Kurz & bündig
- Vorsicht ist besser als Nachsicht: Die Impfung und die frühe Förderung der Darmgesundheit schützen vor Erkrankung. - Kokzidien sind nicht gleich Kokzidiose: Erst das Auftreten von Symptomen macht den Befall zur Krankheit. - Die Zeit als Schutzfaktor: Je schneller reagiert wird, desto besser und effizienter kann geholfen werden.
Montagmorgen, 6 Uhr, Anruf der besorgten Betriebsleitung: «Seit einigen Tagen sinkt der Futterverbrauch der 9200 Legehennen, die 21 Wochen alt sind, kontinuierlich. Gestern gab es 12 und heute bereits 18 Abgänge. Die Legeleistung ist bisher gut gestiegen, stagniert nun jedoch bei 80 Prozent.»
Vor Ort fielen Tiere auf, die sich von der Herde absonderten, ein aufgeplustertes Gefieder und eine kauernde Körperhaltung zeigten. Auf Reize reagierten diese Individuen nur bedingt. Etwa 20 % des Kots war dünnflüssig und enthielt vereinzelte Gewebefetzen. Stallklima, Futter und Wasser waren unauffällig. Die Sektion von mehreren frisch verendeten Tieren ergab zottige, käsige Auflagerungen auf der Darmschleimhaut des Dünndarms, was dem Bild einer Kokzidiose entspricht.
Zur sicheren Diagnosestellung wurde eine Kotprobe entnommen. Durch die massiv erhöhte Anzahl Oozysten pro Gramm Kot (OpG) in Kombination mit Symptomatik und Sektionsbefunden konnte die Diagnose «Kokzidiose» bestätigt werden. Oozysten sind mikroskopisch kleine Sporen im Lebenszyklus einzelliger Parasiten. Die Therapie wurde noch am selben Tag eingeleitet. Die Herde hat sich gut erholt und eine Legeleistung von 98 % erreicht.

Die Auswirkungen von Kokzidiose auf Tiergesundheit und Leistung
Die als Kokzidiose bezeichnete Erkrankung tritt beim Legegeflügel besonders in der Aufzucht und zu Beginn der Legetätigkeit auf. Sie kann zu erheblichen Tierverlusten und Leistungseinbussen führen. Erkrankte Tiere zeigen Durchfall, Abmagerung, Schwäche und ein gesträubtes Gefieder. Oft stehen oder liegen sie einzeln und flüchten bei Störung nur langsam oder gar nicht. Erste unspezifische Anzeichen einer Kokzidiose sind dünner Kot, reduzierter Futterverbrauch und erhöhter Wasserbedarf.
Das Sektionsbild ist geprägt durch Veränderungen der Darmschleimhaut in den für die jeweilige Kokzidienart spezifischen Abschnitten. Je nach Schweregrad reichen die Läsionen von punktförmigen Einblutungen über oberflächliche Erosionen bis zur kompletten Zerstörung der Darmwand. In befallenen Darmabschnitten befinden sich meist nur noch Überreste der zerstörten Schleimhaut, Entzündungsmaterial und Flüssigkeit – Futter ist oft weder in Kropf noch Darm vorhanden.
Sekundärinfektionen: Wenn Bakterien zum Problem werden
Durch die Schädigung der Darmwand reduziert sich die lokale Abwehr. Dadurch wird verschiedenen Bakterien der Normalflora ein tiefes Eindringen ins Gewebe ermöglicht. Dort lösen sie massive Entzündungsreaktionen aus, dringen durch lokale Blutgefässe ins Kreislaufsystem ein und breiten sich im gesamten Organismus aus. Es tritt eine Sepsis (Blutvergiftung) ein, die schnell zum Tod führt.
Ein bekanntes Beispiel für eine Sekundärinfektion ist die Nekrotisierende Enteritis. Dabei löst das Bakterium Clostridium perfringens eine Darminfektion aus, die in vielen Fällen zum Tod führt.

