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Vom Viehschauexperten zum Europameister – die aussergewöhnliche Karriere von Urs Buri

Sieben Schautitel, zwei Europameisterschaften und Jahrzehnte als Viehschauexperte: Urs Buri hat die Schweizer Rindviehzucht geprägt. Jetzt blickt der Berner auf seine grössten Erfolge und besonderen Erlebnisse zurück.

Urs Buri war Viehschauexperte, Gruppenleiter, Schaurichter, Präsident der Bernischen Schaukommission und des Emmentalischen Fleckviehzuchtverbandes. Er war auch in der Rassenkommission Red Holstein und Holstein tätig und wirkte 28 Jahre lang im Auktionskomitee Burgdorf mit, davon zwölf Jahre als Präsident.

Der Züchter aus Uetigen in Hasle bei Burgdorf BE blickt auf eine lange und spannende Karriere zurück. Im März hat er sein letztes Amt als Präsident und Speaker der Auktion in Burgdorf BE abgegeben. «Rückblickend darf ich sagen: Es war eine schöne Zeit und jedes Amt hat mir unglaublich viel Freude bereitet», sagt der Landwirt.

Urs Buri (2. v. l.) war 13 Jahre lang als Viehschauexperte unterwegs. Hier mit Stefan Schumacher, Helmut Matti und Alexander Oppliger (v. l.). (Bild: Privat)

Mit 21 Jahren einen Betrieb übernommen

Schöne Kühe und die Viehzucht standen bei Urs Buri schon früh im Mittelpunkt. 1982 konnte er als 21-jähriger Landwirt den Betrieb seines Onkels in Uetigen BE übernehmen. Sein Vater hat damals weiterhin den eigenen Betrieb im Dorf Schafhausen BE bewirtschaftet. «Mein Onkel hat den Betrieb in Uetigen nie selbst geführt, er war immer verpachtet», sagt Buri. Der Pächter hatte damals eine gute Zucht im Stall.

Auf die angekündigte Versteigerung im März 1982 waren alle gespannt. «Ich hatte damals meine letzte Abschlussprüfung auf der Rütti und konnte nicht an der Versteigerung sein», weiss Buri noch. Seinem Vater habe er damals den Auftrag gegeben, zwei Kühe, die er extra im Katalog angekreuzt hatte, zu kaufen. Als er am Abend nach Hause kam, standen nicht die zwei von ihm ausgewählten Kühe, sondern zwei andere eher «gewöhnliche» Kühe im Stall. «Die Verkaufspreise waren damals sehr hoch und 8000 Franken wollte mein Vater doch nicht bezahlen», sagt Urs Buri und lacht beim Erzählen der Geschichte.

Delago Jolie (55 55 98 /EX 92) ist für Urs Buri die Traumkuh. Sie hat in seiner Zucht viele Akzente gesetzt. (Bild: KeLeKi)

Die zwei damals gekauften Simmentalerkühe, eine davon eine Tochter des Stiers Aelpler Saanen, waren trächtig vom Stier Texan. «Ich war immer ein grosser Fan von Triple-Blut und Texan war ein Sohn von ihm», sagt der Züchter. Beide Kühe bekamen Kuhkälber; eine Texan-Tochter beeinflusste später die Zucht von Buris nachhaltig.

Auch im Schwarzenburgerland tätigte Buri einige Kuhkäufe. Mit 15 Kühen fing er dann an den Betrieb zu führen und zu züchten. «Mein Bruder Hanspeter und ich haben 1986 eine Betriebsgemeinschaft gegründet und haben den elterlichen Betrieb in Schafhausen und den Betrieb in Uetigen zusammen bewirtschaftet.» 2001 verstarb der Bruder leider an Krebs, von da an bewirtschafteten Urs Buri, seine Frau Barbara und die drei Töchter beide Betriebe mit 40 ha alleine.

Urs Buri mit den Preisen, die er mit seinen Kühen geholt hat. (Bild: Peter Fankhauser)

Die Stiere Texan und Caveman prägten die Zucht

1989 wurde dann ein neuer Anbindestall für 40 Kühe gebaut. «Wir hatten damals sehr schöne Texan- oder Tino-Kühe», erinnert sich Urs Buri. Dann kam der RH-Stier Caveman. «Von diesem Stier bekamen wir weitere sehr gute Kühe», so der Züchter.

Eine davon war die Kuh Katja. «Für die damalige Zeit war Katja recht gross, mit viel Rahmen und einem schönen Euter.» Katja gewann 1996 unter anderem ihre Kategorie an der Bernischen Eliteschau und wurde zur Vize-Miss-BEA gekürt. Eine andere Caveman-Tochter war Juvenia, die 1995 Klassensiegerin und auch Miss an der Emmentaler Verbandsschau in Oberburg BE wurde.

