Linda Schwarz führt den Awandelhof in Wil ZH seit sechs Jahren. Sie ist fleissig daran, Hochstämmer zu pflanzen: Kirschen, Zwetschgen, Apfelbäume und eine Mirabelle. Sie sollen den 14 Mutterkühen und ihren Kälbern dereinst Schatten spenden und gleichzeitig den CO₂-Fussabdruck des Betriebs reduzieren. Denn der Awandelhof ist Teil des Netzwerks «Climate Farm Demo», das Pilotbetriebe in ganz Europa umfasst.
Gute Fruchtbarkeit und optimierte Düngung im Ackerbau
«Es gab eine Analyse unseres CO₂-Fussabdrucks und Massnahmen, wie wir ihn senken könnten», beschreibt Linda Schwarz die Teilnahme am Netzwerk. So trägt eine gute Tiergesundheit zu fruchtbaren Mutterkühen und somit zu einer effizienten Fleischproduktion bei. «Sonst kann man bei den Kühen nicht viel machen», bemerkt die Bäuerin mit Blick auf verdauungsbedingte Methanemissionen. Ihre Kühe sind Kreuzungen aus SF und Limousin bzw. Aubrac – die Nachkommen der Milchkühe, mit denen Schwarz’ Vater früher wirtschaftete.
Als Nächstes will die Betriebsleiterin Massnahmen im Ackerbau umsetzen, namentlich dank Beratung den Einsatz von Kunstdünger optimieren. Eine Solaranlage auf dem Dach produziert bereits sauberen Strom.
Aus Speisesoja wurde nichts
Auf den rund 20 ha LN des Awandelhofs stehen neben Wiesen und Weiden für die Mutterkühe Weizen, Sonnenblumen, Silomais und ein kleiner Rebberg. Linda Schwarz würde zwar gerne Speisesoja anbauen, doch dazu fehlen ihr die Abnehmer. «Weil wir eher extensive Kulturen haben, bemerken wir den Klimawandel im Ackerbau noch weniger», sagt sie diesen Sommer. Nach einem Heuschnitt wuchs aber kaum Emd nach. Genug Reserven in Form von Dürrfutter und Silage wären zwar vorhanden und im Herbst ist das Beweiden von Zwischenfutter geplant. «Aber das muss erst mal wachsen können», meint die Betriebsleiterin. Auch ihre frisch gesetzten Bäume mussten gewässert werden, damit sie zu Schattenspendern und CO₂-Senken heranwachsen können.
Spürbar vor allem in der Tierhaltung
Den Klimawandel spüre sie vor allem bei den Mutterkühen, die ebenso wie Milchkühe unter der Hitze leiden. Da hilft nur der kühlere Laufstall. «Früher gab es weniger Tage mit über 25 Grad und die Hitzeperioden dauerten nicht so lange», beobachtet die Zürcherin. Ihre Tiere zeigen in solchen Phasen die Brunst schlechter, was es erschwert, sie rechtzeitig zu besamen.
Weitere Massnahmen zu Klimaanpassung oder -schutz plant Linda Schwarz im Moment nicht. Handlungsbedarf sieht sie im Übrigen ausserhalb der Landwirtschaft – zumal sie durch die Nähe zum Zürich Airport die Flugfreudigkeit der Bevölkerung direkt vor Augen hat.

