Die Betriebsphilosophie von Lukas Streit lässt sich in zwei Sätzen treffend zusammenfassen: «Ich überlasse ungern etwas dem Zufall», sagt er. Und: «Ich mache eigentlich alles Vollgas – Milchwirtschaft, Futterbau und Ackerbau.»
Der Landwirt hält 50 Milchkühe, bewirtschaftet in Erlen TG 24 ha Grünland und 6,5 ha Ackerfläche mit Mais, Futterrüben und Winterweizen. Vollgas heisst für Streit aber auch Effizienz. Entsprechend ist die Düngung seiner Kulturen und Flächen darauf ausgelegt.
Verzögerte Wirkung dank Kalkmantel
«Beim Mais streue ich Stickstoff-Dünger im 2- bis 4-Blattstadium, der Winterweizen erhält eine Bestockungs- und Schossergabe, für die Futterrüben arbeite ich den Dünger ins Saatbett ein», schildert Lukas Streit. Er nutzt einen Mineraldünger mit «geschützten Nährstoffen», die langsam im Boden freigesetzt werden. Das Gemisch aus Ammoniumsulfat und Harnstoff sei von einer Kalkschicht ummantelt, beschreibt Andreas Kappeler, Produktmanager bei Timac Agro, das Produkt.
Im Gegensatz zu anderen verzögert wirkenden Mineraldüngern komme also kein chemischer Hemmstoff zum Einsatz, der die Umwandlung der Nährstoffe durch Bodenorganismen und Enzyme im Boden verlangsamt. «Die Pflanze muss arbeiten, um an den Stickstoff zu kommen», hält er fest: Von den Wurzeln abgegebene Säuren lösen den Kalkmantel auf und setzen den Stickstoff frei.
Neben Ammonium und Harnstoff enthält das Produkt Oligosaccharide, die Mikroorganismen fördern sollen, Aminopurine, die laut Hersteller das Wurzelwerk stärken, sowie Schwefel zur Unterstützung der N-Aufnahme durch die Pflanzen.
Dieselbe Wirkung mit weniger Dünger erreichen
Der P-Dünger von Timac Agro enthält organisch gebundenes Phosphat. «Durch diese Bindung legt es sich weder bei hohem noch bei tiefem pH im Boden fest», sagt Andreas Kappeler. P bleibt somit wasserlöslich und verfügbar.
Dank geschützter Nährstoffe – physikalisch beim N und organisch beim P – verspricht der Hersteller dieselbe Wirkung bei deutlich reduzierten Gaben. Es soll eine Reduktion beim Stickstoff um 20 bis 30 Prozent und beim Phosphor um 50 Prozent möglich sein.


«Ich muss nicht mehr auf den Regen warten»
«Im Weizen habe ich früher in drei Überfahrten 6,5 kg Ammonsalpeter gegeben», erinnert sich Lukas Streit. Jetzt fährt er zweimal mit insgesamt 3,5 kg Sulfammo von Timac Agro und drischt nach seinen Erfahrungen nicht weniger. Auch die Qualität stimme in der Regel.
«Heuer hat je nach Boden das Wasser gefehlt», ergänzt er. Regen wäre sehr willkommen gewesen. Generell sei man mit geschütztem Stickstoff aber viel flexibler, was den Düngezeitpunkt angeht. «Ich muss nicht mehr auf Niederschlag im Sommer warten, sondern kann dann düngen, wenn es noch Regen gibt.»
Mitte oder Ende Mai schliesst der Thurgauer die Düngung seines Weizens ab. Der Stickstoff wirkt bis zur Kornfüllung, eine Ährengabe entfällt. «Ich habe keinen Traktor mit Pflegebereifung, das Spritzen übernimmt ein Lohnunternehmer», bemerkt der Thurgauer. Dank des lang anhaltenden Düngers kann er die Nährstoffgaben mit der eigenen Mechanisierung vornehmen und Überfahrten einsparen.
Überall kommt Hofdünger zum Einsatz
Den geschützten Kunstdünger kombiniert Streit mit Gülle und Mist. Mais, der in seiner Fruchtfolge nach Kunstwiese oder Getreide bzw. einem Zwischenfutter steht, bekommt zur Saat 35–40 m³ Gülle. Zusätzlich wird beim Pflügen Mist eingearbeitet. Weiterhin bringt er Gülle zur Bestockung im Weizen aus.
