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Was Milchviehhalter jetzt auf der Weide beachten sollten

Immer mehr Milchviehhalter melden entzündete Augen bei ihren Kühen. Bei Hitze machen Fliegen Probleme. Vor allem Weidebetriebe sind gefordert – mit einfachen Mitteln lässt sich viel verhindern.

Bei anhaltender Hitze sind die Fliegen in diesen Wochen besonders aktiv – und mit ihnen das Risiko für gereizte Augen. Sie sitzen bevorzugt an feuchten, gereizten Stellen und tragen Keime von Auge zu Auge und von Tier zu Tier weiter. Wo Kühe seit Monaten auf der Weide stehen, ohne Möglichkeit, sich in den Schatten zurückzuziehen oder Fliegen abzuschütteln, summiert sich die Belastung über die Saison – und die Zahl der betroffenen Tiere nimmt zu.

Fliegen als grösster Risikofaktor

Zu unterscheiden ist dabei zwischen einer leichteren, meist durch Fliegen, Staub oder UV-Strahlung verursachten Bindehautreizung und der Infektiösen Bovinen Keratokonjunktivitis (IBK), umgangssprachlich oft «Pink Eye» genannt. Diese schwerere, hoch ansteckende Erkrankung, die vor allem beim Auftrieb auf die Alp eine Rolle spielt, erfordert zwingend den Tierarzt und lässt sich vorbeugend impfen. Bei der einfacheren, fliegenbedingten Augenreizung auf der heimischen Weide sind es dagegen vor allem praktische Massnahmen im Alltag, die helfen.

Woran erkennt man das Problem?

Die Anzeichen sind ähnlich: geschwollene Lider, gerötete Bindehaut, vermehrter Tränenfluss, starkes Blinzeln. Im weiteren Verlauf kann sich ein trüber Schleier auf der Hornhaut bilden, in schweren Fällen entstehen Geschwüre. Ein kurzer Kontrollblick an der Fressachse im Stall genügt oft, um ein auffälliges Auge zu entdecken – wer täglich hinschaut, erkennt Probleme früh und kann rasch reagieren.

Nicht jedes Tier ist gleich anfällig. Manche Kühe scheinen von einzelnen Fliegen kaum gestört, andere reagieren schon bei geringem Befall mit Tränenfluss und Lidkrampf. Diese Empfindlichkeit lohnt sich zu beobachten und bei der Anschaffung von Schutzmassnahmen zu berücksichtigen.

Schutz vor der Weide: die Pferdemaske als Alternative

Eine mittlerweile bei einigen Betrieben bewährte Lösung stammt aus dem Pferdesport: eine ohrenlose Fliegenmaske, wie sie im Pferdefachhandel – etwa bei Felix Bühler, auch online erhältlich – in Grösse XL angeboten wird. Für Milchkühe konzipiert ist sie zwar nicht, sitzt oben straff und unten, oberhalb des Flotzmauls, etwas locker, da der Schnitt für Pferdeköpfe gedacht ist. Trotzdem erfüllt sie ihren Zweck als Fliegenschutz zuverlässig.

Wichtig für die Praxis: Die Maske sollte im Stall wieder abgenommen werden. Nur so behält man den Überblick über entzündete Augen und kann anfällige Tiere im Auge behalten – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Hausmittel im Praxistest – mit Vorsicht zu geniessen

In der Praxis kursieren verschiedene traditionelle Hausmittel gegen tränende, gereizte Augen. Zwei davon werden von Landwirtinnen und Landwirten immer wieder genannt.

Puderzucker ins Auge blasen ist ein altes Hausmittel, das vor allem aus der Pferdehaltung stammt: Ein Teelöffel feinster Puderzucker wird direkt ins betroffene Auge geblasen. Wichtig dabei: ausschliesslich Puderzucker verwenden, niemals normalen Kristallzucker, da dessen gröbere Kristalle die empfindliche Augenoberfläche zusätzlich verletzen könnten.

In einschlägigen Tierhalter-Foren wird die Methode zwar von manchen als wirksam beschrieben, von anderen aber ausdrücklich infrage gestellt – mit dem Hinweis, dass es heute deutlich geeignetere Mittel zur Behandlung von Augenreizungen und -entzündungen gebe. Wer auf Nummer sicher gehen will, klärt eine Anwendung vorher mit dem Tierarzt oder der Tierärztin ab und beobachtet das Auge danach engmaschig. Bei Anzeichen einer Verschlechterung – etwa zunehmender Trübung oder sichtlichen Schmerzen – ist tierärztliche Abklärung unumgänglich.

Euphrasia (Augentrost) ist eine Heilpflanze, die in der Homöopathie traditionell bei tränenden, geröteten und lichtempfindlichen Augen eingesetzt wird – sowohl bei Menschen als auch bei Tieren. Entsprechende homöopathische Präparate sind in Drogerien erhältlich, für Rindvieh liegen keine standardisierten Dosierungsempfehlungen vor, weshalb sich eine Rücksprache mit einer in Tierhomöopathie erfahrenen Fachperson empfiehlt (zum Bsp. Kometian).

Wann muss der Tierarzt ran?

Bleibt eine Augenreizung auf ein Auge beschränkt, bessert sie sich meist rasch, sobald das Tier vor Fliegen geschützt wird. Anders sieht es aus, wenn:

  • sich die Trübung der Hornhaut verstärkt oder ausbreitet,
  • Eiter statt klarer Flüssigkeit austritt,
  • beide Augen gleichzeitig betroffen sind,
  • sich mehrere Tiere der Herde innert kurzer Zeit anstecken,
  • das Tier sichtlich unter Schmerzen leidet oder das Sehvermögen beeinträchtigt scheint.

In diesen Fällen braucht es eine tierärztliche Abklärung – insbesondere um eine beginnende IBK («Pink Eye») nicht zu verpassen, die unbehandelt zur Erblindung führen kann.

Augenentzündungen bei Weidekühen – das Wichtigste

  • Ursache: meist Fliegen, UV-Strahlung, Staub; im Sommer zusätzlich Risiko einer IBK («Pink Eye»)
  • Erkennen: gerötete, tränende oder geschwollene Augen, starkes Blinzeln, Lichtscheu
  • Vorbeugen: tägliche Augenkontrolle an der Fressachse, Fliegenschutz (z. B. Pferdemaske ohne Ohren, Grösse XL), Maske im Stall abnehmen
  • Hausmittel: Puderzucker und Euphrasia werden in der Praxis eingesetzt – Wirkung ist umstritten beziehungsweise wissenschaftlich wenig belegt; bei Unsicherheit vorher mit Tierarzt/Tierärztin absprechen
  • Achtung: Bei Verschlechterung, beidseitigem Befall oder Herdenausbruch immer den Tierarzt beiziehen – Verwechslungsgefahr mit IBK («Pink Eye»)