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Schaffhauser Bauern fassen Nein-Parole zum Klimaschutzgesetz

Die Schaffhauser Delegierten schlossen sich der ablehnenden Haltung des Vorstands an. Präsident Christoph Graf betonte, die Landwirtschaft sei noch nicht so weit, auf fossile Energieträger zu verzichten. Neu in den Vorstand gewählt wurden Roger Schlatter und Simon Keller.

Am 28. April führte der Schaffhauser Bauernverband als einer der letzten Bauernverbände seine Delegiertenversammlung durch. «Wir leben in einer Zeit voller Gegensätze», wandte sich Präsident Christoph Graf an die Anwesenden und Gäste. Graf nannte mehrere Beispiele solcher Gegensätze. «In der Ukraine herrscht Krieg, die Bevölkerung wächst und bei uns fordert man 3,5 Prozent Biodiversitätsförderflächen auf Ackerflächen.» Dabei müsse die landwirtschaftliche Produktion aufgrund der politischen Weltlage eigentlich gestärkt werden. Doch Graf gab sich kämpferisch: «Wir lassen uns nicht unterkriegen und kämpfen für eine starke Schaffhauser Landwirtschaft.»

Ein deutliches Nein zum Klimaschutzgesetz

Für eine grössere Diskussion im Verlaufe der Versammlung sorgte einzig der Entscheid des Vorstands, der für das Klimaschutzgesetz die Nein-Parole herausgegeben hatte. Auf Antrag eines Delegierten wurde über die Parolenfassung abgestimmt, wobei sich ein deutliches Bild zeigte: Mit 63 Nein- zu 5 Ja-Stimmen lehnen die Schaffhauser Delegierten das Gesetz ab.

Vorstandsmitglied Christian Müller warnte: «Jetzt lässt man die Landwirtschaft noch in Ruhe, aber wenn die Ziele nicht erreicht werden, droht eine weitere Reduktion der Tierbestände.» Dies hätte für den Kanton Schaffhausen verheerende Auswirkungen. «Wir sind ein extensiver Ackerbaukanton, die Tierhaltung spielt eine wichtige Rolle. Unsere Betriebe hätten nicht so viele Möglichkeiten, sich neu zu orientieren», rief Müller in Erinnerung. Auch für Christoph Graf ist das Klimaschutzgesetz der falsche Weg.

«Die Landwirtschaft ist noch nicht so weit, auf fossile Energieträger zu verzichten. »

Christoph Graf, Präsident Schaffhauser Bauernverband

Die Klimaziele erreiche die Schweiz mit diesem Gesetz nicht. Voten für ein Ja zum Klimaschutzgesetz gab es keine, weder aus dem Vorstand noch aus der Versammlung.

Näher an den Leuten dank SchuB und Hofanlässen

Bauernsekretärin Virginia Stoll blickte auf ein ereignisreiches Verbandsjahr zurück. Als Erfolg haben sich die Flur- und Hofbegehungen für die nicht-landwirtschaftliche Bevölkerung erwiesen.

«Dies ist langfristig der wirkungsvollste Weg, um die Bevölkerung miteinzubeziehen und aufzuklären.»

Virginia Stoll, Geschäftsführerin Schaffhauser Bauernverband

Ein ebenso wichtiges Instrument in diese Richtung ist SchuB. Die Beiträge für die Betriebe sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und werden dieses Jahr auf gesamthaft 6000 Franken erhöht.

Ganz allgemein will der Verband die Öffentlichkeitsarbeit forcieren und die Bauern dabei auch unterstützen. Die Vorstandsmitglieder This Vögele und Hendrik Güntert stellten dazu Merkblätter für die Tierhaltung und den Pflanzenbau vor. Diese sollen den Betrieben als Checkliste für die Vorbereitung und Umsetzung dienen und sind auf der Homepage des Schaffhauser Bauernverbands einsehbar. In diesem Zusammenhang wurde auf Feldtafeln und Informationsmaterial verwiesen, die gratis beim Schweizer Bauernverband (SBV) bestellt werden können.

Zwei neue Vorstandsmitglieder und ein positives Budget

Im Vorstand kommt es zu zwei Wechseln. Nach 14 Jahren hat Wilfried Leu seinen Rücktritt eingereicht. Für den frei werdenden Sitz wurde Roger Schlatter gewählt. Er ist wie Leu ein Vertreter der Vereinigung der Randenbauern. Nach vier Jahren verlässt Kassier Cyril Tappolet, der vor zwei Jahren das Verwaltungsratspräsidium der GVS-Gruppe übernommen hat, den Vorstand. Mit dem einstimmig gewählten Simon Keller bleibt die GVS-Gruppe im Vorstand des Schaffhauser Bauernverbands vertreten. Der abtretende Kassier Tappolet konnte seinem Nachfolger nach Jahren der Verluste in der Verbandsrechnung – 2022 waren es Minus 57’000 Franken – ein positives Budget übergeben. Dazu trägt die Erhöhung des Flächenbeitrags von 6 auf 9 Franken pro Hektare bei, die von der Versammlung gutgeheissen wurde. Somit sieht die budgetierte Rechnung für 2023 einen Gewinn von 5600 Franken vor.

Schaffhauser Bauern fassen Nein-Parole zum Klimaschutzgesetz
Wilfried Leu (links) und Cyril Tappolett wurden aus dem Vorstand verabschiedet.

Ein wenig Kontinuität in der Agrarpolitik

Einen ganzen Strauss von Themen – von der Ablehnung der MTI bis zum Wahlherbst – sprach Urs Schneider, stellvertretender SBV-Direktor, an. Es sei wichtig und richtig gewesen, die AP 22+ zu sistieren. «Das vom Parlament verabschiedete Mini-Paket fordert uns zwar viel ab, dafür haben wir bis 2030 etwas Kontinuität in der Agrarpolitik.»

Was Schneider besonders ärgert, ist die Argumentation gewisser Politiker(innen), in der Agrarpolitik herrsche seit 16 Jahren Stillstand. «Wir haben gewaltige Fortschritte gemacht, auch in den ökologischen Belangen. Wir müssen uns nicht vorwerfen lassen, wir hätten nichts gemacht.» Schneider hob hervor, die Betriebe müssten mit der Entwicklung auch mitkommen. «Die Mini-AP trägt dem Rechnung», so Schneiders Fazit. Man sei mit der AP 22+ auf dem richtigen Weg, «aber der Weg ist noch lange nicht zu Ende».

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