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Online-Direktvermarkter Robin Roots lanciert Deutschschweizer Netzwerk

Nach der erfolgreichen Etablierung in der Westschweiz soll die Online-Direktvermarktungsplattform auch in der Deutschschweiz Fuss fassen. Wer steckt hinter der Organisation?

«Robin Roots» wird der erste Deutschschweizer Ableger des in der Westschweiz bereits seit sechs Jahren etablierten «Robin des Fermes». Der Name bezieht sich auf Robin Hood, der sich auf die Seite der Armen geschlagen hatte. Hier soll es vor allem die Produzentensouveränität hervorheben; bei Robin Roots behalten die Produzenten und Produzentinnen die Hoheit über ihre Produkte, was Angebot, Menge und Preisgestaltung angeht.

Robin Roots funktioniert als Online-Plattform, auf der verschiedene Höfe eines Hofnetzwerkes ihre Produkte anbieten. Der sogenannte Kernbetrieb bündelt die Bestellungen und packt die Produkte in die dazu vorgesehene Kiste, die anschliessend gleichentags per Post zur Kundin und zum Kunden gelangt. Im Hofnetzwerk der Region Bern sind neun Höfe zusammengeschlossen.

Erprobte Systeme ermöglichen Ausbau

Oliver Gaede, der bei Robin Roots, beziehungsweise Robin des Fermes, für die Entwicklung in der Deutschschweiz zuständig ist, erklärt, dass der Ausbau kein wirtschaftliches Risiko bedeute. «Unsere Vision hat sich in der Westschweiz bestätigt», führt er aus. «Da sind wir weiterhin stark wachsend, auch bei der bestehenden Kundschaft zeigt sich eine gute Konstanz.»

Die Systeme sind erprobt, deshalb ist die Expansion für ihn jetzt richtig. In der Region Bern startet der Deutschschweizer Ausbau; in Richtung der Ballungszentren wie Luzern, Basel oder Zürich soll es weitergehen.

Die «Robins» arbeiten mit einer sehr schlanken Struktur. Die Hofnetzwerke organisieren sich selber und erinnern eher an eine Franchisenehmer-Struktur. Für die Höfe des neuen Netzwerkes entstehen keine zusätzlichen Kosten: Die Software, der Unterhalt der Webseite, das Marketing und die Kommunikation mit der Kundschaft werden von Robin Roots gestellt und mit einer Umsatzbeteiligung abgegolten. So bleibt das Risiko für die Produzentinnen und Produzenten überschaubar.

Der Biohof Zaugg hat bereits langjährige Erfahrung in der Direktvermarktung. (Bild: Robin Roots)

Logistik ist ein Knackpunkt

Doch was meint Gaede zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die härter geworden sind: insbesondere die höhere Preissensibilität der Kundschaft wird von verschiedenen Anbietern erwähnt. «Das ist sicher ein wichtiger Punkt», antwortet er, «doch das Bedürfnis nach lokal produzierten Lebensmitteln ist nach wie vor da, wir sehen das auch bei den Anmeldungen». Zudem deckt Robin Roots ein Nischensegment ab. Für den Start Anfang September in der Region Bern braucht es 100 Abonnenten und Abonnentinnen, die unterdessen zusammengekommen sind. Der Aufwand soll sich lohnen, eine Mindestanzahl an Kundinnen und Kunden braucht es, damit die Logistik effizienter wird. «Das ist ein wichtiger Punkt, an dem andere Anbieter schlussendlich gescheitert sind», sagt Gaede, «Was die Logistik angeht, machen wir das sehr einfach.»

Die Preispolitik bei Robin Roots ist transparent (Bild: Robin Roots/BauZ)

Gerade bei Farmy/pico und «Rüedus», die dieses Jahr Konkurs anmelden mussten, war die Logistik ein Knackpunkt, bei dem die hohen Kosten nicht ausreichend reduziert werden konnten. Farmy unterhielt ein zentrales Lager, die Produkte wurden den Produzenten ans Lager abgekauft, zudem hatte Farmy keinen Mindestbestellwert. Das machte die Logistik teuer und ineffizient. Auch Rüedus hatten mit den Kosten der Logistik zu kämpfen. Robin Roots probiert mit den dezentralen Netzwerken und dem Rückgriff auf bestehende Strukturen, die Kosten möglichst tief zu halten.

Gaede führt aus, dass ihr Ziel, nachhaltige Vermarktungsstrukturen zu schaffen, auch mit einer gewissen Resilienz einhergehen soll. Nachhaltigkeit bezieht sich hier nicht nur auf die Produktionsform, sondern auch auf die Vermarktung der Produkte. Faire Produzentenpreise sind ihnen ein grosses Anliegen. «Wir unterstützen die Höfe bei der Preisbildung», sagt Gaede, «das ist sicher ein Spannungsfeld, das wir aushalten müssen und auch Thema bleiben wird».

Die Nachfrage ist da

Für das neue Hofnetzwerk wurde der Biohof Zaugg als Kernbetrieb ausgewählt, da sie mit ihrer langjährigen Direktvermarktung bereits mit verschiedenen Produzenten zusammenarbeiten. So kann die bestehende Logistik und Vernetzung für den Aufbau von Robin Roots genutzt werden. Das Angebot des Hofnetzwerkes besteht aus Gemüse und Früchten, sowie einer breiten Palette an verarbeiteten Produkten wie Brot oder Molkereiprodukten.

Phillip Zaugg, Betriebsleiter des Biohof Zaugg gibt sich zuversichtlich: «Wir werden regelmässig gefragt, ob es unsere Produkte auch online gibt». Das war bis anhin nicht der Fall. Doch ist der Biohof Zaugg nicht schon an einem online Netzwerk angeschlossen? «Nein, Soliterre ist etwas komplett anderes», führt Zaugg aus, »da geht es um solidarische Landwirtschaft, die Kundinnen und Kunden sind wesentlich verbindlicher gebunden, sie können beispielsweise nicht wählen, welche Produkte sie möchten. Zudem müssen sie sich für ein Jahr verpflichten.»

Philipp Zaugg und Martina Schlup sind die Betriebsleitenden des Kernhofes Biohof Zaugg (Bild: Robin Roots)

Bei Robin Roots sind sowohl einmalige Bestellungen wie auch Abos möglich. Die Kundinnen und Kunden können jeweils zwei Produkte aus dem vorgeschlagenen Sortiment austauschen.

Zaugg glaubt nicht, dass der Markt gesättigt sei: «Sich die Ware direkt nach Hause liefern zu lassen, entspricht dem Zeitgeist.» Die erste Hürde, 100 Abonnentinnen und Abonnenten zu finden, wurde erreicht; die erste Lieferung wird voraussichtlich am 11. September ausgeliefert.

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