Kurz & bündig
- Futterkosten machen auf Milchviehbetrieben den grössten zusammenhängenden Kostenblock aus. Gleichzeitig lassen sie sich deutlich schneller beeinflussen als Strukturkosten wie Gebäude- oder Maschinenkosten.
- Landwirt Thomas Heusser analysiert seine Futterkosten mithilfe von monatlichen Auswertungen. Durch die regelmässige Auswertung werden Veränderungen schneller sichtbar.
«Mein Ziel ist es, mit gesunden und langlebigen Kühen viel Milch zu produzieren», sagt Thomas Heusser, Landwirt aus Buch bei Frauenfeld TG. Seine Herde besteht zum grössten Teil aus Tieren der Rasse Brown Swiss. Die Kühe erreichen einen Herdenschnitt von über 10 000 Kilogramm Milch.
Ein wichtiger Ansatz, erfolgreich Milch zu produzieren, liegt bei der Fütterung. Futterkosten machen auf Milchviehbetrieben den grössten zusammenhängenden Kostenblock aus. Thomas Heusser überlässt die Futterkosten nicht dem Zufall, analysiert die wichtigsten Kennzahlen jeden Monat und optimiert seine Fütterung laufend.

Betriebsspiegel
Milchhof Grundwies
Thomas Heusser, Buch bei Frauenfeld TG
LN: 42 ha
Kulturen: Kunst- und Naturwiesen, Silomais, Gerste, Zuckerrüben, Karotten
Tierbestand: 80 Milchkühe, 40 Plätze für Aufzuchtrinder
Weitere Betriebszweige: PV-Anlage (70 kWp)
Arbeitskräfte: Thomas Heusser, 1 Vollzeitangestellter, 2 Teilzeitangestellte (je 20 %)
Mit monatlichen Auswertungen die Kosten im Blick
«Die Fütterung ist der grösste Hebel, wenn man bei der Milchproduktion kurzfristig wirtschaftlich etwas verändern will», sagt Ramon Krummenacher, Berater bei der Tierärztlichen Bestandesbetreuung (TBB-Rind) in Bargen BE. Futterkosten machen auf Milchviehbetrieben 40 bis 60 Prozent der Produktionskosten aus.
Während sich Stall- oder Maschinenkosten oft erst über Jahre beeinflussen lassen, können sich Anpassungen bei der Fütterung bereits innerhalb weniger Wochen oder Monate bemerkbar machen.
Bereits während seiner Ausbildung zum Herdenmanager begann sich Landwirt Thomas Heusser intensiver mit den Futterkosten auseinanderzusetzen. Heute werden die wichtigsten Kennzahlen monatlich ausgewertet. Das geschieht mit dem «tbb-dairycheck».
Dabei werden monatlich die folgenden Kennzahlen ausgewertet:
- Futterkosten pro Kuh und Tag
- Grund- und Kraftfutterkosten pro kg Milch
- Kraftfutteranteil der Ration in %
- IOFC und IOFC 50 pro Kuh und für Herde (siehe Box «Die Kennzahl IOFC erklärt»)
- Produktionskosten pro kg Milch
- Reingewinn pro kg Milch
«Eine rein buchhaltungsbasierte Auswertung ist wie Autofahren mit abgeklebter Frontscheibe. Man erkennt Fehler erst, wenn sie längst passiert sind», sagt Ramon Krummenacher. Die Buchhaltung zeigt erst im Nachhinein, was passiert ist. Die Buchhaltung soll als Kontrollinstrument dienen und das Gefühl, welches man übers Jahr entwickelt hat, mit den definitiven Zahlen bestätigen. Relevante Einzelereignisse, wie beispielsweise der Wechsel einer Grassilage, verwässern im grossen Datensatz des Gesamtjahres und es können daraus keine Rückschlüsse auf Einzelereignisse mehr gezogen werden.
Daher werden die wichtigen Parameter monatlich erfasst. Durch den monatlichen Vergleich lassen sich Veränderungen früh erkennen. «Wenn wir beispielsweise eine Grassilage wechseln oder auf die Maissilage vom neuen Jahr wechseln, sehen wir unmittelbar, welche Auswirkungen das auf die Wirtschaftlichkeit hat», erklärt Krummenacher.
