Die aktuelle Hitzewelle macht Mensch und Tier zu schaffen. Die Hitze beeinflusst auch die bakterielle Klauenerkrankung bei Kleinwiederkäuern. Gemäss den Fallzahlen des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sind weniger Fälle registriert worden als letztes Jahr um diese Zeit.
Weniger Fälle dank Hitze
In Zukunft vermehrt vorkommende Hitzesommer könnten sich laut Sven Dörig vom Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer (BGK) sogar positiv auf die Verbreitung der Moderhinke auswirken – sprich: ihre Ausbreitung bremsen. Der Erreger dieser schmerzhaften und hochansteckenden Klauenerkrankung überlebt unter optimalen Bedingungen – tiefe, feuchte Böden – maximal vier Wochen. Trockene und heisse Bedingungen hingegen verkürzten den Zeitraum des Überlebens. Folglich sinke auch das Risiko einer Ansteckung. Somit bringt diese Hitze eventuell doch nicht nur Nachteile mit sich.
Zudem erklärt Dörig: «Wie alle anderen Tiere leiden die Kleinwiederkäuer unter Hitzestress. Dieser macht sie anfälliger für Krankheiten, wobei noch unklar ist, ob die neu vor allem bei den Milchkühen aufgetretene virale Erkrankung für die kleinen Wiederkäuer auch problematisch werden könnte.»
Der Weg zur gesunden Herde
Gerhard Stotzer teilt diese Meinung: «Die Trockenheit wird sich schon eher positiv auf die Moderhinke auswirken, die Tiere stehen halt weniger im Sumpf.» Der bald 70-Jährige arbeitet seit zehn Jahren in diesem Bereich und war auch für den BGK tätig. Heute steht er zusammen mit 121 anderen Personen auf einer Liste für Moderhinke-Berater des BLV. Er ist selbst Schafhalter und wusste damals nicht mehr weiter. Etwas musste passieren. Nun sei seine Herde seit Jahren moderhinkefrei. Er gehe mit seinen Tieren auch regelmässig auf Ausstellungen und es blieben alle gesund.
Erste Priorität habe die Hygiene, sagt der Fachmann. Jedes Schaf, das von einer Ausstellung zurück in den Stall kommt, werde zuerst im Klauenbad gebadet. Er achte darauf, dass seine Tiere möglichst wenig Kontakt mit anderen hätten. Die meisten Betriebe würden das Bakterium mit dem Bock in die Herde bringen; der Bock würde bei ihm konsequent bei der Ankunft gebadet und gehe zuerst in Quarantäne.
Böcke sind häufiger von der Klauenerkrankung betroffen, da sie schwerer sind. Schwere Tiere sind anfälliger, da die Klauen weniger Luft erhalten als bei leichteren Tieren.
Zudem sei das Klauenschneiden ein sehr wichtiger Schlüssel zur gesunden Herde, erklärt Gerhard Stotzer weiter. Neben dem «normalen» Klauenschnitt brauche es bei einer positiven Herde auch den «Sanierungsschnitt», der gehe tiefer als normal. Er habe sich immer an die Regeln und Tipps vom Merkblatt des BGK gehalten, das sei der beste Weg.
Bei positiv getesteten Tieren gebe es zwei Optionen: sanieren oder zum Metzger. Er habe bei all seinen zu betreuenden Betrieben mit hunderten von Schafen kein einziges Tier zum Schlachter schicken müssen. Er sagt stolz: «Ich habe noch jedes Schaf hingebracht. Es gibt viel zu tun, aber es geht.»
Was bringt die Sanierung?
Gemäss Zahlen des BLV ist die Anzahl betroffener Betriebe in den letzten zwei Untersuchungsperioden bereits von 22 % auf 9 % gesunken. «Ich stehe hinter diesem Projekt», meint der ehemalige Hochbaupolier Gerhard Stotzer. Er habe schon sehr viele Betriebe bei der Sanierung betreut, darunter kleine mit zwei bis drei Schafen, sowie auch grosse Betriebe mit 300 Tieren.
Der Klimawandel bringt nicht nur trockene Hitzesommer, es werden auch vermehrt starke Niederschläge gegen den Winter erwartet. Bei zunehmender Feuchtigkeit im Herbst könnte man befürchten, dass sich positive Moderhinke-Fälle wieder häufen. Dem widerspricht Gerhard Stotzer: Wenn der Bestand einmal negativ sei, wäre auch die Feuchtigkeit kein Problem.
«Bern gibt gerade richtig Gas.» Im Kanton werden zum Beispiel Tiere am Ende der Sömmerung auf der Alp getestet, bevor sie wieder nach Hause gehen. Die positiv getesteten Bestände können so alle gleich zuhause saniert werden. In der Sömmerung bestehe immer noch das grösste Ansteckungsrisiko. Es gebe auch Alpbetriebe, die ein regelmässiges Klauenbad eingeführt hätten, so Stotzer.
Das festgelegte Ziel, bis 2029 den Erreger nur noch in weniger als 1 % der Betriebe nachzuweisen, sieht Stotzer als durchaus erreichbar. Er kenne die Situation nur in den Kantonen Bern und Solothurn. Wenn jedoch alle so gut arbeiten würden, werde dieses Ziel bestimmt erreicht.
Abschliessend betont Sven Dörig, dass die bereits erreichten tieferen Fallzahlen grösstenteils auf die Anstrengungen der Tierhaltenden für die Sanierungen ihrer Herden zurückzuführen seien.

