Wiesenmilch vom Familienbetrieb: Sondereggers setzen auf funktionale Kühe und moderne Stalltechnik

Ramona und Bruno Sonderegger produzieren auf ihrem Familienbetrieb in St. Margrethen SG IP-Suisse-Wiesenmilch. Am Ostschweizer Produzentenabend informierte IP-Suisse zudem über die geplante Überarbeitung der Wiesenmilch-Richtlinien, während Futterbauexpertin Julie Klötzli Strategien gegen Trockenheit vorstellte.

Der Ostschweizer Produzentenabend der IP-Suisse fand auf dem Betrieb von Ramona und Bruno Sonderegger in St. Margrethen SG statt. Ihre Wiesen sind noch schön grün. «Andernorts im Kanton St. Gallen wie im Toggenburg leiden die Bauern viel mehr unter der Trockenheit», sagte Bruno Sonderegger. Gekommen waren Landwirte und Bäuerinnen, nicht nur aus dem Kanton St. Gallen, sondern auch aus den umliegenden Kantonen.

Nachts wird geweidet

Tagsüber sind Sondereggers 60 Kühe lieber im Stall, obwohl sie die Möglichkeit hätten, auf die Weide zu gehen. Erst am Abend bei der Dämmerung verlassen sie über ein Weidetor den Stall und geniessen den Weidegang. Die 5-ha-grosse Weide ist zweigeteilt, mal gibt Bruno Sonderegger die eine Hälfte frei, mal die andere. Ihre Galtkühe haben eine separate Weide von 2 ha zum Weiden.

«Wir sind ein typischer Familienbetrieb. Unsere Kinder kennen jede Kuh und helfen sehr viel mit», sagte Bruno Sonderegger. Seine Mutter hilft bei den Kälbern und sein Zwillingsbruder Markus mit seiner Familie am Wochenende. Bruno lernte Zimmermann und absolvierte die Zweitausbildung als Landwirt. 2010 konnten sie den Betrieb von der Ortsgemeinde St. Margrethen pachten und 2018 einen zusätzlichen Betrieb dazukaufen. Dort steht jetzt auch der neu gebaute Stall. Ihre Aufzuchtrinder halten sie im zwei Fahrminuten entfernten Stall der Ortsgemeinde.

Futterband und Melkroboter

Ihren Milchviehstall mit einem Lelymelk- und Entmistungsroboter baute die Familie 2022. Bezugsbereit war er im Frühling 2023. Sie mussten platzsparend bauen, denn auf der einen Seite des Stalls verläuft ein Wanderweg, auf der anderen ein Bach. Statt eines breiten Futtertisches bauten sie längsseits ein Futterband ein. Auf dem schmalen Tenn hat gerade mal der elektrisch betriebene Futtermischwagen Platz, der das Futterband bestückt. Hingegen sind die Gänge zwischen den Boxen breit, sodass sich die Kühe nicht in die Quere kommen.

Nach der Weide passieren die Kühe das Weidetor und finden ihren Weg zum Lely-Milchroboter. «Das verläuft reibungslos und brauchte keine lange Eingewöhnungszeit», sagte Ramona Sonderegger. Im Stall stehen neben Braunvieh auch Holstein und Red Holstein, was einen Teilnehmer des Produzentenabends verwunderte. «Die Farbe ist uns nicht wichtig, sondern funktionale, gesunde Kühe, die gut Milch geben», beantwortete Ramona Sonderegger dessen Frage.