Die Tony-Tochter Fantasy gewann für Buris in ihrer Kategorie den ersten Rang an der RH-Ausstellung 1992 in Burgdorf. (Bild: Privat)

Mit Tony Fantasie oder auch Hernandez Esope kamen weitere Spitzenkühe dazu. «Fantasie wurde 1992 an der RH-Ausstellung in Burgdorf Klassensiegerin. Esope wurde 1999 Rassensiegerin an der Olma in St. Gallen und gewann in Zug anlässlich der Expo 2000 den Titel Miss Schweiz», erzählt der Züchter. Esope habe damals in ihrer Klasse die aktuelle Europameisterin Swatch Jessica geschlagen.

2007 gewann Glacier Ursula eine Spitzenplatzierung an der Expo in Bulle und wurde an der Verbandsschau in Oberburg zur Miss Emmental gewählt. Auch an der Emmentaler Starparade sorgte der Betrieb Buri mit seinen Tieren immer wieder für Furore. Insgesamt gewann der Betrieb sieben Titel.

Buri's Debonair Florence wurde 2013 für die Europameisterschaft in Fribourg auserwählt. (Bild: KeLeKi)

Die Europaschau in der Schweiz

Ein grosser Höhepunkt waren auch die beiden Teilnahmen an den Europameisterschaften. 1998 durfte Josef Mirta an der Europameisterschaft im belgischen Brüssel teilnehmen. 2013 wurde Debonair Florence für die Europameisterschaft in Fribourg ausgewählt.

«Als die Vorschaukommission auf den Betrieb kam, wollte besonders Jean Siegenthaler aus Mont-Soleil BE unsere Kuh selektionieren, die anderen zwei Vorschaumitglieder nicht», erzählt Urs Buri. Florence gehörte zu den 30 Kühen, die auf einen anderen Betrieb in der Westschweiz in die Vorbereitungen gingen. Sie gehörte schlussendlich zu den 15 Kühen, die für die Europameisterschaft bestimmt wurden. «Bei der Schlussselektion wurde Florence als Erste der zweitkälbrigen Kühe für die Europameisterschaft ausgewählt», erinnert sich Buri.

An der Europameisterschaft in Fribourg holte Florence in ihrer Klasse den dritten Rang. Zudem wurde sie für das beste Euter in ihrer Kategorie ausgezeichnet. Als Gruppe für die Schweiz wurde Florence zusammen mit Ralstrorm Gemina, Jordan Irene und Incas Flavia für den Länderwettbewerb auserwählt. Die Schweiz gewann mit diesen vier Kühen den Länderwettbewerb und sie wurden Europameister.

Bis zu 30 Kühe kamen in den Rekurs

Im Jahr 1995 absolvierte Urs Buri erfolgreich den Expertenkurs und wurde 1999 als Nachfolger von Peter Bolzli in die Bernische Schaukommission gewählt. «Meine erste Viehschau war in den Wynigen-Bergen», erinnert er sich. Hans Siegenthaler aus Eggiwil BE war damals Gruppenleiter und Werner Hirschi aus Boltigen BE als Präsident der Schaukommission tätig.

«Ich habe immer versucht, einen klaren und verständlichen Kommentar abzugeben», sagt Buri, der bereits nach drei Jahren zum Gruppenleiter und für sieben Jahre als Präsident der Schaukommission gewählt wurde. «Ich habe viele schöne Erinnerungen an die Zeit als Viehschauexperte. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass einmal in Lenk BE ungefähr 30 Kühe in den Rekurs kamen. Der Gruppenleiter meinte damals nur: ruhig bleiben. Als wir den ersten Kühen die Punktierung nicht änderten, kehrte ein Bauer nach dem anderen freiwillig mit seinen Kühen wieder um.»

Damals wurde es von den Bauern sehr geschätzt, wenn der Experte nach der Viehschau noch mit den Züchtern diskutierte und sich über Entscheidungen und die Viehzucht austauschte. Urs Buri punktierte gerne auf starken Viehschauplätzen mit qualitativ guten Kühen, motivierten Züchtern und vielen interessierten Zuschauern.

Doppelsieg an der Emmentaler Starparade für Familie Buri. (Bild: Privat)

Urs Buri hat auch im Ausland gerichtet

Nicht nur als Viehschauexperte war Urs Buri ein gerne gesehener Gast. Er war auch 20 Jahre lang als nationaler Schaurichter tätig. Der Kuhkenner hat sicher über 50 Ausstellungen gerichtet. «Die Top-Schauen im Saanenland, die Reinzuchtausstellung in Thun BE oder die Ausstellung an der Olma in St. Gallen waren für mich sehr schöne Erlebnisse.» Dass er auch dreimal die Eliteschau in Bern richten durfte und als abtretender Schaupräsident 2012 sogar über alle drei Rassen, sei ihm eine sehr grosse Freude und Ehre gewesen.