Wer erst ein Jahr später erkennt, dass eine Fütterungsumstellung oder ein Futterwechsel Geld gekostet haben, könne kaum mehr reagieren. «Man wird anhand der Buchhaltung nicht erfahren, dass der Futterwechsel Mitte März nicht ganz geklappt hat. Diese Werte werden mit dem restlichen Jahr vermischt und verwässert. Es findet keine Optimierung statt», führt Krummenacher aus.
Laut Krummenacher eignet sich die monatliche Auswertung insbesondere für Betriebe, die langfristig auf die Milchproduktion setzen. Für Vergleiche zwischen unterschiedlichen Betriebszweigen sei die Auswertung dagegen nicht konzipiert, da ist die buchhaltungsbasierte Vollkostenrechnung besser geeignet.

Vom Roboter zurück zum Melkstand
Beim Melkmanagement nahm Heusser eine grundlegende Veränderung vor. Im Jahr 2024 wechselte der Betrieb vom Melkroboter zurück zum Melkstand. Der Roboter sei nach vielen Betriebsjahren an seine Kapazitätsgrenze gelangt, gleichzeitig hätten die Zellzahlen zugenommen. Auch die Milchleistung war nicht auf dem gewünschten Niveau.
Mit dem Wechsel vom Melkroboter zum Melkstand hat Thomas Heusser von einer Teil-TMR auf eine Voll-TMR umgestellt. Er setzt seit der Umstellung zudem vermehrt auf Einzelkomponenten anstelle von pelletiertem Mischfutter. Mit der ganzjährig möglichst konstanten Mischration hat sich einiges verbessert. «Die Milchleistung ist wieder beim gewünschten Ziel, zudem sind die Probleme mit zu hohen Zellzahlen massiv zurückgegangen», so Heusser. Seither gehe es vor allem darum, die Ration mit kleinen Anpassungen kontinuierlich zu optimieren.
Der Erfolg zeigt sich auch in den wirtschaftlichen Zahlen. Der IOFC pro Kuh konnte durch die Anpassungen in zwei Jahren von rund 14 auf 16 Franken gesteigert werden. Insgesamt spart Thomas Heusser bei seiner Herde dadurch rund 30 000 Franken pro Jahr.
«Die grossen Sprünge haben wir bereits gemacht. Heute sind es kleine Stellschrauben, die wir jeweils anpassen. Wer die Fütterung regelmässig analysiert und bereit ist, laufend kleine Anpassungen vorzunehmen, kann die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessern», sagt Heusser.
Die Kennzahl IOFC erklärt
IOFC pro Kuh
Die Kennzahl IOFC (Income over Feed Cost = Einkommen nach Futterkosten) stammt aus Amerika und stellt das Einkommen dar, welches der Landwirt abzüglich der Futterkosten für die Deckung der weiteren Kosten zur Verfügung hat. Mit dieser Kennzahl lässt sich die Fütterung genauestens überwachen und sie zeigt beispielsweise bei einem Kraftfutterwechsel unverzüglich die daraus entstandenen wirtschaftlichen Veränderungen.
IOFC 50 pro Kuh
Der IOFC 50 wird anders als beim normalen IOFC bei fixiertem Milchpreis von 50 Rappen pro Kilogramm Milch berechnet. Die Abkopplung vom realen Milchpreis verhindert das Ziehen von falschen Schlüssen bei schwankenden Milchpreisen.
Quelle: TBB-Rind
Homogene Mischung als wichtige Grundlage
«Nur wer die Inhaltsstoffe seiner Grundfuttermittel kennt, kann die Ration gezielt optimieren», sagt Ramon Krummenacher. Er empfiehlt regelmässige Grundfutteranalysen. Viermal jährlich lässt Thomas Heusser sein Grundfutter, zweimal pro Jahr zusätzlich die TMR mit einem NIR-Gerät überprüfen. Das Grundfutter wird mit dem NIR-Gerät von TBB-Rind analysiert, die TMR-Probe in einem externen Labor.
