Mit der Weidesaison steigt auch das Risiko für Parasitenbefall. Besonders Magendarm- und Lungenwürmer, Zecken sowie stechende Insekten beschäftigen derzeit die Rinderhalter(innen). Hinzu kommen Krankheitserreger wie Neosporose oder Leberegel sowie Kokzidien und Cryptosporidien bei Kälbern.
Die Kleinen sind besonders anfällig
Besonders betroffen sind Kälber und Jungrinder. Ihr Immunsystem ist noch nicht vollständig entwickelt und hatte oft noch keinen Kontakt mit den entsprechenden Erregern. Auch Tiere mit geschwächter Immunabwehr erkranken leichter.
«Parasiten schädigen jeweils das Organ, das sie befallen, und schränken dessen Funktion ein», sagt Vanessa Wyss vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, Fachbereich Tierhaltung. Je nach Erreger können die Folgen von Durchfall, Blutarmut und Atemproblemen bis hin zu Leistungseinbussen reichen. «Unbehandelte Infektionen können im Einzelfall sogar innerhalb kurzer Zeit tödlich verlaufen, etwa bei einem Cryptosporidienbefall neugeborener Kälber.»
Hitze verändert den Parasitendruck
Die derzeit hohen Temperaturen wirken sich unterschiedlich auf verschiedene Parasitenarten aus. Während Trockenheit die Überlebensdauer vieler Larven im Boden verkürzt, beschleunigt Wärme gleichzeitig ihre Entwicklung.
«Eier vieler Endoparasiten entwickeln sich bei hohen Temperaturen innerhalb von ein bis zwei Tagen zu infektiösen Larven – statt erst nach ein bis zwei Wochen», erklärt Vanessa Wyss. Gleichzeitig konzentrierten sich die Parasiten auf feuchte Rückzugsorte wie Schattenbereiche oder Wasserstellen. «Genau dort halten sich die Rinder bei Hitze bevorzugt auf. Dadurch steigt das Infektionsrisiko lokal deutlich an.»
Auch Zecken sowie Stech- und Stubenfliegen, aber auch verschiedene Mückenarten profitieren von warmem Wetter. Sie verursachen nicht nur Stress bei den Tieren, sondern können als Überträger von Tierseuchen wie der Blauzungenkrankheit oder Lumpy Skin Disease dienen. Weniger günstige Bedingungen finden dagegen Parasiten, die dauerhaft feuchte Böden benötigen, etwa der Leberegel beziehungsweise dessen Zwischenwirt.
Symptome früh erkennen
Ein Parasitenbefall zeigt sich je nach Erreger unterschiedlich. Hinweise können Durchfall, Gewichtsverlust trotz guter Fütterung, Husten, Atemnot oder ein struppiges Fell sein. Bei äusseren Parasiten fallen häufig starker Juckreiz, kahle Hautstellen oder Hautverletzungen durch Kratzen auf.
Wer solche Symptome beobachtet, sollte den Bestand untersuchen lassen. Endoparasiten lassen sich in der Regel über Kotproben nachweisen, viele Ektoparasiten sind bereits mit blossem Auge erkennbar.
Weidemanagement als wichtigste Vorbeugung
Eine zentrale Rolle spielt das Weidemanagement. Wechselnde Beweidung, ausreichend lange Ruhezeiten für Weideflächen sowie Mischweiden mit anderen Tierarten können den Infektionsdruck deutlich senken. Die meisten Parasiten sind auf eine bestimmte Tierart spezialisiert und können nicht ohne Weiteres auf andere Nutztiere übergehen.

Daneben empfiehlt Vanessa Wyss eine gute Grundversorgung der Tiere mit Kolostrum, ausgewogene Fütterung, Stallhygiene sowie – je nach Situation – Impfungen gegen den Lungenwurm und den gezielten Einsatz von Insektenschutzmitteln. Gegen Fliegen helfe zudem regelmässiges Entmisten, um den Entwicklungszyklus der Parasiten zu unterbrechen. Nicht zuletzt sollte die Entstehung von Brutstätten für Mücken wie stehendes Wasser in Eimern o. Ä. verhindert werden.
Entwurmen mit Augenmass
Beim Einsatz von Entwurmungsmitteln rät die Fachfrau zu Zurückhaltung: «Entwurmungen sollten nur nach tatsächlichem Bedarf erfolgen, um Resistenzen zu vermeiden.» Grundlage seien möglichst Kotproben und eine gezielte Behandlung statt routinemässiger Anwendungen. Denn Resistenzen nehmen zu: Bereits 2019 wurden in der Schweiz erstmals resistente Magen-Darm-Würmer bei Rindern nachgewiesen. Entscheidend seien deshalb die korrekte Dosierung und der Wechsel der Wirkstoffe.
Für die aktuelle Weidesaison empfiehlt Vanessa Wyss insbesondere drei Punkte: den konsequenten Schutz vor stechenden Insekten, das Auszäunen nasser Flächen in Regionen mit erhöhtem Leberegelrisiko sowie die Sensibilisierung von Hundehaltern. Hunde sind Endwirte des Parasiten Neospora caninum, der bei Rindern Fehl- und Frühgeburten verursachen kann, wenn Futter oder Wasser mit Hundekot verunreinigt werden.

