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500 Franken pro lahme Kuh: Die unterschätzten Kosten schlechter Klauengesundheit

Funktionierende Klauen sind die Basis für eine gesunde, leistungsstarke Kuh. Drei Klauenpfleger und ein Tierarzt sprechen über die Wichtigkeit der Klauenpflege sowie die häufigsten Klauenerkrankungen und ihre Ursachen.

Kurz & bündig

-Kühe laufen wortwörtlich auf den Zehenspitzen. -Eine lahme Kuh kostet rund 500 Franken, davon sind nur gerade ein Drittel der Kosten auf die Behandlung zurückzuführen. Die restlichen Kosten beinhalten verminderte Milchleistung und Fruchtbarkeit aufgrund der Lahmheit. -Magere Kühe mit tiefem BCS sind häufiger lahm, weil auch Körperfett im Klauenballen abgebaut wird, das zur Polsterung dient. Die häufigsten Klauenerkrankungen sind Ballenhornfäule, Mortellaro, Sohlengeschwür und Weisse-Linie-Defekte.

Die Lahmheit bei einer Kuh kostet rund 500 Franken», sagt Tierarzt Adrian Steiner vom Klauenprojekt der Universität Bern. Von diesen Kosten mache die effektive Behandlung der Lahmheit nur gerade ein Drittel der Kosten aus. Zwei Drittel der Kosten werden durch längerfristige Auswirkungen wie zum Beispiel reduzierte Milchleistung und verminderte Fruchtbarkeit generiert. Die Klauen der Kuh sind die Basis für Gesundheit und Leistung, weshalb ihnen Rechnung getragen werden sollte.

Das Klauenmesser sollte regelmässig geschliffen werden, um präzise arbeiten zu können.
Das Klauenmesser sollte regelmässig geschliffen werden, um präzise arbeiten zu können.

«Kühe haben die gleiche Belastung auf den Füssen wie eine Ballerina», erklärt Adrian Steiner. Kühe stehen anatomisch gesehen quasi auf den Zehenspitzen. «Das Klauenbein, das Kronbein und das Fesselbein entsprechen unseren Zehenknochen.» Durch die Zucht auf mehr Milchleistung hat sich auch das Exterieur und somit die Belastung der Klauen verändert, nicht aber die Grösse der Klauen selbst.

«Moderne Milchkühe haben zu viel Gewicht auf den Hinterklauen», weiss Steiner. Deshalb treten Klauenprobleme, etwa Sohlengeschwüre, auch vermehrt an den Hinterfüssen auf. An den Hinterfüssen ist immer die äussere Klaue grösser, weil die Knochen dort etwas länger sind und die Aussenklauen daher stärker belastet werden. Das muss bei der Klauenpflege berücksichtigt werden. Thomas Oberli, Daniel Gerber und Marco Fankhauser sind drei selbstständige Klauenpfleger aus dem Kanton Bern. Am Kurs für funktionelle Klauenpflege der Schweizer Klauenpflegervereinigung am Inforama Rütti in Zollikofen BE erklären sie, wie die Klauenpflege nach der 5-Schritte-Methode durchgeführt wird. Regelmässige Klauenpflege lohnt sich, um Klauenproblemen vorzubeugen.

«Die meisten Betriebe sind gut unterwegs und lassen zwei- bis dreimal pro Jahr die Klauen schneiden», bestätigt Daniel Gerber. Er vereinbart jeweils gleich beim Besuch den Termin für die nächste Klauenpflege.

Die Klauenpfleger: Daniel Gerber, Marco Fankhauser und Thomas Oberli.
Die Klauenpfleger: Daniel Gerber, Marco Fankhauser und Thomas Oberli.

Kühe mit tiefem BCS zeigen mehr Lahmheiten

«Gute Fütterung lässt auch die Klauen schneller wachsen», weiss Thomas Oberli. Deshalb müssen die Klauen von intensiv gefütterten Milchkühen häufiger gepflegt werden als von extensiven Mutterkühen. Die Fütterung hat einen enormen Einfluss auf die Klauengesundheit.

Kürzlich hat die Forschung herausgefunden, dass Kühe mit tiefem BCS (Body Condition Score) häufiger an Lahmheiten erkranken. Grund dafür ist der allgemeine Fettabbau. Bei mageren Kühen wird nicht nur Körperfett abgebaut, sondern auch das Fett im Klauenballen, das zur Abfederung von Schlägen dient. Durch den Fettabbau ist der Klauenballen weniger gepolstert, wodurch die Kuh sensibler auf Unebenheiten reagiert.

Am Kurs für die funktionelle Klauenpflege lernen die Teilnehmenden die Klauenpflege nach der 5-Schritte-Methode und wissen über die wichtigsten Klauenerkrankungen Bescheid. Zudem besteht die Möglichkeit, mit verschiedenen Klauenständen zu arbeiten.
Am Kurs für die funktionelle Klauenpflege lernen die Teilnehmenden die Klauenpflege nach der 5-Schritte-Methode und wissen über die wichtigsten Klauenerkrankungen Bescheid. Zudem besteht die Möglichkeit, mit verschiedenen Klauenständen zu arbeiten.

