Plus

Wenn sich Pferdeaktivstall und Schweinemast optimal ergänzen

Der Aktivstall von Claudia und Simon Berger wurde mit dem Label «Der Gute Stall» ausgezeichnet. Vollkommen berechtigt: Das Paar hat nahe Laupen (BE) ein Paradies für Pferde und Menschen erschaffen.

Früher waren beim heutigen Putzplatz drei Boxen eingerichtet gewesen, im Deckentrocknungsraum zwei weitere und in der Scheune auf der gegenüberliegenden Strassenseite hätten nochmals einige Pferde ihre Boxen gehabt. Bis zu 20 Pensionspferde hatten Bergers auf ihrem Hof, der halb in der Gemeinde Neuenegg (BE) und halb in Mühleberg (BE) liegt, überall auf dem Betrieb verteilt beherbergt.

«Bereits mein Schwiegervater, ein passionierter Dragoner, hat eigene und Pensionspferde gehalten, so hat sich der Betriebszweig Pferdehaltung organisch entwickelt», erzählt Claudia Berger, die selbst begeisterte Reiterin ist. Der Arbeitsaufwand sei allerdings enorm gewesen.

Die verzettelt über den gesamten Betrieb aufgestellten Boxen mussten gemistet und eingestreut werden, die Pferde einzeln auf die Weide gebracht, das Heu und Kraftfutter verteilt, und zum Schluss der Hof und sogar die zwischen den Hofteilen verlaufende Strasse gewischt werden. Das alles nahm jeweils ihren gesamten Tag in Anspruch, erzählt die ausgebildete Bäuerin.

Claudia Berger mit ihren drei eigenen Stuten Tintera, California und Saida. Sie haben ein separates Zuhause auf dem Hof C&S Berger.(Bild: ZVG Stall C&S Berger)

Ein Ort zum Wohlfühlen

Knapp zehn Jahre nachdem Claudia Berger und ihr Mann, der Eidg. Dipl. Landwirt Simon Berger den Hof von Simons Vater übernommen hatten, beschloss das Ehepaar, den Pferdebereich neu zu gestalten. Sie kreierten eine Anlage, die den Pferdebedürfnissen so gut wie möglich entspricht.

Der Aktivstall mit einer Fläche von 1200 m² beherbergt heute eine zehnköpfige Stutenherde. Eigentlich würde er Platz für fast doppelt so viele Tiere bieten. Doch Claudia Berger ist es wichtig, dass die Pferde dank eines genügend grossen Platzangebotes und einer harmonisch zusammengestellten Gruppe keinen Stress haben. Damit eine möglichst homogene Herde entsteht, nimmt sie nur Stuten mit einem Stockmass zwischen 1,35 und 1,60 Meter auf und lässt Neuankömmlingen bei der Integration enorm viel Zeit.

Das durchdachte Konzept zahlt sich aus. Bei einem Besuch ist sofort ersichtlich, wie wohl und zufrieden sich vom Schwarzwälder Fuchs bis zum Arabermix alle fühlen. Selbst vor der Futterstation herrscht keine Aufregung. Hier haben sich die Bergers für das System von HIT entschieden, mit vier Stationen, die individuell auf jedes Tier angepasste Rau- und Kurzfuttermengen ausgeben.

Zudem haben die Pferde zwei Strohraufen, zwei überdachte Liegeflächen und eine beheizte Tränke zur Verfügung. Als Sichtschutz haben sich die Hofbesitzer ein besonders schönes Element ausgedacht: Der obere Teil des Auslaufs wird durch eine mit Obstbäumen bepflanzte Grünoase vom unteren Teil abgetrennt.

Abgerundet wird das Offenstallkonzept von zwei grossen Weiden, die im Wechselsystem genutzt werden und auch im Winter, wenn immer möglich, zugänglich sind. Ein gemeinsam mit dem benachbarten Stall genutzter Reitplatz steht den Pensionären des Stalls C&S Berger zur Verfügung, wenn sie nicht in den nahegelegenen Forst ausreiten möchten.

Das Raufutter für die Pferde und Schweine baut Simon Berger selbst an.(Bild: ZVG Stall C&S Berger)

Schweine nehmen Druck

«Mit dem Aktivstall haben wir einen Mehrwert geschaffen: Die Pferde geniessen den artgerechten Lebensraum, wir haben weniger Arbeitsaufwand und das Angebot ist der heutigen Marktsituation angepasst», resümiert das Betriebsleiterpaar.

Für sie als Verantwortliche für den Pferdebereich habe sich der Arbeitsaufwand stark verringert und dank des Futterautomaten sei sie deutlich flexibler geworden», erklärt Claudia Berger. Zudem mache ihr auch das Misten so mehr Spass.

