Die Dürrfutterernte ist vorläufig abgeschlossen, die Kirschen geerntet oder das Getreide gedroschen. Zwar verbringen die wenigsten Landwirte aktuell wochenlange Ferien im Süden, aber einzelne Freitage liegen vielfach auch bei den Bauernfamilien drin. Nach den heissen Wochen auf dem Feld, dem Acker oder in den Anlagen ist das Bedürfnis nach hohen Temperaturen meist bescheiden, die Kühle der Berge lockt da schon mehr.
Die Glattalp SZ drängt sich da als Ausflugsort richtiggehend auf. Die Hochebene oberhalb des Bisisthals in der Gemeinde Muotathal liegt zwar nur rund 1 850 m ü. M. Durch ihre muldenförmige Lage bildet sich aber bei klaren, windstillen Nächten ein sogenannter Kaltluftsee, was nicht nur im Winter zu sehr tiefen Temperaturen führt, sondern das Verweilen auch im Sommer angenehm macht.
Bequeme Bahnfahrt oder zu Fuss?
Zwar erreicht man die Hochebene auch vom Urnerboden oder von glarnerischem Braunwald her, am schnellsten kommt man allerdings vom Sahli, das zuhinterst im Bisisthal liegt, auf die Glattalp. Von dort aus hat der Besucher verschiedene Möglichkeiten.
Die bequemste ist sicher die Fahrt mit der Luftseilbahn Sahli–Glattalp, mit welcher die 700 Höhenmeter in acht Minuten ohne Schweiss hinter sich gebracht werden können. Allerdings verfügt die Bahn, die ursprünglich als Materialseilbahn gebaut wurde, nur über eine Kabine für acht Personen. Entsprechend lang können an stark frequentierten Tagen die Wartezeiten sein.
Die Glattalp lässt sich aber auch gut zu Fuss erklimmen. Gerade wenn man sich zeitig auf den Weg macht, profitiert man von der morgendlichen Kühle. Der meistbegangene Weg führt in gut zwei Stunden von der Talstation der Luftseilbahn, wo sich übrigens auch eine schöne Zahl an Parkplätzen befindet, hinauf zur Glattalp. Der Bergwanderweg ist gut markiert und wird alljährlich auch von mehreren hundert Tieren als Viehtriebweg auf die Alp genutzt.

Über den Mälchberg auf den Pfaff
Wer es lieber alpiner hat, wird am blau-weissen Aufstieg über den Mälchberg Freude haben. Diese spannende Route startet nördlich beim Sahli-Seeli, führt dann erst unspektakulär zum Feldmoos und von dort steil durch Gras- und Felsgelände auf den Mälchberg (1 848 m). Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Voraussetzung.
Vom Mälchberg gelangt man in 30 Minuten auf den Pfaff (2 109 m ü. M.), von wo aus man eine herrliche Aussicht auf die beiden Hochtäler Charetalp und Glattalp hat. In 30 weiteren Gehminuten gelangt man vom Pfaff aus zur Glattalp hinunter. Das Hochtal ist von Bergen umgeben, entsprechend gross ist die Auswahl an spannenden Gipfelzielen. Für ambitioniertere Wanderer ist sicher der Ortstock ein lohnendes Ziel.
Die Aussicht auf die Glarner, Urner und Schwyzer Alpen ist eindrücklich. Dieser 2 700 Meter hohe Gipfel muss aber hart verdient werden, denn der Aufstieg führt von der Bergstation der Bahn über die lange Hochebene der Glattalp. Dabei müssen nicht nur sieben Kilometer, sondern auch noch gut 900 Höhenmeter bewältigt werden. Da sich auch der Rückweg in die Länge zieht, muss für diese Tour gut fünf Stunden reine Gehzeit eingeplant werden.

Idyllischer See und herrliche Blumenpracht
Die Glattalp kann aber auch ganz gemütlich erlebt werden. Wie schon erwähnt, besteht die Möglichkeit, die Bergbahn zu benutzen. Von deren Bergstation aus ist der idyllische Glattalpsee mittels einer 30-minütigen Wanderung zu erreichen.
Wer trotz der kühlen Bergluft immer noch heiss hat, kann sich im See abkühlen. Auch im Hochsommer liegt die Wassertemperatur darin selten im zweistelligen Bereich. Es kann aber gut sein, dass man sich den Glattalpsee mit Kühen und Rindern teilen muss, denn die Region ist ein weitläufiges Alpgebiet für Schafe, Pferde, Rinder und Ziegen.
Aber nicht nur unterschiedliche Tiere lassen sich beim Verweilen beobachten, auch die Blumen- und Pflanzenvielfalt ist enorm. Enziane, Soldanellen oder gar Edelweisse können bestaunt werden.
Genug Zeit für den Rückweg einplanen
So viel Schönheit, Bergluft und Bewegung machen natürlich Hunger und Durst. Auf der Glattalp besteht trotz der Abgeschiedenheit die Möglichkeit, einzukehren. Im Berggasthaus Glattalp oder in der Glattalphütte SAC wird für Speis und Trank gesorgt.
In der SAC-Hütte besteht natürlich auch eine Übernachtungsmöglichkeit, was bei längeren Wanderungen natürlich sinnvoll sein kann. Trotz der idyllischen Bergwelt und der angenehmen Temperaturen sollte der Rückweg ins Tal nicht vergessen werden. Gerade bei schönem Sommerwetter, an Wochenenden und Feiertagen kann es gut sein, dass auch die Bahnfahrt hinunter etwas Geduld erfordert. Und gerade wenn die Beine schon etwas müde sind, kann sich auch die Wanderung ins Tal in die Länge ziehen.


