Am vergangenen Mittwoch teilte der Bundesrat mit, dass er der Landwirtschaft unter die Arme greift: Die Mittel für die Betriebshilfe werden im Jahr 2026 einmalig um 54 Millionen Franken erhöht. Dank dieser zinslosen Kredite sollen die landwirtschaftlichen Betriebe durch die Trockenheit verursachte Liquiditätsengpässe überbrücken können.
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat bereits Anfang August gezielte Massnahmen beschlossen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Trockenheit abzufedern. So kann Heu zollfrei und Futtermais zu reduzierten Grenzabgaben importiert werden, Biobetriebe dürfen ihren Tieren konventionelles Futter vorlegen, die vollen Direktzahlungen werden entrichtet, auch wenn die Vorgaben teils nicht eingehalten werden können, und der Bund übernimmt 30 Prozent der Prämien der Ernteversicherungen.
Noch bevor der Bundesrat seine Erleichterungsmassnahmen bekannt machte, sprang die Migros mit einer Spende in der Höhe von zwei Millionen Franken in die Bresche. Sie überwies den Betrag an die Bucher-Gossweiler-Stiftung. An diese können sich Landwirte ab Ende August für Hilfestellungen in finanziellen Härtefällen wenden.
Um die Landwirtschaftsbetriebe zu unterstützen, hat das Landwirtschaftsamt Zug geplant, die Hauptzahlung der Direktzahlungen am 18. September statt wie bisher am 20. Oktober, vorzeitig auszurichten.
Wir haben den Puls gefühlt, wie stark aktuell das Bedürfnis nach diesen Finanzspritzen bei den Betrieben in der Zentralschweiz und im Aargau tatsächlich ist.

Monetäre Engpässe bisher kaum bemerkbar in Luzern
Es seien zwei Aspekte, die den Landwirten aktuell das Leben schwer machen: die schlechten Marktpreise für Milch und Fleisch und die Trockenheit, die zu Futterknappheit und schlechten Ernteerträgen führe, resümiert Peter Lütolf, Leiter Agrar der Landi Luzern West.
«Bisher begleichen die Landwirte ihre Rechnungen bei uns so fristgerecht wie immer. Was aber nicht heissen will, dass der eine oder andere nicht zu kämpfen hat, denn die Bauern haben per se eine enorm hohe Zahlungsmoral», gibt Lütolf Auskunft. Die Ungewissheit sei momentan gross, und das Ausmass schwierig absehbar. Wie gut die Tiere über den Winter kommen und wie hoch der finanzielle Druck noch anwächst, hängt davon ab, wie die Maisernte ausfällt und bis wann in den Herbst die Rinder noch draussen grasen können.
Kranke Kühe, tiefe Schweinepreise und Futterkosten
Auch bei der Landwirtschaftlichen Kreditkasse des Kantons Luzern (LKL) ist der finanzielle Druck bisher nicht allzu stark zu spüren. «Die Anfragen zu Hilfestellungen in akuten finanziellen Notlagen halten sich momentan im leicht erhöhten Durchschnitt», erklärt Geschäftsleiter Samuel Brunner. Zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen können von der LKL Betriebshilfedarlehen gewährt werden. Kranke Kühe, die tiefen Schweinepreise und die Ausgaben für Futterzukauf würden momentan meist als Begründung für den monetären Engpass angegeben. Momentan laufen die Telefondrähte im Geschäftssitz in Sursee nicht heiss. «In den kommenden Monaten rechnen wir aber mit einem Anstieg der Hilfsgesuche», sagt Samuel Brunner.
Finanzen beim Beratungstelefon (noch) kein Thema
Auch das Beratungstelefon «Offeni Tür i de Not» des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes (LBV) blieb diesbezüglich bisher still. Es bietet für die bäuerliche Bevölkerung bei sozialer oder psychischer Not sowie bei finanzieller Bedrängnis eine direkte und diskrete Anlaufstelle.
Bisher seien noch gar keine Anrufe gekommen, die Hilfestellung bei finanziellen Engpässen wünschten, gibt die Beraterin Auskunft. «Vielleicht ist es momentan noch fast zu früh. Ich könnte mir gut vorstellen, dass später, wenn die Alpsaison zu Ende ist, vermehrt Auskünfte zu dieser Thematik gewünscht werden», so die Beraterin, die anonym bleiben will.
Drückt der Schuh noch zu wenig im Aargau?
Im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG ist es Rebekka Flury, die Leiterin des Teams Agrarwirtschaft, die sich um Beratungen in diesem Bereich kümmert. «Wir haben vermehrt Anfragen zum Vorgehen bei der Anmeldung von Kurzarbeit erhalten, worauf wir beschlossen, einen Newsletter zum Thema ‹Zahlungsfähig bleiben – wie mache ich das?› zu veröffentlichen», erzählt Flury.
Anderweitig hätten sie aber noch nicht viele Hilferufe bezüglich finanzieller Probleme erreicht. Es sei schwierig zu sagen, ob die Situation noch zu wenig akut ist, oder ob die Landwirte noch zu grosse Hemmungen haben, um nach Hilfe zu fragen. «Vielleicht sind die Landwirte noch so stark mit Arbeit gefordert, dass sie schlichtweg keine Zeit finden für eine Anfrage, oder der Schuh drückt effektiv noch zu wenig fest, dass sie sich überwinden könnten, Hilfe anzufordern», sagt die Fachspezialistin.
Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau (BVA), informiert, dass die Aargauische Kreditkasse es ohne grosse Formalitäten und Bürokratie ermögliche, dass Schuldner ihre Tilgung bei Bedarf stunden könnten. Direkte Anfragen bezüglich einer vorgezogenen Auszahlung der Direktzahlungen seien bisher keine an den BVA gelangt. «Zu Liquiditätsengpässen wird es sicher vor allem dann kommen, wenn ausserordentliche Futterzukäufe getätigt werden müssen», sagt Bucher und fügt an: «Die Migros-Spende kann einzelbetrieblich helfen, aber nicht den grossen Massen.»
Das Blatt hat sich durch die verheerenden Hagelschauer vom 28. August 2026 in einigen Teilen des Aargaus nun leider komplett ins Negative gewendet.

