Was heute unter der Marke Franches-Montagnes Energie SA gleich zwei Fernwärmenetze betreibt, begann vor rund 20 Jahren mit einer einzigen Schnitzelmaschine – und der Erkenntnis, dass der elterliche Hof nicht für drei reicht.
Yann Flück wuchs auf einem Bauernhof auf. Wie viele Kinder aus der Landwirtschaft war er früh im Stall zu Hause, half beim Füttern, Säen und Heuen. Mit 16 Jahren absolvierte er folgerichtig das CFC, die landwirtschaftliche Grundausbildung. Nach der Ausbildung arbeitete er zusammen mit Vater und Bruder auf dem Betrieb – bis klar wurde, dass dieser keine drei Vollzeitstellen tragen konnte.
Statt den Hof zu verkleinern oder aufzuteilen, wandte sich Flück einer zweiten Leidenschaft zu: dem Wald. Schon mit seinem Vater hatte er regelmässig Holzschläge, Astungen und Waldpflege auf dem eigenen Grund gemacht. Er liess sich zum Forstwart ausbilden und arbeitete zunächst in einem Forstbetrieb.
2008: Eine Marktlücke im eigenen Dorf
Der eigentliche Wendepunkt kam 2008. Im Dorf war ein Fernwärme-Projekt geplant – doch weit und breit gab es noch keinen Anbieter für Holzenergie in der Region. Yann Flück erkannte die Chance, kaufte seine erste Holzschnitzel-Maschine und unterschrieb im selben Zug seinen ersten Liefervertrag für Waldhackschnitzel.
Aus diesem einen Vertrag wuchs über die Jahre ein Unternehmen, das heute acht Vollzeitstellen zählt und rund 100 000 Kubikmeter Holzschnitzel pro Jahr liefert – an Fernwärmeverbünde ebenso wie an über hundert private Haushalte. Der Transportradius bleibt bewusst auf 15 Kilometer begrenzt, was den Anteil an grauer Energie auf rund 2 Prozent drückt.
Nach eigener Einschätzung liegt die grösste Herausforderung nicht im organisatorischen Wachstum, sondern darin, mit der Energiewende Schritt zu halten. «Wir befinden uns mitten in der Energiewende, und Holzenergie ist ein Teil davon», sagt Flück dazu. Als Akteur dieser Entwicklung gehe es darum, ihr einen Schritt voraus zu sein.
Vom Lieferanten zum Fernwärme-Anbieter
2018 folgte der nächste grosse Schritt. Die Käserei von Le Noirmont – die täglich rund 1 500 Laibe Tête de Moine produziert – baute ihre neue Produktionsstätte und wollte mit erneuerbarer Energie heizen. Ein externer Energie-Contractor prüfte ein Projekt, dessen Angebot der Käserei jedoch zu teuer war.
Statt das Vorhaben aufzugeben, suchte Flück den Kontakt zum Anlagenbauer Allotherm AG. Mit dessen Inhaber Christian Bieri habe die Zusammenarbeit von Anfang an bestens funktioniert, so Flück: Allotherm brachte die Erfahrung im Leitungsbau und Anschlusswesen mit, die Yann Flück SA die Holzversorgung, die Ortskenntnis und den Kontakt zur Bevölkerung. Aus dieser Partnerschaft entstand die gemeinsame Firma Franches-Montagnes Energie SA; 2018 ging das Fernwärmenetz in Le Noirmont ans Netz, 2020 folgte ein zweites in Saignelégier.
Über die beiden Netze werden heute neben der Käserei auch Schulen, die Kirche, Gewerbebetriebe, das Spital, das Freibad und Hunderte Haushalte versorgt.
Digitale Lösung für Waldbesitzer
Auch bei der Rohstoffbeschaffung setzt Flück auf enge Zusammenarbeit statt reiner Handelsbeziehung. Mit den Waldbesitzern und Forstbetrieben der Region bestehe ein reger Austausch, um gemeinsam den besten Ansatz zu finden – schliesslich seien auch sie Akteure der Energiewende. Um die Meldung von Holzposten zu vereinfachen, hat das Unternehmen eine eigene Online-Plattform eingerichtet: Waldbesitzer können dort den Status ihres angemeldeten Holzstapels mitverfolgen.
Sein Rat an Landwirte: kein pauschales «Machen Sie das auch»
Gerade weil sein eigener Werdegang aus der Landwirtschaft in die Forstwirtschaft führte, wirkt Flücks Einschätzung zu einem möglichen zweiten Standbein differenziert. Die Berufe in der Forstwirtschaft verlangten andere Kompetenzen als jene der Landwirtschaft, sagt er. Er selbst habe die Arbeit auf dem Hof aufgegeben, als er sein Holzenergie-Unternehmen startete – die volle Konzentration auf einen Beruf sei aus seiner Sicht Garant für Qualität, Professionalität und Beherrschung des eigenen Handwerks.
Gleichzeitig relativiert er das nicht als Absage an eine Nebentätigkeit im Wald: Die Inwertsetzung von Waldflächen aus landwirtschaftlichen Betrieben sei eine nicht zu unterschätzende Einkommensquelle für Landwirtinnen und Landwirte.

Am 3. September wurden im Eventforum Bern die Gewinner des Prix Montagne 2026 gekürt. Unter den sechs Nominierten war auch die Yann Flück SA aus Le Noirmont im Kanton Jura – den Hauptpreis holte sich am Ende das Neuenburger Unternehmen Freelap, den Publikumspreis das Gesundheitszentrum Unterengadin. Der Prix Montagne wird von der Schweizer Berghilfe und dem Schweizerischen Arbeitskreis für Berggebiete (SAB) verliehen, ist mit 40 000 Franken dotiert und ging heuer zum 16. Mal über die Bühne. Eine Jury unter dem Vorsitz von Dario Cologna hatte aus 42 Eingaben sechs Projekte für die Endrunde ausgewählt, darunter neben der Yann Flück SA auch das Gesundheitszentrum Unterengadin, Dolceperla Gioielli aus Poschiavo, Freelap aus Fleurier, die Stoos Lodge und der Biketrail Marbachegg.

