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Massnahmen zur kurzfristigen Senkung der Milchleistung und Verwertung der Milch auf dem Betrieb

Die Verarbeitungskapazitäten von Schweizer Milch stossen aktuell an ihre Grenzen. Die Folgen sind massiv tiefere Milchpreise für Übermengen. MilchproduzentInnen können die Milchleistung kurzfristig senken oder mehr Milch auf dem Betrieb verwerten.

Die Lage auf dem Schweizer Milchmarkt ist ernst. «Wenn die Menge nicht gedrosselt wird, fehlen aufgrund des saisonalen Anstiegs in den nächsten Monaten schlichtweg die Verarbeitungskapazitäten in der Schweiz und die Milch wird allenfalls nicht mehr abgeholt», schreibt Christa Brügger, Leiterin Kommunikation bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP).

Die Erstmilchkäufer stehen im Grundsatz alle hinter den zusätzlichen Beschlüssen («Beschleunigungserlass») der Branchenorganisation Milch (BOM) vom 13. Januar 2026: Zu den bereits eingeführten Massnahmen sollen zusätzlich bei anhaltender Überlieferung deutlich tiefere Milchpreise bezahlt werden.

Die BOM hat Erstmilchkäufern empfohlen, bei einer Überlieferung ab 105 % der monatlichen Vorjahresmilchmenge den Preis für Mehrmengen auf deutlich unter den aktuellen ungestützten C-Richtpreis festzulegen. Konkret bedeutet das Preise von 10 bis 15 Rappen pro kg Milch.

Ergänzungsfütterung anpassen, um Futterkosten zu sparen

Für MilchproduzentInnen kann es sich deshalb lohnen, mit bestimmten Massnahmen die abzuliefernde Milchmenge ein Stück weit selber zu steuern. Eine Möglichkeit, um die Milchmenge zu senken, ist eine Senkung der Milchleistung über die Anpassung der Ergänzungsfütterung.

Massnahmen zur kurzfristigen Senkung der Milchleistung und Verwertung der Milch auf dem Betrieb



«Ab wann das sinnvoll ist, hängt vor allem vom Verhältnis des Milchpreises zum Kraftfutterpreis ab. Wenn dieses Verhältnis enger als 1,5 zu 1 ist, macht aus wirtschaftlichen Überlegungen eine restriktivere Ergänzungsfütterung Sinn», erklärt Andreas Häberli, Berater für Milchproduktion am Inforama. Bei der Umsetzung sieht er zwei Hauptansätze:

Anpassung in der Startphase:

  • Fokus auf Energieversorgung legen, keine Überversorgung mit Protein.
  • Kontrollinstrument: Harnstoffwerte im Bereich von 15 mg/dl, max. 20 mg/dl anstreben.
  • Stoffwechselstabilität wird in der Startphase sichergestellt (genügend Energie) und der Leistungspeak nicht unnötig in die Höhe gepusht.

Anpassung in der Produktionsphase:

  • Ab sicherer Trächtigkeit Leistungsfutter deutlich restriktiver einsetzen: nur ½ der Menge (max. 2/3 der Menge), wie nach berechnetem Fütterungsplan vorgesehen wäre.
  • Maximale Menge des Leistungsfutters auf 2 bis 3 kg pro Tag beschränken.
  • Kontrollinstrument: Body Condition Score (BCS); kein Absinken.

«Ist das Verhältnis von Milch- zu Kraftfutterpreis enger als 1,5 zu 1, macht restriktivere Ergänzungsfütterung Sinn.»

Andreas Häberli, Inforama

Den Kälbern Vollmilch statt Milchpulver vertränken

Betriebe, die den Kälbern Milchpulver vertränken, können dieses (teilweise) auch durch Vollmilch ersetzen und so mehr Milch auf dem Betrieb verwerten. «Dies lohnt sich, wenn damit C-Menge verhindert werden kann. Wenn jedoch die geringere Ablieferungsmenge keinen Einfluss auf die Segmente (ABC-Milch) hat, lohnt es sich vermutlich nicht», so Andreas Häberli.

