Eigentlich ist ja alles klar: Jeder Landwirt weiss, dass die Kolostrumversorgung der Kälber die mit Abstand wichtigste Massnahme für die Vermeidung von Durchfall und Nabel- wie Atemwegsinfektionen darstellt – und auch langfristig für ein belastbares Immunsystem sorgt. Also: nach der Geburt möglichst schnell und möglichst viel vertränken.
Es gilt der Grundsatz, dass jedes Kalb vier Liter des Erstgemelks in den ersten sechs Lebensstunden aufnehmen soll – denn das Erstgemelk ist aufgrund der hohen Konzentration der Abwehrstoffe (Antikörper) für das Immunsystem des Kalbes ausschlaggebend.
Das Erstgemelk kontrollieren
Die Qualität des Erstgemelks kann mittels ColostroCheck, Brix-Refraktometer oder Spindel gemessen werden und wird massgeblich durch den Zeitpunkt des Melkens beeinflusst. Wird das Kolostrum der Kuh erst zwölf Stunden nach der Geburt gemolken, befindet sich nur noch die Hälfte der wichtigen Antikörper darin.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Sauberkeit beim Melken. Verunreinigungen im Kolostrum führen dazu, dass die Aufnahme der Antikörper über die Darmwand drastisch vermindert ist. Zudem ist die sogenannte «Darmschranke» des Kalbes nur wenige Stunden offen – bereits zwölf Stunden nach der Geburt kann noch rund die Hälfte der Antikörper aufgenommen werden.
Blutentnahme bringt Gewissheit
All diese Faktoren führen dazu, dass auch bei einer ausreichenden Menge vertränkten Kolostrums unter Umständen nicht genügend Antikörper im Blut des Kalbes ankommen. Und genau das lässt sich über eine simple und kostengünstige Blutuntersuchung feststellen. Dafür wird im Blutserum die Konzentration des Gesamteiweisses bestimmt. Bei der Probenentnahme ist es wichtig, dass die Kälber zwischen 24 Stunden und zehn Tagen alt und gesund sind. Das Blut der Kälber wird von Ihrer Tierärztin/Ihrem Tierarzt entnommen.
Um einen Eindruck von der Effektivität der üblichen Vorgehensweise auf dem Betrieb bzgl. Kolostrumversorgung zu bekommen, müssen mindestens vier, besser sechs Kälber beprobt werden. Mindestens 75 % der Kälber sollen dabei Werte über 57 g/l erreichen. Ist das der Fall, so kann man zufrieden sein – denn in diesem Betrieb gelingt es, den Kälbern einen erfolgreichen Start in ein gesundes Leben zu ermöglichen. Denn wie immer gilt: Vorbeugen ist besser als heilen.

