Erdbeeren mögen kein Salz. Werden die beliebten Beeren im Anbau gedüngt, ist demzufolge massgeblich, dass der Salzgehalt des Düngers nicht zu hoch ist. Der Salzgehalt wird angegeben durch den EC-Wert, der die elektrische Leitfähigkeit im Substrat misst.
Auf dem Versuchsbetrieb für Obstbau in Güttingen TG untersuchten Mitarbeiter des Arenenbergs in diesem Zusammenhang den Einfluss des EC-Niveaus auf remontierende Erdbeeren der Sorte «Karima» im Gewächshaus.

Die fruchtige Gratwanderung
Hélène Bettschart, Beerenberaterin am Arenenberg, erläuterte den Versuch beim kürzlich stattgefundenen Flurgang: «Wir wollten wissen, welche Auswirkungen unterschiedliche EC-Niveaus auf Ernteverlauf, Erntemenge, Fruchtgewicht, Fruchtqualität, Vitalität und Schädlingsanfälligkeit der Erdbeerpflanzen haben.» Mitte März wurden die Pflanzen in einer Substratkultur auf Stellagen gepflanzt.
Die vier EC-Niveaus lagen bei 100 % – was dem normalen Düngeniveau entspricht, 50 %, 75 % und 125 %. Aktuell wurden die Beeren zum ersten Mal geerntet. Der Ertrag unterschied sich je nach Verfahren wie folgt:
- EC-Wert bei 100 %: 622g pro Pflanze
- EC-Wert bei 75 %: 610g pro Pflanze
- EC-Wert bei 125 %: 586g pro Pflanze
- EC-Wert bei 5 %: 584g pro Pflanze
Beim Fruchtgewicht zeigte die 75 %-Variante einen leichten Vorteil. Mit durchschnittlich 20g pro Frucht gegenüber 18g in der 100 %-Variante waren die Beeren etwas grösser. Da sich die Erträge bislang nur gering unterscheiden, erscheint die 75 %-Variante nach den vorläufigen Ergebnissen als ein interessanter Kompromiss zwischen Ertrag und Fruchtgewicht.
Bei der Anfälligkeit für Krankheiten wie Mehltau und Blattläuse gab es keine Abweichungen, berichtete Bettschart. «Wir gehen davon aus, dass der zweite Erntedurchgang deutlichere Unterschiede zeigen wird. Grund dafür könnte der vom Züchter mitgelieferte Wurzelballen sein, der seinerseits schon Nährstoffe enthält und die erste Ernte bei Karima noch stärker beeinflusst», sagt die Spezialistin.

Die Sorte Karima ist im Erwerbsobstbau wegen ihrer Haltbarkeit und der hohen Erträge beliebt. Doch die Entwicklung neuer Sorten steht dennoch immer im Mittelpunkt der Zuchtarbeit. Die Vermehrung findet zumeist vegetativ über Ausläufer statt. Dies stellt sicher, dass die genetischen Eigenschaften der jeweiligen Sorte, wie Ertrag und Fruchtqualität, 1:1 auf die nächste Generation übertragen werden.
Derzeit wird aber auch mit alternativen Vermehrungsverfahren experimentiert. Zum Beispiel testet man am Versuchsbetrieb in diesem Zusammenhang F1-Hybrid-Erdbeersorten wie Soraya, XD607 oder Estavana, die von der Firma ABZ Seeds über Samen vermehrt, dann als frische Topfpflanzen angeliefert, und unter Regenkappen kultiviert werden.
Die «Sorten der Zukunft» zeigen noch viel Verbesserungspotenzial
«Die Erzeuger sagen, diese Sorten seien die Zukunft», berichtet André Ançay von der Forschungsgruppe für Beeren und Medizinalpflanzen bei Agroscope. Er stellt den Versuch vor: Die Hybridsorte mit dem höchsten Ertrag war Soraya mit 250g pro Pflanze und einem Fruchtgewicht von 20g.
Da sich die remontierenden Sorten noch am Anfang der Ernteperiode befinden, seien diese Ergebnisse als vorläufig zu betrachten. Dennoch schnitten alle untersuchten Hybridsorten schlechter ab als die Referenzsorte Karima mit einem durchschnittlichen Ertrag von 400g pro Pflanze, berichtete Ançay.
Wanzen spielen mit den steigenden Temperaturen eine grössere Rolle
Die Vorteile der F1-Hybridsorten bezeichnet er als unklar: Die frischen Topfpflanzen seien bei Anlieferung im April schon voll im Wachstum. Die Blütenstände seien demnach bereits hoch und ragen über das Blattwerk hinaus, was sie sehr attraktiv für Thripse und Wanzen mache. «Wanzen werden zukünftig aufgrund der Hitze eine immer grössere Herausforderung. Obwohl sie heimisch sind, hatten wir damit früher weniger Probleme. Aber da standen uns auch noch andere Mittel zur Verfügung», wirft ein Teilnehmer ein.
Die Wirtschaftlichkeit leidet
André Ançay gibt zudem zu bedenken: Die F1-Hybridsorten bilden so rasch Ausläufer, dass diese in zwei Durchgängen geschnitten werden müssen. Die Sorten seien aufgrund der Saatvermehrung zwar günstiger, aber die damit verbundene Mehrarbeit zahle sich nicht aus.
«Die Vorteile dieser Sorten liegen eher beim Erzeuger und weniger beim Produzenten», sagt Ançay. «Die Vermehrung durch Samen steckt noch in den Kinderschuhen», sagt ein teilnehmender Beerenproduzent und führt weiter aus: «Die Erträge und die Fruchtgewichte mögen stimmen, aber es gibt bei den F1-Hybridsorten auch viel Mehltau, und das ist für mich ein Knock-out-Kriterium.»

