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Neues Orthobunya-Virus breitet sich in der Schweiz aus: Was das für Tierhaltende bedeutet

Ein neues, mit dem Schmallenberg-Virus verwandtes Orthobunya-Virus beschäftigt die Schweizer Milchviehbetriebe. Was bedeutet das für TierhalterInnen und was können sie unternehmen?

Kurz & bündig

  • In der Schweiz wurden in Proben von Rindern erstmals Shamonda-Viren nachgewiesen, welche eng mit den Schmallenberg-Viren verwandt sind.
  • Die Übertragung erfolgt durch Gnitzen. Zu den am häufigsten beobachteten Symptomen gehören Durchfall, Fieber und Milchleistungsrückgang.
  • Aktuell werden die Kosten für Laboruntersuchungen vom Bund übernommen, die Behandlungskosten durch den Tierarzt jedoch nicht.

Seit Ende Juni 2026 häufen sich in verschiedenen Regionen der Schweiz Meldungen über plötzlich auftretende fieberhafte Durchfallerkrankungen bei Milchkühen. In den betroffenen Betrieben erkrankten jeweils mehrere Tiere, wobei der Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich aussieht.

Während einige Kühe nur mildere Symptome zeigten, wurden auch schwere Fälle mit festliegenden Tieren und vereinzelten Todesfällen gemeldet. Die Mehrheit der erkrankten Tiere erholte sich jedoch mit unterstützender Behandlung.

Ende Juli 2026 bestätigte das Institut für Virologie und Immunologie (IVI), dass es sich bei der Erkrankung um das sogenannte «Shamonda-like-Virus» handelt: ein neues Orthobunya-Virus, welches eng mit dem Schmallenberg-Virus verwandt ist. Übertragen wird das Virus in der Regel durch blutsaugende Gnitzen.

RGS untersucht das Krankheitsgeschehen

Um ein genaueres Bild über die Verbreitung und den Verlauf der Erkrankung in der Schweiz zu erhalten, sammelt Rindergesundheit Schweiz (RGS) seit Beginn des Geschehens mit einer laufenden Umfrage Meldungen aus der Praxis (siehe Link und QR-Code am Ende des Artikels). Dadurch lassen sich bereits generelle Muster erkennen.

Zu den typischen Symptomen gehören:

  • Durchfall
  • Massiver Rückgang der Milchleistung
  • Fressunlust und reduzierte Futteraufnahme
  • Fieber (über 39,5 °C) während 1 bis 2 Tagen
  • Teilweise Erhöhung der Atemfrequenz und kaum abliegende Tiere

Die Dauer des akuten Geschehens beträgt pro Betrieb im Schnitt etwa 14 bis 21 Tage.

In vielen Betrieben erkrankte ein grosser Teil der Tiere. Die Symptome nahmen insbesondere Mitte bis Ende Juni 2026 deutlich zu. In den meisten Betrieben waren mehr als ein Viertel der Tiere betroffen, häufig sogar deutlich mehr. Zwar wurden vereinzelt Todesfälle gemeldet, die meisten Tiere erholten sich jedoch, erreichten ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit aber teilweise nicht vollständig.

Bislang wurden keine vermehrten Aborte festgestellt, was möglicherweise daran liegt, dass seit den ersten Infektionen noch zu wenig Zeit vergangen ist. Die Auswirkungen auf ungeborene Kälber müssen in den kommenden Monaten sorgfältig verfolgt werden, da sich aktuell viele infizierte Tiere in der kritischen Phase der Trächtigkeit befinden.

Bis im August 2026 kam es nur zu einer einzelnen Fallmeldung, bei der auch Schafe betroffen waren. Von Schaf- und Ziegenbetrieben liegen bisher keine weiteren Krankheitsmeldungen vor, obwohl diese Tierarten auf das Schmallenberg-Virus besonders empfindlich reagierten und häufiger Erkrankungen oder Aborte zeigten.

Die betroffenen Betriebe sind über verschiedene Höhenlagen bis 700 m ü. M. gleichmässig verteilt. Die Ausbreitung des neuen Virus scheint deutlich schneller zu erfolgen als bei der Blauzungenkrankheit.

Noch keine Impfung möglich

Was können TierhalterInnen unternehmen, um ihre Tiere zu schützen?

Ein Impfstoff steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Ob eine Impfung gegen das Schmallenberg-Virus auch vor dem Orthobunya-Virus schützt, ist derzeit nicht bekannt. Ebenso unklar ist, ob alle betroffenen Tiere mit demselben Virus infiziert sind. Auch zur Dauer einer möglichen Immunität liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor, wobei von einer ähnlichen Situation wie beim Schmallenberg-Virus ausgegangen wird.

Aktuell werden vor allem allgemeine Massnahmen zur Reduktion von Gnitzen empfohlen, beispielsweise der Einsatz von Repellentien mit Deltamethrin. Die übertragenden Gnitzen sind vor allem in der Dämmerung sowie in den frühen Morgenstunden aktiv.