«Ich weiss noch, als ich einmal in Deutschland eine Schau klassieren durfte, sah ich dort eine wunderschöne, rote Erstlingskuh.» Buri kürte diese Erstlingskuh dann zur Champion und sagte der Kuh in seinem Kommentar eine grosse Schaukarriere voraus. Dabei handelte es sich um die eindrückliche Talent Maxima EX-94, die später von einem Schauerfolg zum anderen zog. Beeindruckt war Buri auch von der Simmentaler Kuh Nymphe von Familie Schmied aus Guggisberg BE. «Als diese Kuh vom Publikum zur Miss BEA gewählt wurde, durfte ich alleine über alle Rassen die Bernische Eliteschau richten», sagt er. Ohne lange zu zögern, stellte er damals Nymphe auf den ersten Platz.

An der Bernischen Eliteschau 1996: Urs Buri mit seiner Caveman Katja. Diese Kuh gewann ihre Kategorie und wurde Vize-Miss BEA. (Bild: Privat)

Erfolgreiche Auktion in Burgdorf

Ein wichtiges Amt und eine spannende Arbeit sei auch die Zucht- und Nutzviehauktion in Burgdorf BE gewesen, erzählt Urs Buri. Er war zwölf Jahre Präsident des Auktionskomitees und stellte mit seiner sympathischen, klaren Stimme auch 28 Jahre lang die Tiere mit kurzen und präzisen Kommentaren im Ring vor.

«Im Jahr 1998 wollte die Vermarktungskommission den Auktionsplatz in Burgdorf aufgeben», weiss er noch. Tiefe Auffuhrzahlen und eine schlechte Verkaufsquote zwangen zu Veränderungen. «Mit der Gründung eines neuen Auktionskomitees konnten wir die Auktionen Burgdorf neu beleben», hält er fest. Es wurde ein neues Auktionskomitee gegründet, das bis heute erfolgreich ist. «In diesem Jahr führten wir fünf Auktionen mit 196 verkauften Tieren durch», sagt Buri und zeigt auf ein Blatt Papier. Der Durchschnittspreis der Kühe lag damals bei 2560 Franken.

In all den Jahren ist die Auktion mit viel Engagement weitergewachsen und das Komitee hat die Auktion Burgdorf erfolgreich weitergeführt. So wurden letztes Jahr 13 Auktionen mit 883 verkauften Tieren und einem Durchschnittspreis der Kühe von 3783 Franken durchgeführt. Die Auktion in Burgdorf ist heute so erfolgreich, weil nicht nur der Standort ideal ist, sondern auch das Angebot an ausgezeichneten Zucht- und Nutzkühen immer sehr hoch ist.

An der Europaschau 2013 in Fribourg: Famili Buri durfte damals ihre Debonair Florence (z. v. r.) präsentieren. Sie holte den dritten Kategorienrang und wurde mit der Schweizer Gruppe Europameisterin. (Bild: Privat)

«Von den welschen Kollegen oft belächelt»

«Die im Kanton Bern bevorzugte mittelgrosse, komplette Kuh, mit bestem Euter und starkem Fundament, wurde früher von den welschen Kollegen oft belächelt. Sie bevorzugten eine grössere, extreme Holstein-Kuh. Heute laufen die mittelgrossen Kühe an den Auktionen am besten», sagt Urs Buri. Eine mittelgrosse Kuh mit viel Substanz, dazu ein starkes Euter mit viel Milch, das sei heute sehr gefragt.

Dieses Zuchtziel versuchte Buri auch immer wieder als Vertreter der Rassenkommission RH/HO einzubringen. «In Zukunft brauchen wir eine gesunde, funktionelle und robuste Kuh mit viel Milch», ist Buri überzeugt. Um die RH-Kuh retten zu können, brauche es mehr Stiere, die den Anforderungen der Züchterschaft gerecht würden. «Die Holstein-Population hat hier sicher einen grossen Vorteil, doch RH-Stiere aus starken Familien haben auch heute noch eine gute Nachfrage und werden gerne eingesetzt», ist der Züchter überzeugt.

Urs Buri hat mit seinen Tieren die Rasse Red Holstein geprägt. Heute blickt er auf die verschiedenen Stationen seiner Karriere zurück. (Bild: Peter Fankhauser)

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