pv_die-grune-onlinePlus

Saubere Böden mit Halt für gesunde Kühe

Gesunde Klauen sind entscheidend für leistungsfähige Kühe. Ein sauberer Boden im Stall legt das Fundament fürs Tierwohl. Martina Schmid berät unabhängig und erklärt, wie Entmistungssysteme und Bodenwahl zusammenhängen.

Kurz & bündig

-Das Entmistungssystem darf die Tiere nicht stören und muss zur Tierkategorie passen. - Für die Langlebigkeit und wenig Zusatzaufwand im Tierbereich sind rutschfeste Böden zentral. - Ist ein Boden sauber und sicher, steigt die Klauengesundheit.

Mistschieber oder Roboter, Gummimatten oder Betonboden: Der Blick in den Stall kann heftige Diskussionen auslösen. Martina Schmid, unabhängige Beraterin, hat das Tierwohl stets im Blick: «Geht es der Kuh gut, profitieren auch die Landwirtinnen und Landwirte.»

Deshalb geht sie unaufgeregt, aber systematisch an die grossen Fragen heran. Entmistungssysteme wirken sich auf die Kühe aus. Da die Tiere Regelmässigkeit schätzen, sei es weniger entscheidend, ob ein Schieber oder ein Roboter eingesetzt werde, sondern vielmehr, dass das Entmistungssystem konstant zu ähnlichen Zeiten laufe, gut in den Tagesablauf der Tiere integriert sei und diese nicht störe: «Läuft ein Mistschieber oder Roboter, während die Kühe an der Fressachse stehen, kann es Unruhe verursachen und das Fressverhalten sowie die Klauengesundheit negativ beeinflussen», sagt Schmid.

Bei der Systemwahldie Tierkategorie berücksichtigen

Bei der Wahl des Systems spielt die Tierkategorie eine wichtige Rolle: In Mutterkuhherden sind grosse oder hohe Mistroboter problematisch, weil tiefe Abtrennungen nicht möglich sind, da der Roboter freie Durchgänge benötigt.

Beim Einsatz von Schiebern hingegen ist die Platzierung entscheidend: Es braucht einen sicheren Schieberparkplatz ausserhalb des Tierbereichs, damit keine Kuh darüber stolpert, ausrutscht oder sich Klauenwände abschlägt.

Auch die Grösse und die Geometrie des Stalls würden die Systemwahl beeinflussen, erklärt Martina Schmid: «Grosse, lange Laufgänge eignen sich finanziell besser für Mistschieber. In verwinkelten Ställen bringt ein Roboter Vorteile.» Unabhängig vom System sei das Ziel eine häufige und gründliche Entmistung sowie ein Boden ohne Absätze und Verletzungsgefahren für die Kühe.

Wer sich für ein System entschieden hat, kommt zu den finanziellen Aspekten: «Diese sind zentral», sagt Schmid. Zu berücksichtigen seien nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch Stallstruktur, Arbeitsaufwand, Fläche und Unterhaltskosten. «Zusätzliche Handarbeit summiert sich rasch», sagt sie: Jeden Tag 10 Minuten Zusatzarbeit summieren sich über das Jahr zu rund einer Arbeitswoche. Deshalb lohne es sich, genau zu prüfen, wie viel Zeit für die Entmistung eingesetzt wird: «Einen direkten Mehrertrag bringt sie zwar nicht. Aber saubere, trockene Klauen mit einem guten Schnitt sind das Fundament für die Kühe.»

Der Mistschieber ist nachhaltig, langlebig und zuverlässig

Martin und Irene Merz aus Unterägeri ZG haben sich für einen Mistschieber mit Bürgi-Rillen entschieden: «Das ist ein nachhaltiges, langlebiges System», sagt Martin Merz. Es sei kostentechnisch die beste Option. Zudem sei es trittsicher und zuverlässig: «Der Schieber läuft immer.»

