Gerade in einer aussergewöhnlichen Hitzeperiode müssen Massnahmen nicht perfekt oder langfristig geplant sein. Entscheidend ist es, den Kühen möglichst schnell zusätzlich Wasser, Kühlung durch Luftbewegung und ausreichend Schatten anzubieten.
Auch wenn mehrere Kühe gleichzeitig trinken
Wasser ist bei Hitze besonders wichtig. Eine Kuh trinkt deutlich mehr als bei normalen Temperaturen. Deshalb lohnt sich ein zusätzlicher Blick auf die Tränken: Sind sie sauber? Fliesst das Wasser schnell genug nach? Reicht der Durchfluss auch, wenn mehrere Kühe gleichzeitig trinken wollen? Manchmal steht die Lösung bereits auf dem Betrieb. Eine alte Badewanne oder ein grosser Behälter können ohne grossen Aufwand als Tränken aufgerüstet werden. Mit einem Schwimmerventil versehen, steht den Kühen schnell zusätzliches Trinkwasser zur Verfügung.
Auch eine einfache Beregnung beispielsweise mit Rasensprengern im Laufhof hilft. Ein Wasserschlauch mit kleinen Öffnungen und einer Zeitschaltuhr kann beispielsweise zur Kühlung direkt am Fressplatz eingesetzt werden. Der Einsatz von Wasser im Stall funktioniert aber nur dann, wenn die feuchte Luft wieder aus dem Stall geleitet wird. Kann dies durch die Lüftung nicht gewährleistet werden, steigt die Luftfeuchtigkeit im Stall an, was kontraproduktiv wirkt: Die Kuh kann weniger Hitze abgeben.
Schatten ist immer gut
Die Ventilatoren laufen auf Hochtouren und zusätzliche Lüfter sind bei hoher Nachfrage schwierig zu bekommen. Stalltore, Türen, Fenster und Seitenöffnungen maximal öffnen, um jede vorhandene Luftbewegung zu nutzen und möglichst viel frische Luft in den Stall und schlechte Luft aus dem Stall zu leiten. Entscheidend ist, dass die Luft in erster Linie dort bewegt wird, wo sich die Kühe aufhalten sollen. Vorsicht bei direkter Sonneneinstrahlung – diese Stallseiten besser geschlossen halten, um das Aufheizen des Gebäudes zu vermeiden.
Schatten ist eine weitere einfache, aber wirkungsvolle Massnahme. Gerade im Laufhof können natürliche Schattenspender wie Hecken oder Bäume oder Schattennetze über die Sommermonate für deutliche Entlastung sorgen. Lichtfirste oder Lichtplatten im Tierbereich erhitzen den Stall bei direkter Sonneneinstrahlung stark und sollen abgedunkelt werden.
Es muss nicht immer perfekt sein
Am wichtigsten bleibt die Beobachtung der Tiere. Schnelle Atmung, Hecheln, vermehrtes Stehen oder das Aufsuchen von Schatten und Luftzug sind deutliche Hinweise auf Hitzestress. Besonders leistungsstarke, hochträchtige und frischlaktierende Kühe benötigen mehr Aufmerksamkeit.
Es gilt: «Nicht perfekt, sondern praktisch». Eine zusätzliche Tränke, ein improvisierter Luftstrom, eine einfache Kühlung mit Wasser oder ein Schattennetz im Laufhof, können die Tiere bereits sehr entlasten.

