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Stallumbau: Wenn das Liegehallendach auch eine Strasse ist

Der Luzerner Kilian Husmann hat seinen 80er-Jahre-Anbindestall zu einem modernen Laufstall umgebaut. Frühzeitig planen, genau hinschauen und genügend Zeit für Eigenleistungen einberechnen sind seine Tipps.

Wenn Milchproduzenten mit Anbindestall einen Laufstall bauen, stellt sich immer dieselbe Frage: kompletter Neubau oder Um- und Anbau der bestehenden Scheune? Das war auch bei Kilian Husmann vom Steinhuserberg, Wolhusen LU, nicht anders.

Den elterlichen Betrieb Mättenlehn konnte er 2018 übernehmen. Es folgten Investitionen in eine zweite Wohnung und eine dezente Verlängerung eines Lägers im Anbindestall. Möglich gemacht durch eine Flächen-Zupacht.

Rund 24 Kühe waren es insgesamt, die Aufzuchtrinder gehen zur Sömmerung. Die Scheune, im typischen Stil der 80er-Jahre gebaut, war «nicht schlecht im Schuss», erzählt Husmann bei unserem Besuch. Bezüglich Arbeitseffizienz, Stallklima und Tierwohl sah er natürlich Optimierungspotenzial.

Dazu gehört das Erfüllen von RAUS, der Aufwand im Stall vor und nach der Weide, die Sommerhitze bei der niedrigen Decke oder auch das Melken mit drei Aggregaten. Die Rohrmelkanlage war ebenfalls in die Jahre gekommen und erforderte Unterhalt.

Unten liegen gemütlich die Kühe in den Tiefboxen, oben führt eine Betonstrasse zur Remise. Fixes Geländer folgt. (Bild: Armin Emmenegger)

Strasse über den Liegeboxen

2023 war Baueingabe. 2022 skizzierte Kilian Husmann erste Zeichnungen. Erst war er sich recht sicher, dass ein Umbau an seinem Standort in Hanglage nicht möglich sein wird.

Schliesslich musste die Remise hinter dem Stall mit einer Zufahrt erschlossen bleiben und es brauchte Platz für zusätzlichen Gülleraum. Futter und Aufzucht im alten Stall, plus einen Neubau auf grüner Wiese, so stellte er sich die Investition grob vor. Eher zufällig führte er als Chauffeur in dieser Zeit Diesel aus auf Betriebe – oder vorbei an Höfen – die unter wohl ähnlichen Voraussetzungen ebenfalls um- und anbauten.

«Gelungene Sachen und platzsparend», fand Husmann. Der Stallplaner bestätigte ihm diesen Eindruck. Über die Hälfte der Liegeboxen wurden schliesslich im Aussenbereich, mit der Zufahrt für die Remise quasi als Dach darüber, angelegt. Das Gülleloch befindet sich unterhalb der neuen Remise. 100 m³ Regenwasser kann er dank eines Tankes zudem fassen.

Die Sache mit den Eigenleistungen

Gleichzeitig mit der Planungsphase erstellte Kilian Husmann ein Budget. Mit der Kreditkasse wurde eine Kostenobergrenze festgelegt. Und damit habe er sich arrangiert. Keine Kompromisse eingehen wollte er bei den täglichen Zeitfressern, also beim Füttern, Melken und Misten. Gespart wurde dafür mit einem Occasion-Melkstand und ordentlich Eigenleistungen.

Husmann hat viel selbst montiert, vor allem im Bereich Stalleinrichtung, Wasser oder Strom. Dem Baumeister hat er im Stundenlohn geholfen, ebenso dem Holzbauer. «Ein wenig günstiger ist die Variante gekommen, im Vergleich zu einem Neubau», so seine Einschätzung. Eigenleistungen sind immer ein zweischneidiges Schwert, gibt Husmann zu bedenken. Die Bauphase dauerte sicher länger, das könne schon mal stressen. Und natürlich müsse das Kerngeschäft trotzdem weiterlaufen. Er konnte mit seinem Milchvieh während der Bauerei zu Bekannten in einen leerstehenden Stall. «Eine optimale Lösung», wie er findet. Rund acht Monate dauerte diese Phase. Mitte November 2025 wurde der neue Stall bezogen.

