Kurz & bündig
-Auf dem Hof Ebnet in Diegten BL wurden Rauch- und Feuermelder getestet, welche in Zukunft als wichtige Brandprävention im Stall eingesetzt werden könnten. - Die Deckung der Gebäude- sowie der Sachgutversicherung sollte unbedingt genügend hoch sein.
«Das Wichtigste für uns war damals, dass kein Mensch zu Schaden gekommen war», denkt Landwirt Stefan Herzog aus Diegten BL zurück. Er selber ist durch den Brand auf seinem Betrieb sicher sensibler gegenüber dem Thema Brandverhütung geworden und mache sich heute mehr Gedanken darüber.
Auf dem Hof Ebnet leben 100 Mutterschweine. Im Rahmen der Vermehrungszucht produziert die Familie Herzog Primera-F1-Jungsauen für die Profera.
Der dreiteilige Schweinestall, bestehend aus Abferkel-, Aufzucht- sowie Maststall, wurde damals im Jahr 2016 komplett neu gebaut. Im Dezember 2023 brach im Aufzuchtstall ein Feuer aus, wodurch dieser Stall ganz abbrannte. Beim Abferkel- und Maststall gab es Teilschäden. Der Grund für den Brand war ein technischer Defekt, die genaue Brandursache konnte aber nicht mehr aufgeklärt werden.
Stall innerhalb von acht Monaten wieder aufgebaut
Für die Familie Herzog war klar, dass sie den Stall wieder genau so wie vorher aufbauen wollte. Bei der Planung waren das Tierwohl und eine hohe Arbeitseffizienz wichtige Punkte. Zudem wurde mit der Schlauchbelüftung und der PV-Anlage viel Wert auf eine effiziente Energienutzung gelegt. Alle Pläne waren vorhanden, die Baubewilligung war schnell da und der Stall war bereits nach acht Monaten wieder komplett aufgebaut.

Bis heute hat sich der Stall bewährt. «Es war die richtige Entscheidung, den Stall wieder genau gleich aufzubauen. Wir sind nach wie vor sehr zufrieden», sagt Stefan Herzog.
Brandschutzpläne einreichen und Massnahmen ergreifen
Beim Bauprozess eines neuen Stalls müssen Brandschutzpläne eingereicht werden, die detaillierte Informationen über die Brandschutzmassnahmen (Fluchtwege, Brandschutzabschnitte, Zufahrten für Rettungsfahrzeuge usw.) enthalten. Diese werden im Rahmen der Bauabnahme kontrolliert. Elektrische Installationen müssen alle 10 Jahre kontrolliert werden. Je nach Kanton oder Gemeinde kann es zusätzlich unterschiedliche Vorgaben betreffend Brandschutzvorschriften geben.

Stefan Herzog musste beim Bau des Schweinestalls zudem einen Löschposten, Blitzschutz und einen für die PV-Anlage speziell geschützten Technikraum einrichten.
Der Löschposten besteht aus einem Wasserschlauch auf einem Haspel und befindet sich im mittleren Stall (Aufzuchtstall), wodurch alle drei Ställe erreicht werden können. «Da wir das Regenwasser sammeln, haben wir ein grosses Wasserreservoir auf dem Betrieb», sieht Herzog als Vorteil.
Rauch- und Feuermelder reagieren im Stall anders
Auf dem Hof Ebnet wurden im Rahmen eines Langzeittests Rauch- und Feuermelder unter praktischen Bedingungen im Schweine- und Mutterkuhstall getestet. Dabei überprüfte man die Melder auf Fehleranfälligkeit, Langlebigkeit und Anfälligkeit auf dem Betrieb.
Herkömmliche Rauch- und Feuermelder, die beispielsweise in Haushalten, Hotels oder Büros eingesetzt werden, funktionieren in Ställen nicht. Durch die unterschiedlichen Umgebungsverhältnisse (z. B. Staubbelastung und Witterung) ist die Fehlerquote hoch und es treten vermehrt Fehlalarme auf. Aus diesem Grund werden spezielle Melder ausgewählt, die ursprünglich für die Baubranche entwickelt wurden. Sie wurden nun im Schweine-, Geflügel- und Rindviehstall getestet. Die Tests wurden Ende Januar 2026 abgeschlossen, und die Melder werden nun umfassend ausgewertet.

