Fünf Monate nach der Notbremse: Suisseporcs stoppt Einzug für Marktentlastungsfonds

Per 17. Juli wird der Einzug zu Gunsten des Marktentlastungsfonds eingestellt. Die Hochrechnung zeigt: Das Geld reicht, um die laufenden Massnahmen zu finanzieren. Die aktuellen Marktdaten liefern die Erklärung dafür – der Schweinemarkt hat sich spürbar entspannt.

Wie einer Mitteilung von Proviande zu entnehmen ist, hat eine branchenübergreifende Arbeitsgruppe unter der Führung von Suisseporcs an ihrer Sitzung vom 16. Juli beschlossen, den Einzug für den Marktentlastungsfonds per 17. Juli zu stoppen. Bei den Mastjagern wurde der Einzug bereits per 13. Juli eingestellt, mit letztem Einzugstag für Lieferungen vom 11. Juli. Bei den Schlachtschweinen gilt der 17. Juli als Stichtag, letzter Einzugstag ist der 16. Juli.

Als Begründung nennt die Arbeitsgruppe die Hochrechnung des Fonds: Die bisher eingezogenen Mittel reichten aus, um die nach wie vor laufenden Entlastungsmassnahmen zu finanzieren. Ein weiterer Einzug sei damit nicht mehr nötig.

Der Fonds im Zeitraffer

Die Massnahme war eine direkte Reaktion auf die Überproduktion im Schweizer Schweinemarkt. Ab dem 16. Februar 2026 wurde bei den Schweinehaltenden ein Einzug von 20 Rappen pro Kilogramm Schlachtgewicht erhoben – organisiert über einen bei Proviande eingerichteten Fonds. Ziel war es, das Überangebot an Schlachtschweinen im Sommer und Herbst 2026 mit gezielten Marktentlastungsmassnahmen im In- und Ausland zu reduzieren.

Ab dem 4. Mai 2026 wurde der Satz laut Proviande bereits auf 10 Rappen pro Kilogramm Schlachtgewicht halbiert – ein erstes Signal, dass sich die Lage entspannte. Mit dem definitiven Stopp per 17. Juli endet der Einzug nach gut fünf Monaten.

Zur Erinnerung: Ausgelöst wurde die Massnahme im Februar von der erweiterten Fachkommission Markt der Suisseporcs, die eine strukturelle Überkapazität von rund fünf Prozent der Schweineplätze diagnostiziert hatte. Damals wurden zusätzlich 12 Franken pro Jager – aufgeteilt im Verhältnis zwei Drittel Züchter zu einem Drittel Mäster – vom Jagerpreis abgezogen.

Was der aktuelle Marktbericht zeigt

Auch der Suisseporcs-Marktbericht zur Woche 30, der die Preisempfehlungen für Lieferungen vom 17. bis 23. Juli enthält, bestätigt die Entscheidung mit Fakten. Bei den Schlachtschweinen war das gut mittlere Angebot der laufenden Woche trotz unterschiedlicher Nachfrage vollständig verkauft, der Markt gilt als abgeräumt. Möglich wurde das auch dank Schlachtungen für den Export, finanziert durch die Schweinehaltenden selbst: Dadurch sind die Schlachtgewichte innert vier Wochen von 90,2 auf 88,1 Kilogramm gesunken – die Tiere kommen also leichter und rascher zur Schlachtung.

Für die kommende Woche rechnet Suisseporcs mit einem Angebot, das der Nachfrage entspricht. Sämtliche Schweizer Qualitätsschweine würden im Inland gebraucht, weshalb die vorgesehene Preiserhöhung als marktgerecht bezeichnet wird. Konkret steigt die unverbindliche Preisempfehlung für QM-Schlachtschweine von 2.50 Franken auf 2.70 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht ab Stall, bei IPS-Schweinen von 2.75 auf 2.95 Franken – dies inklusive der von Migros und IP-Suisse festgelegten Prämie von aktuell 25 Rappen.

Auch bei den abgehenden Mutterschweinen zieht der Preis deutlich an: von 50 bis 70 Rappen in der Vorwoche auf neu 70 bis 90 Rappen pro Kilogramm ab Stall. Das Angebot wird dabei als knapp mittel beschrieben – ein Hinweis darauf, dass auch bei den Zuchtbeständen bereits eine gewisse Bereinigung stattgefunden haben könnte.

Stimme aus der Branche

War das zu erwarten? Wir haben bei Peter Bosshard, Geschäftsführer des Viehhändlerverbandes, nachgefragt. Bosshard zögert bei der Frage einen Moment und sagt dann aber doch dezidiert: «Ja.» Dieses Ja erläutert er uns: «Das muss überfallartig gemacht werden, sonst wird spekuliert. Wir haben immer gesagt: Wir hören auf, sobald wir sehen, dass es geht. Mit den bisherigen Massnahmen hat man diese Woche festgestellt, dass es reicht. Man musste einfach schauen, wie sich der Markt entwickelt. Wenn das, was wir beschlossen haben und umsetzen wollen, finanzierbar ist, dann ist es auch angebracht, mit dem Einzug aufzuhören. Und basierend auf den vorhandenen Zahlen ist genau das jetzt der Fall.»