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In Zug werden die Stiere weniger – die Faszination für Muni bleibt aber ungebrochen

Dimbo und Galax stehen an der Spitze: Die beiden Senior-Mister-Stiere überzeugten mit Fundament, Körperbau und bewährter Genetik.

Im Jahr 1956 wurden am Zuger Stierenmarkt über 1300 Muni ausgestellt. Diese Zeiten sind längst vorbei. Waren es in den vergangenen Jahren noch knapp 200 Zuchtstiere, brachten die Stierenzüchter dieses Jahr gerade noch 163 Tiere nach Zug. Besonders bei den alten Stieren, deren imposante Erscheinung viel zum besonderen Reiz des Stierenmarktes beiträgt, war die Tierzahl überschaubar.

«Stierenhaltung muss man im Blut haben»

«Die Pflege eines Stiers ist ähnlich aufwendig wie die eines Pferdes. Der Arbeitsaufwand ist bedeutend grösser als bei einer Kuh», erklärt Thomas Schrackmann. Der erfahrene Experte aus dem Kanton Obwalden rangierte auf dem Stierenmarkt-Areal mehrere Abteilungen.

«Die Qualität war vor allem in den Spitzenrängen hoch. Man sieht aber schon, welche Stiere in den vergangenen Monaten intensiv auf den Stierenmarkt vorbereitet worden sind», betont Schrackmann. Neben einer bedarfsgerechten Fütterung seien auch regelmässiges Waschen und ausreichend Bewegung entscheidend. Für den grossen Aufwand der Stierenpflege hätten die meisten Milchbauern heute keine Zeit mehr. Sie setzen auf die künstliche Besamung – entsprechend stehen immer weniger Stiere in den Ställen.

Hinzu kommt gemäss Schrackmann die Unfallgefahr, die von den Tieren ausgeht. «Die Stierenhaltung muss man im Blut haben. Allfällige Unsicherheiten des Halters merkt ein Stier sofort, was zu einer gefährlichen Verhaltensveränderung beim Tier führen kann», sagt Schrackmann. Die Haltung und der Umgang mit einem Stier erfordern deshalb viel Erfahrung und Sicherheit.

Laien seien sich oft nicht bewusst, wie viel Kraft ein Stier habe, so der erfahrene Stierenbetreuer Martin Schläpfer. Hier führt er den Stier London aus den Stallungen. (Bild: reb)

Tierbetreuer werden beobachtet

Ein weiterer Grund für die rückläufige Tierauffuhr am Zuger Stierenmarkt könnte der zunehmende Druck von Tierschutzorganisationen sein. Diese kritisieren die Haltung der Tiere und haben im Zusammenhang mit dem Stierenmarkt auch schon Anzeige erstattet.

«Wir haben in den vergangenen Jahren bedeutende Anpassungen für ein verbessertes Tierwohl vorgenommen, was zu einem grossen Mehraufwand führte. Diese Verbesserungen werden aber kaum anerkannt», erklärt der erfahrene Stierenpfleger Martin Schläpfer. Laien sei oft nicht bewusst, wie viel Kraft ein Stier habe und wie anspruchsvoll die Arbeit der Wärter sei. «Wir Stierenpfleger stehen bei unserer Arbeit ständig im Fokus. Aalles wird gefilmt oder fotografiert», so der Appenzeller Landwirt. Dieser Druck fordere nicht nur die Wärter, sondern könne sich auch auf die Tierbesitzer demotivierend auswirken.

Nach seinem Einsatz am Kilchberger-Schwinget war Stier Ultimo auch am Stierenmarkt zu bestaunen. (Bild: reb)

Ein Selfie mit Ultimo war gefragt

Wie faszinierend die kräftigen Stiere auf die Besucher auch heute noch wirken, zeigte sich am diesjährigen Zuger Stierenmarkt eindrücklich. Unzählige Selfies wurden mit den imposanten Tieren gemacht. Ein besonders beliebtes Fotosujet war der Kilchberger-Schwinget-Siegerpreis Ultimo.

Der Original-Braunvieh-Stier von Paul Korrodi aus Schönenberg ZH gewann zwar seine Abteilung, im Rampenlicht standen diesmal jedoch andere. Zum Senior Mister OB kürten Chefexperte Philipp Dahinden, der seinen letzten Einsatz für Braunvieh Schweiz absolvierte, und sein Expertenkollege Sepp Portmann den Stier Dimbo von Josef Furrer aus Bürglen UR.

Der Menovin-Sohn überzeugte mit seinen Vorzügen im Fundament und setzte sich gegen Ultimo und die weitere Konkurrenz durch. Auch Dublin-Sohn Donzo, der Junior-Mister der Doppelnutzungsrasse OB, kommt aus dem urnerischen Bürglen und sorgte bei seinem Besitzer Kari Marti für viel Freude.

Zum Senior Mister der Zuchtrichtung OB kürten die Experten den Stier Dimbo von Josef Furrer aus Bürglen (zweiter von links). (Bild: reb)

Silverstar-Sohn wird Senior Mister BS

Bei den Brown-Swiss-Stieren setzte sich in der Senior-Mister-Wahl Muni Galax von Annemarie und Josef Flück aus St. Niklausen OW durch. Der Stier führt mit seinem Vater Silverstar ältere und bewährte Genetik in seiner Abstammung. Galax überzeugte die Experten insbesondere mit seinem harmonischen Körperbau.

Zum Junior Mister BS wurde der Sullivan-Sohn Dalino von Ruedi und Hans Zollinger vom Hirzel ZH gekürt. Wie bereits im Vorjahr ging der Mister-Genetik-Titel beim Original Braunvieh an Omar Olav von Severin Zumstein aus Sarnen OW. Bei den Brown Swiss holte Andreas Elmiger aus Hohenrain LU mit seinem Muni James den Genetik-Titel.

Auch im Betriebscup setzte sich ein Luzerner Züchter durch. Die harmonische Tiergruppe von Tobias Hoffmann aus Weggis LU überzeugte die Experten und sicherte sich den Sieg. Unter den drei Jungstieren von Tobias Hoffmann befanden sich auch verkäufliche Tiere. Der Handel verlief gemäss befragten Züchtern im üblichen Rahmen. Korrekte Jungstiere aus bewährten Zuchtlinien hätten mehrheitlich verkauft werden können.

Hier gehts zur Rangliste.

Josef Flück aus St. Niklausen (grüne Jacke) gewann mit seinem exakten Muni Galax die Senior-Mister-Wahl bei den Brown-Swiss-Stieren. (Bild: reb)

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