Passen muss das Entmistungssystem auch zur Einstreu. Gerade bei Langstroh oder Festmistbereichen sei eine besonders sorgfältige Planung nötig.

Lohnt es sich, ein Entmistungssystem gebraucht zu kaufen? Martina Schmid ist skeptisch: «Es fragt sich, ob sich ein gebrauchtes System technisch und baulich wirklich passgenau in den Betrieb integrieren lässt.» Die Technik entwickelt sich rasch weiter und deshalb ist es aus wirtschaftlicher Sicht oft sinnvoll, ein neues, dem Betrieb angepasstes System zu wählen.

Entmistungssysteme arbeiten dauerhaft mit Gülle, Harn und Kot. Das belastet gerade die mechanischen Komponenten wie Seile oder Führungssysteme stark. Bei den Reinigungs- und Unterhaltsarbeiten hängt der Aufwand stark davon ab, ob ein Servicevertrag abgeschlossen wurde. Regelmässige Kontrolle und Pflege sind nötig, um den Verschleiss möglichst gering zu halten. Bei Robotern erleichtern mobile Endgeräte (Handy, Tablet) die Kontrolle und Anpassung des Systems im Alltag. Bei Mistschiebern seien insbesondere die Seil- und Führungsarbeiten vergleichsweise einfach aufgebaut und dadurch für LandwirtInnen gut selbst zu warten oder zu reparieren.

Der Boden legtdas Fundament fürs Tierwohl

Martina Schmid macht in ihrem Alltag die Erfahrung, dass dem Boden oft zu wenig oder zu spät Beachtung geschenkt wird: «Oft rückt er erst in den Fokus, wenn die Kühe lahm gehen, mehrere Abgänge durch verrittene Kühe vorhanden sind oder Brunstzeichen beispielsweise nur noch an einem Ort gezeigt werden.»

Sie gibt zu bedenken, dass eine lahme Kuh nicht nur zusätzlichen Arbeitsaufwand verursacht, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Verluste. «Kühe simulieren nie. Sobald die Kuh Schmerzen beim Laufen anzeigt, ist es schon sehr weit fortgeschritten. Dann ist rasches Handeln zentral. Dies ist nur einfach und gut möglich, wenn ein gut eingerichteter Klauenstand zentral in der Nähe ist.» Als Beobachtungshilfe eignen sich die Signale, welche die Kuh mit ihrem Verhalten gibt.

Zentral seien beim Boden die Fragen von Rutschfestigkeit und Abrieb. Für die Kuh ist entscheidend, dass der Boden genügend Halt bietet, ohne dabei zu rau zu sein und die Klauen übermässig zu belasten, erklärt Schmid. Eine besonders sensible Situation trete auf, wenn Kühe neu in einen Laufstall eingestallt werden: «Dann muss sich die Herdendynamik erst einspielen.» Rangordnungen werden neu geregelt, schwächere Tiere werden sichtbar: «Ist der Boden zu rau, ist dies für viele Klauen ein Risiko.» Zu Beginn sollte der Boden deshalb rutschfest, aber nicht übermässig abrasiv sein.

Ecken, Absätze und Drehbewegungen seien wichtige Punkte, die es bei der Wahl des Bodens zu beachten gebe: «In Bereichen, in denen sich die Kühe stark drehen müssen, haben sich Gummimatten bewährt», sagt Schmid. Dazu gehören der Bereich um den Melkstand, beim Roboter oder der Wartebereich. Gummimatten bieten zusätzlichen Halt und Komfort. Sie erwähnt, dass sich Kühe lieber nach rechts drehen.

Zu beachten sind bei Gummimatten Aspekte wie die Hygiene unter den Matten oder mögliche Wölbungen. Die Kombination von Harn, Kalk und Gummi kann sehr rutschig werden und benötigt dann mehr Reinigung. Zudem können sich unter den Gummimatten luftarme Bereiche bilden: «Dort können sich Keime wie Mortellaro-Bakterien gut entwickeln», warnt Schmid. Auch können Böden durch direkte Sonneneinstrahlung oder schnellen Harnabfluss wegen einer Schmierschicht rutschig werden. «Da kann von Anfang an ein gutes Befeuchtungs- und oder Beschattungssystem für den Boden helfen.»