Ob sich das für den Betrieb lohnt, kann mit einer Überschlagsrechnung geprüft werden. Dazu werden die Gehalte der Milch und des Milchpulvers sowie der Preis des Milchpulvers beachtet. Daraus kann der notwendige Milchpreis ausgerechnet werden, der ausbezahlt werden müsste, damit das Milchpulver die günstigere Variante wäre.

Wann ist es sinnvoll, Kühe auszumerzen?

Eine weitere Möglichkeit, die Milchmenge zu senken, stellt das Ausmerzen bestimmter Tiere aus der Herde dar. Andreas Häberli findet das sinnvoll, wenn die entsprechenden Kühe sowieso auszumerzen sind.

Der Berater rät, für den Entscheid die Tageskosten der Haltung der Kuh dem Erlös aus ihrer Milchproduktion gegenüberzustellen.

In den Tageskosten sind zu berücksichtigen:

  • Gesamte Futterkosten pro Tag (Grundfutter und Ergänzungsfutter, grösster Kostenblock)
  • Variable Arbeitskosten (abhängig von eingesparter Zeit pro Tag)
  • Allgemeine Betriebskosten (ca. Fr. 1.50 pro Kuh und Tag)

Aus den Tageskosten lässt sich errechnen, welche Milchleistung eine Kuh pro Tag noch mindestens erzielen muss, damit die Tageskosten mit dem Milcherlös gedeckt werden können.

Wenn ein Produzent durch das Ausmerzen bestimmter Kühe C-Milch verhindern kann (keine Monatsübermenge), ist die Rechnung schnell gemacht.

Falls die durch den Kuhverkauf geringere Milchmenge keinen Einfluss auf die Anteile der Segmente hat (ABC-Milch), lohnt es sich auch, die weiter oben beschriebene Rechnung durchzuführen.

Wenn mit geringerer Milchmenge Übermengen (C-Milch) vermieden werden können, aber eigentlich keine Kühe aus der Herde ausgemerzt werden müssten, lohnt es sich, den Verkauf der Tiere als Nutzkühe zu prüfen, wie Häberli rät. So kann je nach Situation ein besserer Erlös erzielt werden als beim Verkauf der Tiere als Schlachtkühe.

«Zudem ist ein Verkauf von Kühen bei relativ tiefem Milchpreis wirtschaftlich auch eher sinnvoll, falls ein Betrieb Grundfuttermittel zukaufen muss», ergänzt Häberli. Dies hängt vor allem vom Preis der Futtermittel ab und kann ebenfalls mit der Rechnung betreffend Tageskosten und Milcherlös überprüft werden.

Mehr Milch auf dem Betrieb verwerten

Umfassende Lösungen, wie zum Beispiel die Kälber auf dem Betrieb ausmästen, das Abtränken der Kälber und Verkauf als Fresser oder die muttergebundene Kälberaufzucht, bieten weitere Möglichkeiten, mehr Milch auf dem Betrieb zu verwerten. «die grüne» wird in weiteren Ausgaben näher auf solche Lösungen eingehen.

Was ist bisher passiert?

13.1.2026: Die Milcheinlieferungen lagen im Dezember 2025 nach wie vor bis zu 10 % über dem Vorjahr. Viel Milch fliesst deshalb in Regulierprodukte. Tiefpreisige C-Milch ist zur Marktrealität geworden. Die BOM empfiehlt als weitere Marktmassnahme, im Fall von hohen Überlieferungen die Milch zu einem noch tieferen Preis zu handeln («Beschleunigungserlass»). 15.12.2025: Der Vorstand der BOM beschliesst eine Senkung des A-Richtpreises um 4 Rappen pro kg. Der neue A-Richtpreis von 78 Rp. pro kg gilt ab 1. Februar 2026. 14.11.2025: Der Vorstand der BOM beschliesst eine weitere Stützung von 1530 t Butterexporten. 29.8.2025: Der Vorstand der BOM beschliesst befristete Massnahmen zur Entlastung des Milchmarkts (Exporte von 2000 t Butter und 2000 t Rahm). www.ip-lait.ch/medien