Es war nicht nur für Landtechnik-Freunde eine Schreckensnachricht, als es am dritten März dieses Jahres hiess: «Die Bührer Traktorenfabrik steht in Flammen.» Heute, rund ein halbes Jahr nach dem verheerenden Brand, ist klar, was noch zu retten und was im Flammeninferno verloren gegangen ist.

Glück im Unglück

Die Pressebilder liessen Anfang März nichts Gutes ahnen: Meterhoch schlugen die Flammen aus dem historischen Fabrikgebäude im zürcherischen Hinwil, das unter anderem die Bührer Traktorenfabrik beherbergt. Auch wenn beim Grossbrand auf dem Industriegelände keine Personen verletzt worden sind, ist der Sachschaden gross – ein Totalverlust ist aber dennoch nicht zu beklagen, wie Michel Eichenberger, Verwaltungsratspräsident der Bührer Traktorenfabrik AG, bilanziert: «Wir hatten Glück im Unglück.»

Teile der Werkstatt zerstört

Dank eines Grosseinsatzes der regionalen Feuerwehren und eines Löschzuges der SBB konnten Teile des weitläufigen Gebäudekomplexes an der Fabrikstrasse gerettet werden. Trotzdem wurde die Bührerfabrik arg in Mitleidenschaft gezogen: Wo vor einem Jahr noch Teile der Werkstatt beheimatet waren, klafft nun ein grosses Loch im Gebäudekomplex. «In der Tat hat es einen Teil der Werkstatt getroffen, in dem beim Ausbruch des Brandes noch Kundenfahrzeuge standen. Zum Glück konnten wir deren zwölf von dort und aus der Halle noch rechtzeitig evakuieren. Der ganze östliche Teil des Gebäudes ist vollständig zerstört», berichtet Michel Eichenberger.

Jedes Teil einzeln putzen

Die starke Rauchentwicklung hat viel Russ hinterlassen, der sich an Wänden, Decken, Böden und am ganzen Inventar festgesetzt hat. Auch das einzigartige Ersatzteillager im Keller, das von den Flammen glücklicherweise verschont blieb, ist betroffen: «Jedes einzelne Teil der über 25 000 verschiedenen Artikel musste in Handarbeit vom aggressiven Russ gereinigt werden. Das war enorm viel «Büez», denn da ist alles dabei, von winzigen Teilchen bis hin zu ganzen Motoren», erzählt Michel Eichenberger.

Das Ersatzteillager hat für Bührer besondere Bedeutung: Nachdem 1978 der letzte Traktor vom Band gelaufen war und die Firma verkauft wurde, verpflichtete sich die neue Besitzerfamilie Mägerle dazu, die Versorgung mit Ersatzteilen noch zehn Jahre zu garantieren. Sie tat weit mehr und so können in Hinwil bis heute Reparaturen, Revisionen und Umbauten wie Allradantrieb, Scheibenbremsen oder Kabinen vorgenommen werden. Viele Teile lasse Bührer auf Basis der alten Zeichnungen herstellen, sagt Eichenberger. Wo dies nicht mehr möglich sei, würden revidierte Austauschteile eingesetzt. Häufig müsse man eine grössere Stückzahl herstellen lassen, von der unter Umständen ein Grossteil Jahre oder gar Jahrzehnte am Lager liegen werde. «Solch umfangreiche Lager sind heutzutage sehr selten geworden», weiss der Zürcher, «aber die Versorgung mit Ersatzteilen gehört zum Service, den wir unserer Kundschaft auch weiterhin bieten wollen.»

Auch das Herzstück gerettet

Die wertvollen Pläne, Zeichnungen und Stücklisten für die einzelnen Modelle aus der 92-jährigen Firmengeschichte sowie die Listen für abertausende Teile verwahrt die Bührer Traktorenfabrik AG im firmeneigenen Archiv. Auch dieses Herzstück des Betriebs entging dem Brand – zum Glück, denn ohne diesen Schatz wäre ein Fortbestand der Traditionsfirma nicht möglich gewesen, wie Michel Eichenberger nach dem Brand im März gegenüber der BauernZeitung erklärte: «Ohne Pläne bringen uns die Teile nichts, ohne Teile sind die Pläne nicht von Nutzen.»

Blick in die Zukunft

Die Rückbauarbeiten auf dem Gelände sind in der Endphase; der Schutt der zerstörten Teile des Gebäudekomplexes wurde grösstenteils entfernt. «Unser Ziel ist es, die offene Seite unseres Gebäudes bis im Winter mit einer Wand wieder verschliessen zu können», zeigt sich Michel Eichenberger zuversichtlich. So soll die Bührer bald im ursprünglichen Umfang weiterbetrieben werden können. Im Moment ist der Werkstattbetrieb noch stark eingeschränkt, Ersatzteilhandel und Webshop stehen aber wieder grösstenteils zur Verfügung.

Die Bührer Traktorenfabrik wird ihre Bedeutung auch in Zukunft behalten, denn: «Von den 22 624 produzierten Traktoren fährt etwa die Hälfte noch herum; oft als Zweit- oder Dritttraktoren. Die Oldtimer werden von Sammlern gehegt und gepflegt. Die Fahrzeuge sind sehr robust gebaut und waren im Technischen ihrer Zeit voraus. Weiter ist schon Fritz Bührer stets auf die Bedürfnisse seiner Kunden eingegangen. Das hat unsere Firma besonders gemacht und deshalb hat der Bührer auf so vielen Höfen einfach sein Plätzli», ist Eichenberger überzeugt. Der seit Jahren andauernde Bührer-Kult unter Alt und Jung scheint ihm Recht zu geben.