Schweine gehörten einst zur bäuerlichen Selbstversorgung – auch im Berggebiet und auf Alpen. Das Schwarze Alpenschwein ist eine Kompositrasse aus den letzten noch existierenden Schlägen jener Zeit und unterscheidet sich deutlich von gebräuchlichen Rassen wie Schweizer Edelschwein oder Schweizer Landrasse: Es hat einen kürzeren Rumpf, längere Beine und dichte schwarze Borsten.
Diese Eigenschaften machen das Schwarze Alpenschwein berggängig und ebenso robust gegen Sonnenbrand wie gegen Winterkälte. «Wie für die Bergweide geschaffen», so das Fazit von Pro Patrimonio Montano (Patrimont). Das Netzwerk ist in der Schweiz und dem nahen Ausland aktiv, um alpine Ökotypen zu bewahren. Mit dem Schwarzen Alpenschweiz (SAS) ist Patrimont jüngst ein Erfolg gelungen: Es ist neu offiziell als Schweizer Rasse anerkannt.
Nur wenig Molke, stattdessen viel Grünfutter
Die wiederbelebte Rasse passt nicht nur äusserlich zur Bergweide. «Unsere Freilandschweine ernähren sich zu über 50 Prozent von Grünfutter», sagt Hape Grünenfelder, Ethnozoograf bei Patrimont. Heutige «Alpsäuli» seien im Gegensatz dazu meist eingestallt und dienten vor allem der Nutzung der Molke aus der Käseherstellung.
«Molke ist zwar ein wertvoller Stoff, würde aber unseren Schwarzen Alpenschweinen in zu grosser Menge schaden», hält er fest. Daher ist Molke in deren Fütterung auf fünf Liter pro Tag limitiert. Als Energiequelle für die Robustrasse hat Patrimont von verschiedenen Futtermühlen in allen Landesregionen eine spezielle Futtermischung bereitstellen lassen.
«Es ist ein einfaches, günstiges Ergänzungsfutter, das unseren Fütterungsempfehlungen entspricht», erklärt Grünenfelder. Ausserdem stammten die Zutaten aus regionalen Quellen und es enthalte wenig Produkte, die auch für den menschlichen Verzehr geeignet wären. Die SAS sollen maximal zwei Kilogramm dieses Ergänzungsfutters pro Tag erhalten. Generell würden alte Schweinerassen zur Verfettung neigen bei einer zu energiereichen Futtergrundlage. Patrimont sieht daher die Züchter in der Pflicht, die Fütterung sowohl der Gesunderhaltung der Tiere als auch der gewünschten Produktqualität und den Kundenansprüchen anzupassen.
Mehr als doppelt so lange bis zur Schlachtung, dafür hochwertiges Fleisch
«Mais und Soja haben wir gänzlich ausgeschlossen, weil diese das Fett tranig werden lassen, was die Fleischqualität beeinträchtigt», fährt der Ethnozoograph fort. Das Fleisch der SAS beschreibt Patrimont als feinfaserig, kompakt und schmackhaft. In der Pfanne schmore es nicht zusammen. Als extensiv gehaltene Raufutterverwerter wachsen die SAS nur langsam.
Die Mast beginnt erst, wenn das Skelett mit etwa 11 Monaten ausgewachsen ist. Geschlachtet werden die Schwarzen Alpenschweine mit 14–15 Monaten. «Sie brauchen also mehr als doppelt so lange wie unsere heutigen Leistungsschweine», bemerkt Hape Grünenfelder. «Dafür bringen sie – bei geeigneter Fütterung – qualitativ hochwertiges Fleisch, das unsere Züchter und Mäster teils über Gourmet-Kanäle und informierte Kunden vertreiben können.»
Vielfältiges Grünfutter während der Alpung reichere das Fleisch mit Omega-3-Fettsäuren an, Bewegung und langsames Wachstum führten zu einer schönen Marmorierung. Patrimont selbst macht über einen Online-Marktplatz Werbung für die verschiedenen Vertriebskanäle, seien es Tierhalter, Metzgereien oder Gourmet-Restaurants.