Die häufigsten Klauenerkrankungen im Rindviehstall

In ihrer Tätigkeit als Klauenpfleger sehen sie diverse Klauenprobleme. Die am häufigsten auftretende Klauenkrankheit ist die Ballenhornfäule. Sie tritt vor allem dann auf, wenn die Kühe viel im Mist oder in nassen Weideeingängen stehen. Ballenfäule wird durch Umweltbakterien ausgelöst und auf andere Kühe übertragen. Sie erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen wie Mortellaro oder Panaritium (Grippeli). Durch das Wegschneiden von losem Gewebe und das anschliessende Desinfizieren ist die Ballenhornfäule meist bereits behoben. Vorbeugen kann man aber durch häufigeres Misten, damit die Kühe trocken stehen.

Am zweithäufigsten tritt Mortellaro auf. Wie das behandelt wird, lesen Sie im Beitrag zu Mortellaro

. Weiter beobachten die Klauenpfleger Sohlengeschwüre und Weisse-Linie-Defekte.

Glatte Böden – Sohlengeschwüre und Weisse-Linie-Defekte

«Sohlengeschwüre entstehen, wenn die Kuh zum Beispiel zu lange Klauenspitzen hat. Dann ist die Belastung im Sohlenbereich zu hoch, wodurch das Klauenbein auf die stark durchblutete Lederhaut drückt und diese quetscht», erklärt Thomas Oberli. Dadurch bildet sich ein Sohlengeschwür. Deshalb ist das Ausschneiden der Hohlkehlung bei der Klauenpflege wichtig, um die typische Sohlengeschwürstelle zu entlasten.

Sohlengeschwüre dürfen nicht herausgeschnitten werden. Lediglich das Horn wird rundherum trichterförmig weggeschnitten, damit der Druck auf das Geschwür gelindert wird und dieses heilen kann. Bei Sohlengeschwüren, die grösser als ein 50-Rappen-Stück sind, muss der Tierarzt gerufen und zur Behandlung eine Lokalanästhesie gemacht werden. Bei solchen Behandlungen muss die verletzte Klaue durch das korrekte Anbringen eines Klotzes an der gesunden Klaue entlastet werden (siehe Kasten).

Weisse-Linie-Defekte sind an den braunen Kerben entlang der weissen Linie erkennbar, weil Dreck in das Weisse-Linie-Horn gelangt. Bakterien können dieses Horn angreifen. Weisse-Linie-Defekte treten meistens an der stärker belasteten Aussenklaue hinten auf. Grund dafür kann zum einen die nötige Klauenpflege sein. Meistens können die Defekte mit dem Winkelschleifer korrigiert werden.

Doch zum anderen ist auch die Haltung entscheidend. «Kleine Absätze und glatte Stallböden können Weisse-Linie-Defekte verursachen», erklärt Marco Fankhauser. Kühe können die Klauen anschlagen oder ausrutschen. Diese Kräfte führen zu Rissen in der weissen Linie. «Das Aufrauen der Stallböden beugt dem vor, weil dadurch der Klauenabrieb grösser ist und die Kühe besseren Halt haben», sagt Marco Fankhauser. Er findet, dass bereits bei Neubauten die Sanierung der Böden eingeplant werden sollte, indem die Betondicke und die Armierung berücksichtigt werden. So können die Böden auch nach einigen Jahren erneut aufgeraut werden.

Fütterung, Haltung, Zucht und regelmässige Klauenpflege sind also die wichtigsten Stellschrauben, um Klauenproblemen vorzubeugen.

Klotz richtig ankleben

[IMG 5] Wichtig ist, dass der Klotz nur auf eine gesunde Klaue mit genügender Sohlendicke (mind. 5 mm) geklebt wird. Sonst kann es durch die stärkere Belastung zu Verletzungen unter dem Klotz kommen. Der Klotz sollte von der Grösse her auf die Klaue passen und gegebenenfalls zugeschnitten werden. Die Klaue muss auf den Klotz vorbereitet werden, indem sie mit dem Winkelschleifer oder dem Klauenmesser aufgeraut wird. An der Klaue, an welcher der Klotz befestigt wird, darf keine Hohlkehlung geschnitten werden. Sonst kippt der Klotz nach innen und ist nicht mehr im rechten Winkel zum Röhrbein positioniert. Der Klotz muss beim Aufkleben mit der Klauenspitze bündig sein. Beim Ballen soll der Klotz rund 15 mm hinten rausstehen. Ganz wichtig ist, dass der Klebstoff nur dort angebracht wird, wo das Klauenhorn hart ist (siehe gelbe Linie in Grafik). Im weichen Ballenhornbereich gehört kein Klebstoff hin. Ausserdem sollte der Klebstoff nicht bis zum Kronsaum hochgestrichen werden, damit der harte Kleber nicht auf die sensible Haut drückt. Zum schnellen Aushärten kann der Klebstoff mit einem Heissluftföhn gewärmt werden.