Die Diagnose ist mehr als nur eine Zahl
Der Nachweis der Parasiten erfolgt mittels Sammelkotprobe oder direkt aus dem Darm verendeter Tiere. Der Nachweis im Kot gibt Auskunft über die Anzahl Oozysten pro Gramm Kot (OpG). Die Zahl allein ist kein ausreichendes Kriterium für das Vorliegen der Krankheit. Zusätzlich sollten Faktoren wie Futter- und Wasserkonsum, Tierverhalten, Kotbeschaffenheit und Abgangsrate sowie die Därme frisch verstorbener Tiere analysiert werden.
Gezielte Hilfe im Krankheitsfall je nach Schweregrad
Schwächere Verlaufsformen (einzelne Tiere, geringgradige Darmläsionen, mässig gestörtes Allgemeinbefinden) lassen sich oft mit Probiotika, Vitaminen sowie intensiver Tränkehygiene behandeln. Eine medikamentöse Behandlung gegen Kokzidien ist nur in schweren Fällen (Abgänge) angezeigt, da mittlerweile auch bei Parasiten Arzneimittelresistenzen auftreten. Dazu stehen zwei Wirkstoffe zur Verfügung, die durch tiermedizinische Fachpersonen aus dem Ausland importiert werden müssen.
Bei bakteriellen Sekundärinfektionen ist die Therapie mit einem geeigneten Antibiotikum angezeigt. Im Anschluss an die medikamentöse Therapie sind ein Wiederaufbau der Darmflora mit Probiotika und die Unterstützung mit Vitaminen nötig.
Ein gesunder Darm ist der beste Schutz – nicht nur gegen Kokzidiose. Dazu tragen eine vielfältige und stabile Darmflora, eine ausgewogene Fütterung, sauberes Trinkwasser und die Vermeidung von Stress bei. Probiotika und Vitamine unterstützen die Tiere in besonders anfälligen Phasen (4. bis 6. Alterswoche, 14. bis 16. Alterswoche, Umstallung, Legebeginn).

Im Impfstoff für Küken sind lebende Organismen
Küken werden mittlerweile standardmässig gegen Kokzidien geimpft. Entweder werden sie direkt nach dem Schlupf mit dem Impfstoff besprüht oder in der ersten Lebenswoche mittels Spray- oder Trinkwasserapplikation immunisiert. Im Impfstoff für Legeküken sind alle geflügelrelevanten Kokzidienarten als abgeschwächte, lebende Organismen enthalten. Der Impfstoff für Mastgeflügel enthält weniger Kokzidienarten, da einige davon erst bei älter werdenden Tieren problematisch sind.
Zur Ausbildung einer belastbaren Immunität müssen die Impf-Kokzidien mindestens vier Zyklen durchlaufen, bestehend aus Ausscheidung, Entwicklung in der Umwelt, Wiederaufnahme und Vermehrung. Je nach Bedingungen dauert dies etwa vier Wochen. Die Oozysten benötigen für die Entwicklung eine Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70 Prozent und Temperaturen von über 20 Grad. Um genügend Kokzidien aufnehmen zu können, brauchen die Küken engen Kontakt zu Kot und Einstreu.
Im Krankheitsfall ist Zeit ein wichtiger Faktor
Krankheitsausbrüche entwickeln sich innert weniger Tage und können hohe Verluste zur Folge haben. Die Beobachtung der Herde sowie das regelmässige Überprüfen der Herdendaten sind essenziell, um Probleme frühzeitig zu erkennen. Ein Anruf beim Bestandestierarzt oder bei der Bestandestierärztin kann Unsicherheiten aus dem Weg räumen und weitere Schritte einleiten, bevor die Krankheit um sich greift.
Bettina Gächter ist Tierärztin und Mitglied der Geschäftsleitung des Geflügelgesundheitsdienstes (GGD).
Das sind Kokzidien
Kokzidien (Eimeria sp.) sind mikroskopisch kleine, einzellige Darmparasiten. Die einzelnen Arten sind stark an ihren Wirt angepasst und sind für andere Tiere unproblematisch. Bei Hühnern relevante Kokzidienarten sind E. acervulina, E. mitis, E. tenella, E. brunetti, E. necatrix und E. maxima. Sie vermehren sich in der Schleimhaut des Hühnerdarms und können dort grosse Schäden anrichten. Ihre widerstandsfähigen Umweltstadien (Oozysten) werden mit dem Kot ausgeschieden und durchlaufen dort den nächsten Entwicklungsschritt. Diese nun infektiösen Stadien werden von den Tieren oral aufgenommen, schlüpfen im Darm und der Zyklus beginnt von Neuem.

