ABO

Welche Böden sind erosionsgefährdet? Aargau kartiert 1000 ha

Im Aargau startet eine weitere Pilot-Etappe für die Kartierung der Böden. Das nütze auch den Landwirt(innen), weil sie dank neuer Daten ihre Böden optimaler nutzen könnten.

Schon 2023 beschloss der Bundesrat ein Konzept für die schweizweite Bodenkartierung. Die Grundlage dafür: der Sachplan Fruchtfolgeflächen (FFF) von 2020. Er bezweckt, die wertvollsten Böden zu schützen. Der hohe Verlust von Kulturland hält an, gemäss Angaben des Bundesamtes für Raumentwicklung immer noch fast 1 m² pro Sekunde.

Der Bund schreibt gemäss Konzept den Start der nationalen Bodenkartierung für 2029 vor. In einigen Kantonen läuft diese Kartierung bereits, aufgrund der knappen FFF. So in Luzern aufgrund der Annahme des Gegenvorschlages zur kantonalen Kulturlandinitiative Ende 2020. Diesen Herbst startete eine weitere Etappe in zehn Luzerner Gemeinden.

1000 ha Boden kartieren

Auch im Aargau soll nicht bis 2029 zugewartet werden. Aufgrund der Dringlichkeit für einen planungs- und rechtssicheren Umgang mit den FFF, heisst es beim zuständigen Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Deshalb wurde 2024 eine Pilotphase bis 2027 lanciert, um die Prozesse aufzugleisen, wie Isabelle Pfister, Fachspezialistin Bodenkartierung bei der Aargauer Abteilung für Umwelt, erklärt. So wurden 2024 in Glashütten bereits 100 ha kartiert, ein Jahr darauf in Riken weitere 250 ha und ab diesem Jahr sollen weitere rund 1000 ha im Rahmen des Kartier-Projekts Murgenthal-Brittnau folgen. Dazu fanden im Oktober Informationsveranstaltungen in Riken AG und Brittnau AG statt.

Anlegen eines Bodenprofils mit dem Kleinbagger. (Bild: AfU)

100 Bodenprofile geplant

Den Ablauf und Zeitplan der Bodenkartierung erläuterte Michael Wernli von der beauftragten Soilcom GmbH. Im Rahmen der Konzeptphase wird vorerst festgestellt, welche Böden im Gebiet vorhanden sind und wo es Nassstellen oder trockene Stellen gibt. Auch einzelne Handbohrungen würden mithelfen, Standorte für geeignete Bodenprofile zu finden.

Im Schnitt wird pro 10 ha mit einem Kleinbagger ein Bodenprofil ausgehoben, im Projektperimeter somit rund 100. Die werden mit einem Unkostenbeitrag von 100 Franken entschädigt. Über die gesamte Fläche würden dann in der Kartierphase im Abstand von 50 m ergänzende Handbohrungen gemacht.

Umgang mit der Trockenheit

Kartierungen seien nötig aufgrund der grossen Vielfalt an sehr unterschiedlichen Böden. Deshalb entstünden auch viele verschiedene Bodenkarten. Die weisen auf Bodentyp, Wasserhaushalt, Humusgehalt, pH-, Ton- und Skelettgehalt, Durchwurzelungstiefe und vieles mehr hin. So seien auch Antworten möglich, welche Böden besonders verdichtungs- oder erosionsgefährdet und deshalb besonders schonend zu bearbeiten seien. Oder wo die pflanzennutzbare Gründigkeit der Böden limitiert sei, wo gekalkt werden sollte oder wo die Düngung optimiert werden könnte.

Immer wichtiger seien gerade wegen der Erfahrungen nach dem besonders trockenen 2026, wie viel Wasser die Böden speichern könnten und wie trockenheitsresistent diese sind. Und schliesslich gebe es auch Antworten zum Humusgehalt und ob dieser noch angereichert werden könnte.

Dank den Bodenprofilen wird die Struktur der Böden ersichtlich. (Bild: AfU)

Böden besser bewirtschaften

Die Kartierung biete der Land- und Ernährungswirtschaft somit zahlreiche Vorteile, wurde an der Informationsveranstaltung betont. Dank der genauen Daten könnten die Landwirte ihre Bewirtschaftungsstrategien optimieren. Die Kartierung helfe auch mit, Massnahmen gegen Erosion, Verdichtung und andere Formen der Bodenschädigung zu ergreifen.

Und schliesslich seien fundierte Bodeninformationen entscheidend, um Anpassungen an den Klimawandel zu entwickeln und die Resilienz der Landwirtschaft zu stärken. Das Echo der betroffenen Landbewirtschafter zur Kartierung sei positiv, stellte Matthias Müller von der Abteilung Landwirtschaft an den Informationsveranstaltungen fest.

Start für Kartierung 2027

Diesen Monat wird nun mit den Feldarbeiten für die Konzeptphase begonnen. Start der Profilphase ist im Frühjahr 2027, die Standorte dieser Profile würden vorgängig mit den Landwirten abgesprochen. Sobald alle Profile offen seien, sei ein Rundgang mit allen interessierten Bewirtschaftenden vorgesehen, erklärte Wernli. Die Kartierphase soll im Sommer 2027 starten, die Abschlussarbeiten für dieses Pilotprojekt sind für Sommer 2028 geplant.

Weiterlesen