Punktesystem Wiesenmilch wird überarbeitet

Ihre Milch, notabene IP-Suisse-Wiesenmilch, liefern sie an die Molkerei Fuchs in Rorschach SG. Die Wiesenmilch ist eine Erfolgsgeschichte. Die vermarktete Menge hat sich in den vergangenen Jahren auf rund 300 Mio kg Milch gesteigert. «Das sind rund 10 % der gesamthaft in der Schweiz produzierten Milch», hielt Severin Lehner von IP-Suisse fest. Er kündigte an, dass die Produktionsrichtlinien beziehungsweise das Punktesystem überarbeitet werde. «Das Ziel sind nicht strengere Richtlinien, sondern eine Vereinfachung des Punktesystems mit einer noch klareren Ausrichtung auf graslandbasierte Milchproduktion», hielt Lehner fest. Gleichzeitig wolle man das Profil der Wiesenmilch schärfen, sodass die Konsumenten verstehen, wofür das Label stehe.

Beibehalten wolle man, dass man kein Soja verfüttern darf. Im Zentrum steht ein hoher Anteil an Weide und Frischgras, möglichst geringe Nahrungsmittelkonkurrenz, hohe Ressourceneffizienz, Tierwohl und geschlossene regionale Kreisläufe.

Grundlage für die Überarbeitung des Punktesystems ist eine Umfrage, die IP-Suisse zusammen mit der HAFL bei den Wiesenmilchproduzenten durchführt. «Je mehr Rückmeldungen wir haben, desto besser können wir die Anforderungen praxisnah anpassen», sagte Severin Lehner. Dabei wies er auf den nächsten Praxisabend in der Zentralschweiz hin. Dieser wird am 23. September bei Lukas Bucher in Rain LU stattfinden.

Das IP-Suisse-Team Irene Wicki, Severin Lehner und Géraldine Bieli mit Futterbauspezialistin Julie Klötzli von der HAFL (v.l.)(Bild: Daniela Clemenz)

Betriebsspiegel

Name     Ramona und Bruno Sonderegger mit den Kindern Kilian, Nevio und Luca

Ort        St. Margrethen (SG)

LN         48 ha Acker- und Futterbau

Tierhaltung  60 Milchkühe und 44 Aufzuchtrinder

Die Weideintensität bei Trockenheit reduzieren

Das eigentliche Thema am IPS-Produzentenabend war Weidemanagement. Dafür war Julie Klötzli von der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus (AGFF) angereist. Sie wies auf die Website www.eagff.ch hin. Dort sind Merkblätter für professionelles Weidemanagement zu finden. «Drei Grundregeln für erfolgreiches Weidemanagement sind einzuhalten», sagte Klötzli und zählte auf:

  • den Futterbedarf an das Graswachstum anpassen
  • im richtigen Entwicklungsstadium beweiden (Dreiblattstadium)
  • für Umtriebsweide gilt, früh im Frühling mit Weiden zu beginnen und eine kurze Weidedauer je Parzelle

Klötzli geht davon aus, dass in Zukunft vermehrt Sommertrockenheit auftreten werde und machte darauf aufmerksam, dass intensiv genutzte Bestände anfälliger auf Trockenheit sind. «Die Bestände verbrauchen ihre Reserve. Das hat zur Folge, dass sie weniger tief wurzeln und die Gräser weniger Reservestoffe für den Wiederaustrieb aufbauen können», sagte sie.

Für alle Bestände gelte es, während der Sommerdepression den Tierbestand anzupassen und Überweidung zu verhindern. Den Futterengpass könne beispielsweise mit trockenheitstoleranten Zwischenfuttermischungen überbrückt werden. Auch könne man den Mais grün verfüttern. Vermehrt setzen Landwirte auch auf Sorghum und Moah.

«Dafür gibt es aber keine Sortenprüfung und kaum Erfahrungswerte im Anbau», sagte Julie Klötzli. Besser sei es, trockenheitstolerante AGFF-Mischungen, die Luzerne, Rohrschwingel, Knaulgras und Rotklee enthalten, einzusetzen. Man solle aber nicht alles auf eine Karte setzen, sondern nach dem Versicherungsprinzip handeln, beispielsweise ¾ übliche Mischung ansäen und mit einem Viertel trockenheitstoleranter Mischung ergänzen.