben.
Die Trinkwasser-Initiative verfolgt das Ziel, dass in Zukunft Lebensmittel flächendeckend ökologisch hergestellt werden und für alle Konsumenten erschwinglich sind. Dazu müssen die Bauern im Einklang mit der Umwelt und sauberen Gewässern wirtschaften können und faire Produktionspreise erhalten.
Für eine naturnahe und ökologische Lebensmittelproduktion stellt die Bevölkerung seit 1996 jährlich Milliarden zur Verfügung. Zudem hat das Stimmvolk 2017 dem neuen Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit zugestimmt. Dieser fordert, unter anderem, grenzüberschreitende Handelsbeziehungen, welche zu einer nachhaltigen Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen – in der Schweiz wie auch im Ausland.
Damit sind die Weichen für eine ökologische Lebensmittelproduktion schon lange gestellt. Was fehlt ist eine grundlegende Korrektur des Direktzahlungssystems. Heute subventionieren wir eine Produktionsweise, die Umwelt und Trinkwasser verschmutzt und sämtliche Umweltziele verfehlt. Dagegen sieht die Trinkwasser-Initiative vor, dass Direktzahlungen zukünftig nur noch in pestizidfreie, nachhaltige und trinkwasserfreundliche Produktionsweisen in-vestiert werden.
Für eine Neuorientierung der Landwirtschaft ist zudem die konsequente Ausrichtung von landwirtschaftlicher Forschung, Beratung und Ausbildung sowie der Investitionshilfen auf ökologische Produktionsformen nötig. Auch dies sieht die Trinkwasser-Initiative ausdrücklich vor.
Das Ziel ist es, eine ökologische Lebensmittelproduktion zu einer Win-Win-Situation für Produzenten und Konsumenten zu machen. Dass dies keine Utopie ist und eine Produktion nach den Richtlinien der Trinkwasser-Initiative zu einer Win-Win-Situation führen kann, lebt Fredy Hiestand zusammen mit IP-Bäuerinnen und –Bauern schon heute vor. Mehr dazu hier.
Wie gelingt es, eine solche Win-Win-Situation für Produzenten, Handel und Konsumenten auch im Milchsektor zu schaffen?
Gerne möchte ich Ihnen vorschlagen, solche Lösungen gemeinsam zu diskutieren – mit Ihnen als Produzentin, mit mir als Konsumentin, mit der Politik, Bio Suisse, den Milch-Verarbeitern und dem Schweizer Bauernverband.
Ich würde mich über einen positiven Bescheid von Ihnen sehr freuen und grüsse Sie herzlich

Franziska Herren, Wiedlisbach BE
Initiative für sauberes Trinkwasser

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Bundesrat gegen Trinkwasser-Initiative
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