Sie gehören unterschiedlichen Parteien an und bilden im Gemeinderat die Mehrheit. Trotz ihrer Verschiedenartigkeit verbinden sie ganz viele Gemeinsamkeiten. Alle drei engagieren sich beispielsweise auch tatkräftig gegen die Pflanzenschutz-Initiativen.
Unterschiedliche Herkunft
«Ein gutes Netzwerk ist wichtig», betont die älteste der drei Frauen, die 53-jährige CVP-Frau Hella Schnider-Kretzmähr. Dank dieses Netzwerks wurde sie in den vergangenen Wahlen direkt zur Gemeindepräsidentin gewählt. Über ihre deutsche Herkunft und die Eltern erzählt sie: «Sie waren geprägt vom Zweiten Weltkrieg. Meine Mutter blieb zu Hause und hatte kein Bedürfnis, sich in der Öffentlichkeit zu engagieren.»
Die 52-jährige Vroni Thalmann genoss als jüngstes Kind einer Grossfamilie das Privileg, einen Beruf zu erlernen. «Meine Schwestern besuchten Haushaltsschulen, ich durfte Kaufmännische Bankangestellte lernen.»
Silvia Limacher sagt von sich: «Ich bin ein Politikerkind. Mein Vater war Grossrat der FDP. Mit dieser Partei und politischen Gesprächen bin ich aufgewachsen. Meine sehr engagierte Mutter blieb im Hintergrund , stimmte aber immer ab. Rechte für die Frau waren bei uns selbstverständlich.» Bereits in jungen Jahren wurde Limacher in den Vorstand der Ortspartei gewählt, amtete mehr als zehn Jahren als FDP-Delegierte der Kantonalpartei und war zwölf Jahre Kirchenrätin. «Mein Netzwerk wuchs, da und dort ein parteipolitisches Amt, aber gesucht habe ich es nicht», betont sie. Sie liebt den Kontakt zu Menschen, tut gerne etwas für die Gesellschaft. Die politische Arbeit erfülle sie. Die drei Frauen sind mit ganzem Herzen dabei.
An Aufgaben wachsen
Hella Schnider stellt ehrlich fest: «Ich habe gemerkt, dass ich nicht der Typ bin, einzig für den Haushalt. Meine Stärke ist das Organisieren und ich wachse an Herausforderungen. Darum zögerte ich nicht lange, als ich für die Vorstandsarbeit des Bauernbands angefragt wurde.» Seit fünf Jahren ist sie nun im Vorstand des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes (LBV).
Vroni Thalmann wurde als erste SVP-Frau in den Gemeinderat gewählt. «Dies war ein Goodwill-Akt. Weil die vorgeschlagenen Männer meiner Partei abgeblitzt sind, wurde ich nominiert und gewählt. Inzwischen übe ich das Amt als Sozialvorsteherin seit 17 Jahren aus. Ich hätte nie gedacht, dass ich auch in den Kantonsrat gewählt würde, ich war völlig überwältigt.»
Zuerst Familie, dann Politik
Übereinstimmend bestätigen die drei Frauen, dass die Administration des Betriebes in ihren Händen liege. Hella Schnider ist spät in die Politik eingestiegen. Bewusst war sie für ihre Kinder da und unterstützte ihren Mann. «Nun ist es umgekehrt. Wir sind mehrheitlich auswärts tätig und unsere Männer unterstützen uns», sagen die drei Frauen schmunzelnd und stellen lachend fest, dass nicht alle Hausmänner seien. Grössere Entscheide, wie Anschaffungen oder Anfragen für Kandidaturen für ein Amt, werden bei allen drei Frauen zu Hause diskutiert und abgewogen. «Nur so können Entscheide mitgetragen werden», sind sie sich einig. So werde Gleichberechtigung völlig normal gelebt.
Keine Emanzen
Sie sei in vielen Gremien die einzige Frau unter Männern, sagt Hella Schnider. Auf die Frage, ob sie emanzipierte Frauen seien, werden diese emotional. «Dieses Wort setzt ein Manko voraus. Für mich sind das aggressive Frauen, die sich immer beweisen müssen. Ich weiss doch, was ich kann», betont Hella Schnider und Silvia Limacher pflichtet ihr bei: «Das Wort Emanze ist negativ behaftet. Wir drei sind keine Emanzen!» «Frauenquoten sind mir nicht geheuer. Man wählt mich als Menschen oder eben nicht», stellt Hella Schnider klar. Sie sind sich einig, dass die Qualität eines Menschen zählt und nicht Zahlen. «Gleichberechtigung sollte heute kein Thema mehr sein. Frauen sollen so gefördert werden, dass sie automatisch die Möglichkeiten haben, ihre Stärken und Gaben zu leben», ergänzen Silvia Limacher und Vroni Thalmann.
Gleicher Lohn für alle
Ungleichheiten von Mann und Frau sehen sie einzig in der Entlöhnung. «Es darf nicht sein, dass eine Frau für die gleiche Arbeit weniger Lohn bekommt», prangert Schnider an. «Frauen sollen in Männerberufen nicht länger schräg angeschaut werden», betont Vroni Thalmann und Silvia Limacher ergänzt: «Auch eine Frau muss die Möglichkeit für eine Kaderposition haben. Karrierefrauen ohne Kinder sollen nicht länger als Exoten gelten und jene mit Kindern als Rabenmütter. Das Frauenbild in der Gesellschaft muss ändern.»
Auf an die Frauensession
Die drei Frauen fühlen sich im Gemeinderat wohl und können gut zusammenarbeiten. «Wir sind pragmatische und praktische Frauen», stellt Silvia Limacher freudig fest. «Hier in Flühli hilft man einander, bevor die öffentliche Hand helfen muss. Wir sind ein Tal und passen uns den Gegebenheiten an», beteuert Vroni Thalmann. Politische Diskussionen gebe es so gut wie keine. Hier zähle der Mensch als solcher und es gehe um die Sache, nicht um die Partei.
Was sie im Moment sehr vermissen, ist das Netzwerk über die Gemeinde hinaus. «Mir fehlen die Kommunikation und das Gesellschaftliche.» So hätten sie sich noch gar nie ohne Maske oder ausserhalb einer Sitzung treffen können, das verhindere, einander privat kennen zu lernen. Die Tatsache, dass die drei Frauen alle Bäuerinnen sind, verbindet sie. Anliegen der Landwirtschaft vertreten sie oft dieselben. Gerade jetzt mit den Pflanzenschutz-Initiativen sind die drei Frauen mit ganzem Herzblut am Kämpfen.
Ein weiteres Ziel haben die drei Frauen. Sie melden sich für die Frauensession im Herbst an. Dort brauche es auch Bäuerinnen, sind sie überzeugt.

