«Eine kuhgerechte Liegeboxe steht und fällt mit der richtigen Einstellung des Systems und mit dem Management», sagt Nathalie Roth von der Fachstelle Rindvieh am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG).
Kühe haben ein grosses Liegebedürfnis und ruhen bei idealen Voraussetzungen zwischen 12 bis 16 Stunden pro Tag. «Das Liegen ist in mehrere Phasen à 30 bis 90 Minuten aufgeteilt. Eine gesunde Kuh liegt 9- bis 12-mal täglich ab, käut einen Grossteil der Liegezeit wieder und steht dann wieder auf oder wechselt die Liegeseite», führt Roth aus.
Zu wenig Liegezeit über den Tag verteilt wirkt sich negativ auf die Gesundheit und die Leistung aus, da die Kühe dann im Stall herumstehen und so die Klauen stärker belasten. Besonders sichtbar wird das während der Sommermonate, wenn Kühe aufgrund der Hitze weniger gerne abliegen. Als Folge von Klauenproblemen sind verminderte Futteraufnahme und weitere Faktorenerkrankungen wie Fruchtbarkeitsstörungen oder Euterentzündungen zu beobachten. Unpassende Liegebereiche oder unzureichender Platz wie Engpässe und Sackgassen im Stall können die Ruhezeit zusätzlich verkürzen.
Nur gesunde Tiere können ihr Leistungspotenzial voll ausschöpfen. «Es ist wissenschaftlich belegt, dass pro Stunde mehr Liegezeit mehr als einen Liter zusätzliche Milch produziert werden kann», sagt Roth.
Doch wie zeigt eine Kuh, dass sie die Liegeboxen gerne nutzt? «Nimmt eine Kuh ihren Liegebereich gerne an, legt sie sich innert 20 bis 30 Sekunden in der Boxe nieder und steht nicht minutenlang in der Boxe herum», erklärt Roth.
Anzeichen für nicht optimale Liegeboxen können sein: Druckstellen an Sprunggelenk, Eutergelenk oder Hüftgelenk oder geschwollene Vorderknie aufgrund von harter Unterlage oder tiefem Nackenrohr und zu langem Liegen am Stück. Dinosaurierbuckel am Rückgrat oder geschwollene Rippen sind aufgrund von tiefen, starren Liegeboxenbügeln oder diagonalem Liegen wegen fehlendem Kopfschwungraum zu beobachten. Auch die Sauberkeit der Kühe oder wenn Kühe mit zwei Beinen in den Liegeboxen stehen (wartende Kühe), können Signale für schlechte Boxenqualität sein.
Die Boxen müssen zu den Bedürfnissen der Kühe passen
Ein wichtiger Faktor ist der freie Kopfschwungraum. Vor allem bei wandständigen Boxen ist dieser sehr entscheidend, damit die Kuh in der Länge genügend Platz hat und ungehindert wie auf der Weide aufstehen kann. Kühe liegen nicht gerne direkt Nase an Nase, daher wird auch in gegenständigen Boxen auf ausreichend Kopfschwungraum Wert gelegt.
Die Länge der Boxen sollte zu den Bedürfnissen der Kühe passen. «Eine grossrahmige Kuh braucht eine Gesamtlänge von der Kotkante bis zur Wand von mindestens 3,20 Meter, um ungehindert mit Schwung aufstehen zu können. Dies entspricht einem Kopfschwungraum von mindestens 1,20 Meter. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass Durchtrittsbänder auf einer Höhe von einem Meter ab Liegematratze angebracht werden, damit die Kuh nicht im Aufstehvorgang nach vorne ausgebremst wird. Die lichte Breite entspricht den gesetzlichen Vorgaben», so Roth.

«Pro Stunde mehr Liegezeit kann eine Kuh mehr als einen Liter zusätzliche Milch produzieren.»
Nathalie Roth, LZSG
Mit Liegeboxenbügeln das Liegeverhalten der Kuh steuern
«Mit gleichwertigen Liegeboxen geben wir vor allem auch schwächeren Kühen einen geschützten Rahmen in Form eines Liegeplatzes. Mit der richtigen Einstellung und dem Management steuern wir das Liegeverhalten der Kuh», so Nathalie Roth.
Bei den Boxenbügeln gibt es starre oder flexible Systeme. Die flexiblen Systeme sind seit Markteintritt in den letzten Jahren im Aufwind, wobei starre Systeme in der Praxis nach wie vor verbreitet sind. Der Vorteil flexibler Systeme ist, dass diese bei Berührungen nachgeben. Wichtig bei der Auswahl von starren Boxenbügeln ist gemäss Roth vor allem, auf volle Rückenfreiheit und flexible Nackenbänder (keine Rohre) zu achten. Der Freiraum vom unteren Trennbügel bis zur Matratze sollte 70 cm betragen.
Weiche, griffige, verformbare und trockene Liegeunterlagen
Eine gute Matratze ist weich, griffig, verformbar und trocken sowie kompakt gefüllt mit Stroh oder einer gleichwertigen Unterlage. Harte, schlecht unterhaltene Liegematratzen können zu Druckstellen, Schwellungen bis hin zu offenen Wunden an den Gelenken führen, was wiederum wertvolle Liegezeit kostet.
Über 85 Prozent der Einstreu in der Praxis basiert auf Stroh (Langstroh, Schnittstroh, Strohhäcksel, Strohmehl oder pelletierte Varianten usw.). Weitere Optionen sind unter anderem Kompostmaterial, Gülleseparationsgut, Sand oder Dinkelspelzen.
Wichtig ist auch das Management:
- Genügend Einstreumaterial für jederzeit gut befüllte Matratzen bis Kotholz (ohne Delle).
- Einarbeiten von frischem Kuhmist im Kniebereich, damit die Matratze kompakt und hoch bleibt.
- Trockenhalten im Euterbereich.
Das grösste Optimierungspotenzial in bestehenden wie auch in neuen Ställen sieht Nathalie Roth zum einen in den bedürfnisgerechten Massen der Liegeboxen (Liegefläche plus Kopfschwungraum, Position Nackenband). Oft ist es dem Landwirt, der Landwirtin nicht bewusst, dass erst mit dem richtig eingestellten Liegeboxensystem eine kompakte Matratze möglich wird. Zum anderen ist die Pflege der Matratze (Ein-/Nachstreuen, täglicher Unterhalt) mit hohem Aufwand verbunden und betriebsindividuell sind immer wieder Lösungsansätze gefragt.
Die wichtigsten Faktoren für kuhgerechte Liegeboxen: «Grosszügig sein mit Stroh, Licht, Luft und Übersicht sowie genügend Raum für maximale Ruhe. Die richtige Einstellung der Liegeboxeneinrichtung ist der Schlüssel für das Erreichen einer griffigen, gut befüllten Liegeboxe», fasst Nathalie Roth zusammen.
Acht Freiheiten einer Liegeboxe
- Gute Luft auf Nasenhöhe der liegenden Kuh. - Weiche, griffige und kompakte Unterlage. - Freier Kopfschwungraum dank mind. 320 cm Boxenlänge. - Nackenband oder -kette durchgespannt bei 125 bis 130 cm ab Matratze (senkrecht) und 165 bis 170 cm ab Kotholz (Aussenkante) bis vorne (waagrecht nicht diagonal). - Bugschwelle max. 5 cm über Liegematratze. - Lichte Breite der Liegeboxen bei 125 bis 130 cm. - Lichte Länge des Liegebetts mind. 200 cm. - Seitenabtrennungen zwischen den Kühen sind flexibel oder genügend hoch (mind. 70 cm ab Matratze) eingestellt.