Aus Marketinggründen stand es eigentlich schon lange auf Bergers Prioritätenliste, ihren Stall für eine Zertifizierung durch das Label «Der Gute Stall» anzumelden. Wobei Werbung hat der Aktivstall, der auf einem Plateau nahe des Städtchens Laupen liegt, nicht nötig. «Wir führen manchmal sogar eine Warteliste mit Interessenten. Da unsere Herde sehr konstant ist, wird nur selten ein Pensionsplatz frei», erzählt Claudia Berger. Ihr ist es nicht nur wichtig, dass die Pferde gut zusammenpassen, auch zwischen den Pensionären soll es harmonieren.

Das Glück, neue Pensionäre quasi casten zu können, hat sie, weil sich Bergers neben den Pferden auf ein zweites Standbein stützen. Simon Berger ist für die 300 Mastschweine zuständig, die in einem 2002 neu erbauten Stall am Ortsrand, etwa einen Kilometer Luftlinie von Wohnhaus und Pferdestall entfernt, leben. «Unser gesamter Betrieb umfasst lediglich zwölf Hektar Land, so war schon für meine Eltern klar, dass sie nicht primär auf Ackerbau, sondern auf Tierhaltung setzen», erklärt Simon Berger. Seit 2017 ist der Betrieb biozertifiziert. Das Raufutter für ihre Tiere baut das Ehepaar selbst an. Dazu kommen Getreide wie Mais, Weizen und Hafer, die auf den Feldern zwischen Pferde- und Schweinestall wachsen.

Als Raumtrenner wurde ein Grünstreifen mit Obstbäumen im Aktivstall angelegt.(Bild: ZVG Stall C&S Berger)

Der Kunde weiss, was er bekommt

Bei der Antwort auf die Frage, was denn neben der pferdewohlgerechten und arbeitsoptimierten Anlage ihre Pluspunkte seien, muss das Paar nicht lange überlegen. Ihnen seien eine klare Kommunikation und klare Strukturen wichtig, so wüssten die Pensionäre genau, was sie erwarten können, und was nicht. «Bei uns haben alle dasselbe zugut», stellt Claudia Berger klar. Zudem kümmere sie sich als Stallleiterin persönlich tagtäglich um die Pferde und nicht eine ständig wechselnde Schar von Angestellten. «Ich kenne jedes Tier genau und die Besitzer vertrauen mir, dass ich sofort reagiere, wenn es einem Pferd nicht gut geht.»

Jetzt seien sie mit ihrem Aktivstall dort angekommen, wo sie immer hinwollten, sagt das Paar zufrieden. Das ist für Claudia Berger, die ursprünglich aus dem sozialen Bereich kommt und den Equigarde-Lehrgang absolviert hat, aber kein Grund, stehen zu bleiben.

Sie bildet sich ständig weiter und fasst als Nächstes eine bessere Anpassung ans Klima ins Auge. «Es ist nicht brennend, denn die Pferde finden in den gedeckten Liegeflächen Schatten und Abkühlung. Die Installation von Ventilatoren oder einer Wasserberieselungsanlage würde aber noch mehr Komfort schaffen», blickt Claudia Berger in die Zukunft.

Neben einer automatischen Futterstation für Heu und Kraftfutter stehen den Pferden Strohraufen und natürlich eine Tränke zur Verfügung.(Bild: ZVG Stall C&S Berger)

Betriebsspiegel Stall C&S Berger

Produktionsform: Bio Suisse
LN: 12 ha, Weideland, Grünland, Getreidebau (Mais, Weizen, Hafer), Hochstammobstbäume
Betriebszweige: Aktivstall für 10 Pensionspferde, 300 Mastschweine
Arbeitskräfte: Claudia und Simon Berger
Webseite: www.stallcsberger.ch
Adresse: Bärfischenhaus 14, 3204 Rosshäusern (BE)




Weiterlesen

  • 2026 begann die Ernte früher und die Lieferungen trafen konzentriert bei den Sammelstellen und Mühlen ein, macht die Fenaco geltend.

    Die zweite gute Ernte in Folge und trotzdem Importe: Fenaco erklärt die Lage

    Es geht das Gerücht um, kurz vor der Ernte importiertes Futtergetreide blockiere die Annahme von Schweizer Ware. Das stimme so nicht.
    Show more
    Plus
  • Überraschung bei der Probegrabung: Bessere Knollen mit weniger Bewässerung?

    Plus
  • Zuckerrüben: Richtig reagieren bei Dürre, nach Gewittern oder Hagel