Beton mit Rillen bewährt sich, weil er Halt gibt

Irene und Martin Merz wollten ursprünglich Gummimatten verlegen. Die Erfahrungen von Berufskollegen haben sie dazu gebracht, sich für einen Betonboden mit gefrästen Rillen zu entscheiden: «Dieser Boden gibt Halt und ist gut für die Klauen.» Auch der finanzielle Aspekt spielte eine Rolle: Gummimatten müssen nach 10 bis 15 Jahren ersetzt werden, «unser Boden hält länger», ist Martin Merz überzeugt.

Dem stimmt Martina Schmid zu. Zu bedenken gibt sie, dass Betonboden ohne Struktur aus Sicht der Kuh problematisch sei, da er rasch rutschig werde. Bewährt habe sich Beton mit groben Rillen: «Er bietet Halt, ohne aggressiv zu sein», so Schmid. Die fachgerechte Ausführung, die Trocknung und die Nachbearbeitung sind entscheidend, um Probleme zu vermeiden.

Regelmässiger Weidegang wirkt sich positiv auf die Klauengesundheit aus: «Die Bewegung auf natürlichem Untergrund fördert die Durchblutung der Klauen und regt das Wachstum an», sagt Schmid. Der Weidegang ersetze aber keinen gut gestalteten Stallboden, sondern ergänze ein funktionierendes Stallkonzept.

Mit Blick auf das Tierwohl sagt Schmid, dass der Boden grundsätzlich dem Status der Herde anzupassen sei: «Viel wichtiger als das Material ist, dass die Kühe gerne und ohne Zögern vom Fressbereich in den Liegebereich wechseln.» Stehen sie lange herum oder warten, ist das negativ für die Klauengesundheit.

Kühe stehen gerne mit allen vier Klauen auf dem gleichen Niveau

Kühe mögen ebene Standflächen. Deshalb sollten im Stall möglichst keine Absätze oder Kanten vorhanden sein. Besonders am Futtertisch ist darauf zu achten, dass es keine kleinen Auftritte gibt, auf denen nur die Vorderklauen stehen: «Entweder ein durchgehender Auftritt oder keiner», sagt Martina Schmid.

Böden sind kein statisches Element, sondern verändern sich durch Nutzung, Abrieb und chemische Belastung. Regelmässige Kontrolle und Pflege sind wichtig. Bei Gummimatten kommt es mit der Zeit zu einer Durchtränkung durch Harn und Kot. Kalkablagerungen können die Rutschfestigkeit vermindern. Eine gezielte Reinigung mit Säure oder kalklösenden Produkten schafft Abhilfe. Nach einer gewissen Nutzungsdauer braucht es neue Matten, um Hygiene und Trittsicherheit zu gewährleisten – was mit Kosten und Arbeitsaufwand verbunden ist. Beim Betonboden ist die Nachbearbeitung entscheidend. Feine Rillen müssen nachgearbeitet werden, um übermässigen Abrieb zu vermeiden. Auch Spaltenböden brauchen Pflege, etwa durch Abflammen oder feines Aufschlitzen.

Martina Schmid wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für den Stallboden: «Die Kuh lebt auf ihren vier Klauen. Kann sie sich im Stall nicht sicher und ohne Stress vom Liegen zum Fressen und zurückbewegen, reduziert sie ihre Aktivität.» Das wirke sich negativ auf Leistung, Milchproduktion und Gesundheit aus. «Ein funktionierender, gepflegter Boden ist eine zentrale Grundlage für Tierwohl und Leistungsfähigkeit.»