Während Maissilage in der Regel relativ stabile Werte liefert, schwankt Grassilage je nach Schnittzeitpunkt, Witterung und Erntebedingungen deutlich stärker.
Die Fütterung bleibt auf dem Betrieb von Thomas Heusser während des Sommers wie des Winters praktisch identisch. Lediglich die Eiweisskomponenten werden bei Bedarf angepasst. Die Kühe haben im Sommer Halbtagesweide, können aber jederzeit in den Stall zurückkehren.
Die Ration besteht hauptsächlich aus Mais- und Grassilage sowie Rapsschrot. Ergänzt werden Mineralstoffe, etwas Stroh und Luzerne sowie je nach Situation Eiweissfutter wie Soja.
Damit die Mischung möglichst homogen bleibt und von den Kühen nicht selektiert werden kann, wird Wasser zugegeben. Ziel ist ein TS-Gehalt von 38 bis 40 Prozent. Jeden Tag wird eine frische TMR gemischt. Zudem wird die Mischung im Sommer mit Kaliumsorbat stabilisiert, damit sie schmackhaft bleibt und nicht erwärmt.
Ebenso wichtig ist es, die Restfuttermengen möglichst tief zu halten. Zehn Prozent Futterresten bedeuten letztlich auch zehn Prozent Mehrkosten. Was übrig bleibt, verfüttert der Landwirt an die Aufzuchttiere.

Tiergesundheit ist eng mit Wirtschaftlichkeit verbunden
Für Ramon Krummenacher reicht es allerdings nicht, nur auf wirtschaftliche Kennzahlen zu schauen:
«Keine Wirtschaftlichkeits-Kennzahl bildet die Tiergesundheit effektiv ab.» Wirtschaftliche Kennzahlen und Auswertungen der Bestandesbetreuung gehören für ihn untrennbar zusammen.
Auf dem Betrieb von Thomas Heusser erfolgt neben der gezielten Fütterungsberatung alle zwei Wochen eine Bestandesbetreuung. Auffälligkeiten können früh erkannt und die Ration bei Bedarf angepasst werden. Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit werden dabei gemeinsam beurteilt.
Ein Thema fällt Ramon Krummenacher in der Praxis besonders auf: «Der Galtphase wird häufig zu wenig Beachtung geschenkt.»
Viele Betriebe optimierten vor allem die Ration der laktierenden Kühe. Die Trockenstehzeit werde in der Praxis dagegen teilweise vernachlässigt. Dabei entscheidet gerade diese Phase darüber, wie erfolgreich eine Kuh in die nächste Laktation startet.
Auch Landwirt Thomas Heusser füttert den Galtkühen eine eigene TMR mit etwa gleichem Anteil an Mais- und Grassilage sowie Häckselstroh. Die Mischung für die Galtkühe bereitet er ebenfalls täglich frisch zu.
Viele Betriebe verzichten auf eine speziell abgestimmte Galt-TMR, weil sich das tägliche Mischen für wenige Tiere kaum lohnt. «Eine gute Lösung kann sein, die Galt-TMR zu mischen und in Rundballen pressen zu lassen», empfiehlt Ramon Krummenacher. So steht den Galtkühen während der gesamten Trockenstehzeit eine gleichbleibende Ration zur Verfügung, ohne dass regelmässig kleine Futtermengen frisch gemischt werden müssen.
Eine gute Galtfütterung kostet zwar Zeit und Geld. Sie bringt dieses Geld später aber mehrfach zurück durch gesündere Kühe, tiefere Tierarztkosten, bessere Fruchtbarkeit und einen möglichst optimalen Laktationsstart.
Über TBB-Rind
Schweizweit tätige Tierarztpraxis aus Bargen BE
Fokus auf Bestandesbetreuung und Beratung bei Milchviehbetrieben
Team von 7 Personen (davon 4 Tierärzte und 1 Elektriker für Kriechstrom)
Wichtigste Tätigkeitsfelder: Bestandesbetreuung, Fütterungsberatung, Betreuung von automatischen Melksystemen, Wirtschaftlichkeit, Kriechstrom, Kälber usw.