«Ich setze überall Hofdünger ein», fasst er zusammen. Für genügend Stickstoff ergänzt Streit aus dem Sack, Phosphor decken Gülle und Mist ab. Je nach Bedarf kauft der Thurgauer Schweinegülle zu.
Kalk und Bestandslenkung für ertragreiche Wiesen
Für sein Grünland schwört Lukas Streit auf Kalk. «Manche sagen, Grünland brauche keinen. Meine Bodenproben sagen etwas anderes», erklärt er. Dass Timac Agro dem Kalk Schwefel und Magnesium beigibt, sieht er als Vorteil. «Bei Tieren geben wir auch Mineralstoffe, während beim Boden zu oft nur an Stickstoff und Phosphor gedacht wird», findet Streit.
Die Weiden güllt er grosszügig im Frühling sowie – je nach Wetter – im Herbst und legt grossen Wert auf gute Bestandslenkung. Dass seine Flächen derzeit zwar aufgrund von Trockenheit und Hitze einen Wachstumsstopp eingelegt haben, aber nicht braun seien, wertet er als Bestätigung seiner Strategie.
«Eine Einheit Stickstoff bleibt eine Einheit Stickstoff. Aber so geht weniger davon verloren», meint Streit zum Produkt von Timac Agro. Dieser Mineraldünger ist allerdings teurer als Konkurrenzprodukte. «Dafür brauche ich weniger, und er enthält auch Schwefel und Calcium», gibt er zu bedenken. Weil seine Erträge trotz reduzierter Düngermenge stimmen, gehe er davon aus, dass es funktioniere – «das verhebt».
Unterfuss-Düngung für Mais, Getreide und Zuckerrüben
Ähnliche Erfahrungen macht auch Jan Hug. Als Lohnunternehmer mache er quasi alles, ausser Ernten, sagt er von sich. Auf seinem Betrieb in Kesswil TG hält er 130 Mastmuni und baut Kartoffeln, Zuckerrüben, Gerste, Weizen und Mais an. Geschützte Nährstoffe nutzt er zur Unterfussdüngung von Mais, zum Andüngen des Getreides im Frühling und in den Zuckerrüben – ebenfalls unterfuss.
Das funktioniere «tiptop», ebenso die Kombination mit Gülle (Gerste im Frühling, Mais im stehenden Bestand und vor Kartoffeln) sowie Mist (für die Zuckerrüben). Dank geschützten Stickstoffs erziele er im Mais mit 150 kg/ha Unterfussdünger (Locaboost NP 15/20) dieselben Erträge wie früher mit 200 kg/ha.
Zu Hugs Streben nach effizienter Nährstoffnutzung passt neben der Unterfussdüngung der Einsatz des Cultan-Verfahrens zum Injizieren von flüssigem Depotdünger. Zuckerrüben profitieren laut Jan Hug von der Unterfussdüngung durch eine schnellere Jugendentwicklung. «Ich mache das seit über zehn Jahren, und dass die Wurzeln verbrennen, war noch nie ein Thema», meint er zu den Bedenken einiger Berufskollegen.


Über Lösungen sprechen statt über mehr Bürokratie
Jan Hug und Lukas Streit sind sich einig, dass sich die geschützten Nährstoffe von Timac Agro trotz höherer Produktkosten auszahlen. Neben der Menge werde die Art und Weise, wie Stickstoff eingesetzt wird, zu wenig diskutiert, findet Andreas Kappeler. Sollte es dereinst zu einer strengeren Mitteilungspflicht für Nährstoffe kommen (Stichwort Digiflux), wäre im Vorteil, wer die zur Verfügung stehenden Mengen möglichst verlustfrei nutzen kann.
«Effizienter werden, wollen alle», stellt Kappeler fest. Es gebe Lösungen und über die gelte es zu reden – statt über mehr Bürokratie. Dabei kommen für den Agronomen und Düngeberater Mist und Gülle an erster Stelle. Nährstoffe aus dem Sack sollen ergänzen – aber ohne am Ende in Gewässern zu landen oder gasförmig verloren zu gehen.