So zeigen Rinder, dass ihnen der Boden entspricht und sie sich sicher fühlen

Wenig Klauenprobleme in Form abgesprengter Klauenwände.
Wenig Klauenprobleme in Form abgesprengter Klauenwände.
Am Boden sind keine Bremsspuren zu sehen.
Am Boden sind keine Bremsspuren zu sehen.
Die Tiere bewegen sich schnell, auch um Ecken herum.
Die Tiere bewegen sich schnell, auch um Ecken herum.
Die Tiere zeigen die Brunst sowohl im Stall als auch im Auslauf.
Die Tiere zeigen die Brunst sowohl im Stall als auch im Auslauf.
Lange Schritte: Das Hinterbein tritt dort auf, wo das Vorderbein aufhört.
Lange Schritte: Das Hinterbein tritt dort auf, wo das Vorderbein aufhört.
Die Tiere stehen auf drei Beinen und lecken sich unter dem Euterschenkel.
Die Tiere stehen auf drei Beinen und lecken sich unter dem Euterschenkel.

Martina Schmid [IMG 13] Martina Schmid (33) ist Landwirtin EFZ und Agronomin mit einer Zusatzausbildung in den Niederlanden zur Kuhsignale-Trainerin. Seit 2018 ist sie als Beraterin selbstständig und gibt im In- und Ausland Kurse und Weiterbildungen. Sie berät LandwirtInnen vor Ort oder online. Zu ihrem Alltag gehört es, Probleme vorausschauend zu erkennen. Deshalb ist sie in den Planungsphasen von Stall- und Umbauarbeiten dabei. Fasziniert ist sie von der Einzigartigkeit jeden Betriebs: «Jeder Hof ist wie ein Diamant, der täglich gepflegt wird.» Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt klar bei der Kuh. «Sie ist das Zentrum des Stalls und der Ausgangspunkt aller Überlegungen.» Dazu gehören aber auch Arbeitsabläufe und Arbeitseffizienz im ganzen Betrieb. Schmids Ziel ist, Wissen aus der Praxis zu bündeln, verständlich aufzubereiten und kompakt weiterzugeben.

Automatische Einstreusysteme

Thyas Künzle von der Fachstelle Rindvieh des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen befasst sich auch mit Arbeitseffizienz und Lean Farming. [REL 1] Neben der Entmistung lässt sich auch das Einstreuen automatisch erledigen. Künzle erwähnt dazu: - Automatische Einstreuanlage mit Einblasen - Automatische Einstreuanlage mit Kettenförderung - Automatische Einheit mit Wagen-/Schienenverteilung - Sektorgesteuerte Einheiten Grundsätzlich seien diese Systeme für alle Betriebe geeignet und liessen sich auch nachrüsten. «Je einfacher das Nachstreuen gelöst ist, desto mehr wird nachgestreut. Das wirkt sich positiv auf die Liegeflächen, die Liegezeit, die Tiergesundheit, die Leistung und die Sauberkeit aus», so Künzle. Überlegen müsse sich ein Betrieb: - Wie wird entmistet? Wie wird der Hofdünger ausgebracht? - Was möchte ich für ein Einstreumaterial verwenden? - Wie bediene ich die Einstreuanlagen? - Stalltyp (Tiefstreu, Liegeboxen usw.) - Kosten und Installationsmöglichkeit aus baulicher Sicht An Vorteilen sieht Künzle neben Tiergesundheit und höherer Arbeitseffizienz die gleichbleibende Qualität von Liegeflächen und je nach System die tiefere Staubentwicklung sowie das «Nicht-Stören» der Herde. Als Nachteil nennt er die Kosten für Anschaffung und je nach Einstreusystem für den Unterhalt.

Betriebsspiegel Hof Wijermatt

Irene und Martin Merz, Unterägeri ZG

LN:

62 ha

Kulturen:

Natur-, Streu- und Extensivwiesen, 265 Hochstammobstbäume

Tierbestand:

60 Milchkühe, 20 Aufzuchtrinder