Giftpflanzen werden ohne Nebenwirkungen oder Qualitätseinbussen beseitigt
Was das Grünfutter angeht, so können Schwarze Alpenschweine eine Hilfe gegen die Vergandung sein. Sie fressen laut Hape Grünenfelder auch giftige Pflanzen wie Adlerfarn. «Die Giftstoffe und deren Abbauprodukte scheiden sie über den Urin wieder aus, im Fleisch konnten sie nicht festgestellt werden», versichert Grünenfelder. Er beruft sich auf eine dreijährige Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) zum Verzehr von Adlerfarn durch SAS.
Darin zeigte sich, dass die Tiere diese Pflanzen durch Beweidung deutlich zurückdrängen können, ohne davon negativ beeinträchtigt zu werden. Untersucht werde nun, so Grünenfelder, ob dasselbe auch für das hochgiftige Alpenkreuzkraut und weitere überhandnehmende Pflanzen gilt.
Schweine bauen sich selbst eine Suhle und wissen wo
Das Schwarze Alpenschwein ist robust – aber wie verträgt es Rekordsommer wie 2026 bei Weidehaltung? «Mit den jetzigen hohen Temperaturen haben wir noch nicht viel Erfahrung», räumt Hape Grünenfelder ein. «Aber wir wissen, dass die SAS eine grosse Temperaturtoleranz haben.» Rückfragen bei Züchtern hätten zudem ergeben, dass die Tiere heuer keinerlei Probleme mit der derzeitigen Hitze haben.
Bei höheren Temperaturen legten sich die Tiere in den Schatten oder bauten sich eine Suhle. Mit ihrem feinen Gespür würden sie meist selbst wissen, wo diese anzulegen wäre. «Sie riechen förmlich, wo es nahe an der Oberfläche Wasser hat», schildert er. Das ersetzt zwar keine Tränke, spricht aber für den urtümlichen Charakter der SAS. Gegenüber Menschen zeigen sie sich zutraulich, Sauen sind gute Mütter und Eber halten sich vom Wurf fern.

Erster Schritt der Anerkennung für das Schwarze Alpenschwein
Die Anerkennung als Schweizer Rasse ist für das Schwarze Alpenschwein ein erster Schritt. Die zweite Stufe wäre die Anerkennung der Zuchtorganisation. «Da sind wir noch dran», meint Hape Grünenfelder. Schweizer Rassen können in den Genuss von Fördermitteln des Bundes kommen. «Ob und wie viel unsere Züchter für ihre Zuchttiere erhalten werden, können wir derzeit noch nicht sagen», so Grünenfelder. 2026 fliesse aber sicher noch kein Bundesgeld.
Schweizweit gibt es heute 25 SAS-Zuchtbetriebe, 12 Mastbetriebe und drei Schaugehege zu PR-Zwecken (auf dem Ballenberg, im Tierpark Goldau und im Zoolino Zürich). Es gibt ein schweiz- und europaweit geschütztes Label, das garantiert, dass das SAS-Fleisch von einem zertifizierten Extensiv-Betrieb mit besonderen Haltungs- und Fütterungsbedingungen stammt. «Unsere Betriebe müssen vertraglich die Vereinbarung zur Zuchttiervermittlung erfüllen», erläutert Hape Grünenfelder. Für die Verwendung besagten Labels braucht es zusätzlich eine Zertifizierung.
«Eine ausgewogene Fütterung, viel Bewegung und eine artgerechte Umgebung sind entscheidend, damit die Tiere ihr volles Potenzial entfalten können», heisst es bei Patrimont. So trägt die Haltung dieser Rasse nicht nur zur Erhaltung genetischer Vielfalt bei, sondern auch zu einer nachhaltigen Landwirtschaft im Alpenraum.