RGS verweist zudem auf unterstützende Massnahmen bei betroffenen Tieren (siehe Box). Auch wenn die Tiere nicht so krank sind, dass eine tierärztliche Behandlung nötig wäre, sollen sich Tierhaltende beim Auftreten der beschriebenen Symptome beim Tierarzt / bei der Tierärztin melden. Bei einem Verdacht auf eine Ansteckung mit dem Virus werden Blutproben von betroffenen Tieren entnommen und zur Untersuchung ins Labor geschickt.

Wichtig zu wissen ist ausserdem, dass Tierhalter jeden Abort bei Rindern, die bereits seit 3 Monaten oder länger trächtig waren, einem Tierarzt melden müssen. Eine tierärztliche Untersuchung ist erforderlich, wenn sich der Abort in einer Tierhaltung eines Viehhändlers oder während der Sömmerung ereignet hat oder wenn in einem Rinderbestand innerhalb von 4 Monaten mehr als ein Tier verworfen hat.

Unterstützende Massnahmen

Rindergesundheit Schweiz gibt Tipps, wie TierhalterInnen ihre Tiere im Krankheitsfall unterstützen können.

Tiere vor Hitze schützen

  • Ausreichende Belüftung der Gebäude, z. B. mit Grossraumlüftern.
  • Abkühlung der Tiere, z. B. durch eine Kuhdusche in Kombination mit Lüftern, Besprühung im Aussenbereich oder manuell mit dem Schlauch.

Genügend frisches und kühles Wasser

  • Kühe trinken mehr aus einer Tränke mit offener Wasseroberfläche.
  • Hohe Tränkemengen verhindern ein Austrocknen bei Durchfall und tragen zur Abkühlung bei.

Mineralstoffversorgung sicherstellen

  • Durch Schwitzen und Durchfall erhöht sich der Bedarf. Im Zweifelsfall kann die maximale, auf der Packung angegebene Dosierung gefüttert werden. Achtung: Überdosierung begünstigt Durchfall.
  • Spurenelemente wie Selen und Zink unterstützen die Immunabwehr.
  • Viehsalz zur freien Verfügung anbieten.

Fütterung anpassen

  • Fütterungszeiten in den kühleren Tagesphasen und konsequentes Nachschieben.
  • Mehrmals täglich Futter vorlegen.
  • Bei Futtermischungen nach Möglichkeit 2-mal täglich anmischen und vorlegen.
  • Risiko der Nacherwärmung von Silagen durch Zugabe von Stabilisatoren (z. B. K-Sorbat) reduzieren.
  • Möglichst appetitliches, faserreiches Futter anbieten.
  • Kranke Tiere fressen weniger und selektieren mehr (bei Futtermischungen auf Homogenität achten).
  • Der Einsatz von Puffern kann in manchen Betrieben Sinn machen, um einer Übersäuerung vorzubeugen.

Hier gibt es weitere Informationen.

Das wird aktuell bezahlt

Ein Krankheitsausbruch ist für betroffene Betriebe mit wirtschaftlichen Einbussen verbunden, einerseits durch den Milchleistungsrückgang, andererseits aber auch aufgrund der Behandlungskosten durch den Tierarzt.

Die Kosten für die Laboruntersuchungen auf das neue Virus werden aktuell vom Bund übernommen. Dazu müssen betroffene Betriebe den Fragebogen von RGS ausfüllen. Tierarztkosten für die Behandlung von kranken Tieren werden aktuell nicht übernommen, da die Erkrankung nicht als Tierseuche eingestuft wird.

Das IVI informiert laufend.

Hier geht es zum Fragebogen von RGS.

Tiere vor Gnitzen schützen

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) empfiehlt mögliche Schutzmassnahmen gegen Bremsen sowie Stech- und Hornfliegen. Dabei handelt es sich um Massnahmen, deren Umsetzung je nach Situation und Möglichkeiten angepasst werden muss.

Schutz der Ställe und der Umgebung

  • Anbringen von insektendichten Netzen, Insektenschutzbürsten, Streifenvorhängen oder Netzen/Stoffen, die mit Insektizid imprägniert sind, und Insektenfallen.
  • Regelmässige Anwendung von zugelassenen Insektiziden oder Repellentien.
  • Eindämmung der Brutplätze.
  • Hygiene der Liegeflächen: Stroh regelmässig erneuern, Stroh verteilen, damit es trocknen kann, Anhäufung von feuchtem Stroh vermeiden.
  • Mist und Gülle regelmässig ent­fernen, Güllegruben abdecken.
  • Organisation der Herde: Auslauf in den Stunden, in denen die Gnitzen sehr aktiv sind, vermeiden.

Schutz der Tiere

  • Mit Insektizid imprägnierte Ohr­marken (Ear Tags) verwenden.
  • Regelmässige Behandlung der Tiere mit einem Insektizid oder Repellent (zugelassene Pour-on-Lösungen, Sprays oder Lösungen). Wichtig: Die Wirkstoffe müssen gewechselt werden, um die Entwicklung von Resistenzen zu verhindern.

Schutz beim Transport

  • Tiere vor dem Transport mit einem Insektizid oder Repellent behandeln.
  • Tiere vor dem Transport in einem durch Netze oder Repellentien geschützten Gebäude oder Gehege warten lassen.
  • Transporte vorzugsweise am frühen Morgen, am Abend oder in der Nacht durchführen.
  • Transportfahrzeug vor und nach dem Transport reinigen und desinfizieren.

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