Occasion-Melkstand von de Laval. Hier hätte dereinst auch ein Melkroboter Platz. (Bild: Armin Emmenegger)

Beim Melkstand entschied sich Husmann für ein Occasion-Modell, Tandem 2 × 2, von de Laval. Dieser wurde räumlich so angelegt, dass er irgendwann durch einen Roboter ersetzt werden könnte, ohne grössere bauliche Anpassungen.

Die Tiefboxen sind mit Strohhäcksel und Kalk gefüllt. Ein Mistroboter sorgt auf den Spalten für Ordnung und sei gerade im Sommer im Laufhof praktisch, da der Mist rasch antrockne, und war so auch bei den Ammoniak-Berechnungen wichtig während der Bewilligungsphase. Das Projekt ging recht schlank durch die Amtsstuben. «Wir haben es nicht ausgereizt», begründet Husmann.

Mit einer gewissen Gelassenheit

Der ganze Bau von A bis Z dauerte rund ein Jahr. Anfänglich habe es ihn gestört, wenn bisher nicht alles fix und fertig war. Jetzt sehe er es etwas lockerer. Noch einige Details stehen an, dem wird er sich bei Gelegenheit selbst annehmen. Hat er Tipps für bauwillige Berufskollegen? Das Vorgehen und der Ablauf waren gut, findet er im Nachhinein.

Es sei ratsam, genau hinzuschauen bei Plänen, Offerten usw. In den Offerten müsse alles enthalten sein, sonst werde es im Nachhinein rasch teurer. In der ganzen Bauphase würde er sich heute wohl ein wenig mehr Zeit geben. Vor allem die Schlussphase sei sehr intensiv gewesen.

Wenn viele Unternehmen gleichzeitig auf der Baustelle arbeiten, nimmt zudem der Anteil der Eigenleistungen ab. Da werde man rasch zum Koordinator. Und ein Dauerthema seien eingelegte Leitungen. Die müssten von Anfang an gut eingeplant werden. Ganz allgemein soll in der Planungsphase nichts überstürzt werden. Kilian Husmann hat Freude am neuen Stall. Das Klima ist gut, die Tiere liegen bei grösster Sommerhitze zufrieden in den Boxen. Da vergisst man gern, dass noch die eine oder andere Arbeit ansteht.

Die BS-Herde bekommt eine Totalmischration. Die Weide bleibt aber wichtig. (Bild: Armin Emmenegger)

Spezialisiert auf die Milchproduktion

Die Milch, aktuell noch um die 170 000 Kilo je nach Futterbaujahr, bei Vollauslastung des Stalls noch steigend, wird alle zwei Tage abgeholt von ZMP/Emmi. 28 bis 30 Kühe sind das Ziel, wenn dann alles ein wenig eingespielt ist. Die Herde ist Brown Swiss, mit wenigen Ausnahmen. Seit dem Stallbau wird eine Ganzjahres-TMR verfüttert. Mit Heu, Emd, Grassilage und etwas zugekauftem Mais als Hauptkomponenten.

«Weiden bleibt ein Ziel», sagt Kilian Husmann, vor allem im Herbst. Obwohl im Laufstall mit TMR die Bedeutung tendenziell abnimmt, wie er zugibt. Die Flächen sind arrondiert und mit Bodenleitungen versehen, effizient in der Bewirtschaftung, speziell zum Güllen. Er hat «schöne Parzellen», aber auch Hanglagen, wo er nur drei Nutzungen macht.

Die knapp 18 ha LN bestehen aus Mähwiesen oder Weiden. Auf dem sonnigen Steinhuserberg war es beim Besuch der BauernZeitung vor rund zwei Wochen vor allem braun. Husmann hofft auf Niederschläge und eine gute Herbstweide. Natürlich ist er nach der Grossinvestition auf Ertrag angewiesen. Der 31-Jährige arbeitet nach der Lehre zum Landwirt EFZ als Betriebshelfer und Monteur bei einem Metallbauer. Seit zehn Jahren als Chauffeur und laufend mehr auf dem eigenen Betrieb.

Angefangen bei 100 Prozent ist es nun noch an einem Tag pro Woche mit dem Lastwagen unterwegs. Sein Vater hilft noch Teilzeit im Betrieb mit, vor allem beim Heuen, bei Maschinenarbeiten oder beim Melken abends. Der Arbeitsbedarf wurde spürbar kleiner im neuen Stall. Man habe auch bewusst in die Arbeitseffizienz investiert und die Milchproduktion sei der einzige Betriebszweig, erklärt Husmann, der sich rund um die Baubewilligungsphase vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband beraten liess.

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