Auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb in Bretzwil BL aufgewachsen, schätzte Hansueli Amport die Vielfalt mit Milchkühen, Hühnern, Pferden, Schafen und Ziegen. Letztere wurden früh einmal zu seiner speziellen Leidenschaft und Amport beschäftigte sich gerne und oft mit ihnen. Sein Vater unterstützte ihn dabei und die beiden waren an etlichen kantonalen Schauen zusammen.
Ferien während der Gitzi-Saison
So war die eigene Ziegenherde mit nur acht Tieren überschaubar: «Ich hatte damals zwar immer Freude an einer schönen Ziege, aber der Weitblick und die nötigen Kenntnisse fehlten noch.» Nach der Landwirtschaftslehre war Hansueli Amport während zehn Jahren bei der Landi im Aussendienst als Berater und Verkäufer tätig und hatte in dieser Zeit seine Ziegen bei seinem Bruder eingestallt. Sein Ding war die Zucht von Gämsfarbigen Gebirgsziegen und Saanenziegen.
«Ich habe sogar darauf geachtet, dass ich während der Gitzi-Saison Ferien hatte», schmunzelt der 37-Jährige, der im Jahr 2016 an der 11. Ziegenausstellung in Bulle FR mit Layla den Titel «Miss Gemsfarbige Gebirgsziege» holte. Die Ziege von seiner Frau Tatjana wurde in ihrer Kategorie Zweite. Dieser Erfolg hat das Paar motiviert zum Weitermachen, was in einem erneuten Miss-Titel ein Jahr später resultierte.

Ein klares Zuchtziel vor Augen
Im Jahr 2023 übernahm Familie Amport den Betrieb in Arisdorf BL und durch die Nähe zur Autobahn kam bald die Idee auf, mit der Ziegenmilch-Produktion anzufangen: «Der Plan war aber schnell wieder weg vom Fenster, da der Milchverarbeiter Emmi kaum Kapazitäten hatte und keine weiteren Abnehmer vorhanden waren.»
Das Thema ist für Hansueli Amport jedoch noch nicht ganz vom Tisch und er verfolgt es im Hinterkopf weiter. Amports züchten Ziegen und können Zuchtgeissen wie auch Jungböcke verkaufen – das ist ihr Ziel.
«Publik bleiben, an Schauen gehen, kantonal wie auch ausserkantonal. Da lernt man immer wieder neue Leute kennen, schafft Beziehungen, um Tiere zu verkaufen», hält er fest. Die Ziegenzucht sei sehr schnelllebig, jedes Jahr stünden neue Böcke zur Verfügung, man verfolge das, und dabei entstünden neue, interessante Kreuzungen.
Die Herausforderung sei es, das Passende zu finden, denn schön und schön ergäben nicht automatisch wieder schön. «Unser Ziel ist eine wirtschaftliche Ziege, die Milch geben kann, typstark und langlebig ist, sowie schöne Euter mit einer korrekten Strichstellung aufweisen», erklärt der Züchter, welcher aktuell fünf Saanenziegen, drei Gitzi und einen Bock hat.

In Genetikfragen immer à jour bleiben
Seine heutige Ziegenpopulation ist aus eigener Zucht – er hat keine mehr dazugekauft. Für Hansueli Amport war es wichtig, die Genetik selbst zusammenzustellen. Entsprechend informiert er sich bei der Herdebuchstelle und studiert Linien.
Online kann man die Bock-Listen und deren Leistungen anschauen: «Die Genetik muss man etwas kennen, dann kribbelt es», schwärmt der Züchter, welcher die Tiere gut kennt und weiss, von welchen Stammbetrieben sie kommen. «Bewährtes mit Neuem kombinieren und immer à jour bleiben», lautet sein Credo.
Auch im Hinblick auf die Fütterung geht er keine Kompromisse ein, «denn, wenn Ziegen etwas nicht mögen, fressen sie es lieber nicht», lacht Hansueli Amport. Seine Ziegen bekommen hauptsächlich Emd ad libitum sowie eine Mischung aus Grassilage und Mais sowie Heu. Zusätzlich füttert er noch Kraftfutter mit Mineralstoffen.
Der Landwirt ist überzeugt, dass Ziegen sehr smarte und anspruchsvolle Tiere sind: «Es muss stets etwas laufen. Sie möchten immer das Beste und dann sind sie glücklich. Ziegen werden nicht gerne nass und wenn es regnet, prüfen sie den Zaun genau.»
Man könne Ziegen gut als Nutztiere einsetzen, denn sie sind ideal, um einen Wald oder eine Überbuschung zurückzudrängen, denn sie fressen gerne Blätter und schälen kleine Bäume.
Paarhufer sind Familiensache
Tatjana Amport ist in Zullwil SO, im Schwarzbubenland, aufgewachsen. «Ohne jeglichen landwirtschaftlichen Hintergrund», wie die gelernte Drogistin erklärt.
Das habe sich aber rasch geändert, als sie vor 15 Jahren ihren Mann kennengelernt hat. «Gummistiefel an und ab ins kalte Wasser war das Motto damals, und heute könnte ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen», lacht die 35-Jährige, welche zehn Jahre lang stellvertretende Geschäftsführerin einer Drogerie war. «Nach der Geburt von Sohn Manuel haben wir uns beide dafür entschieden, dass ich nun vollumfänglich zu Hause arbeite und vor allem die Arbeiten im Stall übernehme, damit Hansueli mehr Kapazität auf dem Feld hat.»

Zucht-Experte mit viel Herzblut
Der Zufall wollte es, dass eine Expertin im Baselbiet ihr Amt niederlegen wollte, und Hansueli Amport das gleich übernahm. So wurde er als nur gerade 20-Jähriger zum kantonalen Ziegen-Experten: «Der mehrtägige Kurs war sehr interessant und intensiv. Ich lernte viel, knüpfte Kontakte und lernte viele Menschen mit demselben Gedankengut für Ziegen kennen.»
Es war für ihn eine Grundanforderung, dass er Ziegen nicht nur beurteilt, sondern selbst noch züchtet. Da die Regelung aufkam, dass man nicht in derselben Genossenschaft züchten und punktieren kann, wurde Hansueli Amport für ausserkantonale Schauen engagiert. Eine spannende Zeit: «Ab 2027 tritt infolge einer Forderung vom Bund eine neue lineare Beschreibung in Kraft und es wird nicht mehr punktiert. Deshalb werde ich nicht mehr richten», hält er fest.
Im Weiteren ist Amport Schätzungsexperte vom Kanton Baselland in Seuchenfällen und seit diesem Frühling im Vorstand des Schweizerischen Ziegenzuchtverbands (SZZV), was ihm grosse Freude bereitet.
Betriebsspiegel:
Name: Hof Seitlisten, Hansueli (37) und Tatjana (35) Amport, Kinder Emma (5) und Manuel (1)
Ort: Arisdorf, BL
Produktionsform: ÖLN
LN: 25 ha
Ackerbau: 3,4 ha Weizen und Silomais, 2,3 ha Kunst- und Naturwiesen
Viehbestand: 23 Holsteinkühe, 7 Rinder, 3 Aufzuchtkälber, 2 Haflingerzuchtstuten und 1 Fohlen, 9 Ziegen, 60 Legehennen, 2 Kaninchen
Arbeitskräfte: Betriebsleiterfamilie, in den Erntezeiten Unterstützung der Eltern