«Vor dem Brand habe ich mir nicht wirklich Gedanken über den Einsatz von Rauch- oder Feuermeldern gemacht», sagt Herzog. Er kann sich aber gut vorstellen, die Melder auch in Zukunft auf seinem Betrieb einzusetzen. Wenn man mit ein paar Tausend Franken einen Riesenschaden verhindern könne, lohne sich das auf alle Fälle. «Bei einem Brandfall zählt jede Minute, in der man schneller reagieren kann», betont Herzog.
Schadnagerbekämpfung als wichtige Prävention
«Eine der besten Präventionen ist die Schadnagerbekämpfung», sagt Stefan Herzog. Frassschäden durch Mäuse, Ratten oder Marder an Elektroinstallationen gehören nämlich zu den typischen Brandursachen.
Für die Bekämpfung setzt Herzog rund um die Ställe Köderboxen mit Gift ein, die er mindestens alle zwei Monate kontrolliert. Es ist wichtig, dass die Nager bereits gefangen werden, bevor sie überhaupt in den Stall gelangen und einen Schaden anrichten können.
Kabel werden zudem regelmässig auf Beschädigungen kontrolliert. «Früher wurden die Kabel in Kanälen verlegt, wodurch das Risiko, dass sie beschädigt werden, grösser war. Heute verlegt man die Kabel auf Gitter», fügt Herzog an. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist laut Stefan Herzog das genaue Instruieren des Personals: «Mir ist es wichtig, dass jeder auf dem Betrieb weiss, wie man sich im Notfall verhalten muss.»
Genau dokumentieren, was zu welcher Versicherung gehört
Die Schäden, die bei einem Brand entstehen, werden in der Regel über die Gebäude- und Sachgutversicherung ge-deckt. Zusätzlich können im Rahmen der Privathaftpflicht- und Rechtsschutzversicherung noch weitere Versicherungen abgeschlossen werden.
Im Bereich der Gebäude- und Sachgutversicherung entsteht die Abstufung zwischen «Gebäude» und «Bewegliches». Dabei ist aber bei bestimmten Elementen (zum Beispiel bei technischen Stalleinrichtungen wie Fütterungsanlagen) nicht immer klar, welcher Versicherung diese zugeordnet werden können.

«Es sollte genau dokumentiert werden, was zur Gebäude- oder zur Sachgutversicherung gehört.»
Heinz Feldmann, BUL
Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann für Brandschutz bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL), empfiehlt deswegen, genau zu dokumentieren, was welcher Versicherung zugewiesen werden kann. Gerade bei Ställen mit vielen technischen Installationen ist das besonders wichtig, damit im Falle von Schäden möglichst schnell klar ist, was von welcher Versicherung bezahlt wird.
Veränderungen und Investitionen sollten zudem laufend bei der Versicherung gemeldet und vertraglich angepasst werden. «Ein Betrieb sollte sich bei Neuanschaffungen jeweils überlegen, was diese für einen Einfluss auf die Versicherung haben, und die Versicherungssumme entsprechend anpassen», sagt Heinz Feldmann. Generell ist eine ausreichend hohe Deckung beider Versicherungen sehr wichtig.
Individuell auf dem Betrieb anschauen, beurteilen, umsetzen
In den neuen «Schweizerischen Brandschutzvorschriften 2026» sind keine Bestimmungen für Tiere (im Allgemeinen und in landwirtschaftlichen Bauten im Speziellen) mehr vorgesehen. Dies wurde so entschieden, da sich die Massnahmen je nach Stall, Haltung und Tierart stark unterscheiden können und individuell umgesetzt werden müssen. So sei es auch schwierig, generelle bauliche Massnahmen gesetzlich vorzuschreiben. Auch die Kontrolle wäre schwierig umzusetzen. «Wir sprechen bei Brandverhütung nicht von einem direkten Bauthema», verdeutlicht Heinz Feldmann.
Die meisten Brandfälle entstehen in der Praxis zudem wegen ungenügender Wartung und Instandhaltung oder Fehlverhalten der Nutzenden. Die Brandverhütung liege zu einem grossen Teil beim Betrieb selbst. Betriebsverantwortliche müssen ihre Brandrisiken kennen und Massnahmen einleiten, um Brände zu verhindern. Alle Personen auf den Landwirtschaftsbetrieben sollten miteinbezogen und entsprechend geschult werden.
«Landwirtschaftliche Betriebe haben viel selber in der Hand. Wer die Brandverhütung individuell auf dem Betrieb anschaut, beurteilt und umsetzt, hat schon sehr viel gemacht», schlussfolgert Feldmann.

Betriebsspiegel Hof Ebnet
Stefan und Mariann Herzog, Diegten BL LN: 30 ha Kulturen: Natur- und Kunstwiesen, Silomais, Weizen, Gerste, Raps, Kirschen, Zwetschgen Tierbestand: 100 Mutterschweine, 25 Mutterkühe Weitere Betriebszweige: Obstbau, Direktvermarktung, PV-Anlage (280 kW) Arbeitskräfte: Stefan und Mariann Herzog, Sohn Jonas Herzog (50 %), 2 Angestellte, Erntehelfer
Brandverhütung in Schweineställen
Bei Bränden in Schweineställen gestaltet sich das gezielte Treiben der Tiere als schwierig, da Schweine häufig seitlich ausweichen. Zudem zögern sie in Stallhaltungen, ihre vertraute Umgebung zu verlassen. Unter Stress drängen viele Tiere zurück in den Stall, was Rettungsmassnahmen erheblich erschwert. Lärm, grelles Licht, fremde Personen sowie die allgemeine Hektik im Brandfall verstärken diese Stressreaktionen zusätzlich. Zudem können Stallventilatoren das Feuer weiter anfachen und die Rauchentwicklung verstärken. Fehlerhafte Elektroinstallationen und unsachgemäss eingesetzte Wärmeerzeuger gehören zu häufigen Brandursachen in Schweineställen. Leicht brennbare Materialien, Staub, Einstreu sowie fehlende Brandabschnitte begünstigen ausserdem eine schnelle Brandausbreitung. Das Merkblatt «Brandverhütung in Schweineställen», welches von der Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL), Agriss und Suisseporcs erstellt wurde, verweist auf typische Brandursachen und zeigt mögliche Massnahmen zur Brandverhütung auf.

