Kurz & bündig
- Frostempfindliche Bereiche im Milchviehstall sind unter anderem die Melkstände, die Melkroboter und die Milchkühlung. - Streifenvorhänge schaffen im Milchviehstall zwar Abhilfe, stören aber auch den Kuhverkehr. - Eine Isolation der Gebäude-Aussenhaut ist bei Schweine- und Geflügelställen eine gute Voraussetzung. - Um Tränkesysteme vor dem Einfrieren zu schützen, empfehlen sich die Installation als Kreislaufleitung oder die Nutzung von Tränkenwärmern oder Heizplatten.
Bei längeren Kältestrecken kann Frost, vor allem auch in Verbindung mit Wind, zur Herausforderung werden. Andreas Niederhäuser, Leiter des Melkforums an der Berner Fachhochschule (BFH-HAFL), gibt praktische Tipps für die besonders kritischen Punkte im Rinder- und Milchviehstall. In Sachen Melktechnik erklärt Niederhäuser, dass Frost in der Melkergrube die Funktion der Milchmengenmessgeräte und der Milchpumpe beeinflussen kann. Etwas warmes Wasser vor dem Melken sorge hier für Abhilfe. Auch die Vakuumpumpe der Melktechnik in Rohr- und Melkstandanlagen friert nach dem Spülen ein, da heisses Wasser Dampf erzeugt, der kondensiert. «Es hilft, die Pumpe nach der Reinigung 5 bis 10 Minuten nachlaufen zu lassen, sodass das Kondenswasser verdunstet und sich ein Ölfilm bildet», rät Niederhäuser.
Ausserdem könne es helfen, die Melkzeuge vor dem ersten Tier in warmes Wasser zu tauchen, was die Zitzengummis angenehmer für die ersten Tiere macht. Auch Heizstrahler mit Temperaturüberwachung sorgen für einen frostfreien Melkbereich. Dies mache die Arbeit für das Melkpersonal in den Wintermonaten viel angenehmer, so Niederhäuser.
Ein weiterer bei Frost und Wind gefährdeter Bereich sind die Wasser- und Magnetventile der Milchkühlung nahe Eingangstüren. Abhilfe können zum Beispiel Plastikvorhänge als Windschutz hinter Eingangstüren sein. «Auch die Leitungen zu isolieren und gegebenenfalls Heizbänder mit Thermostat einzusetzen, kann helfen. Wichtig ist es zudem, den Reinigungsturm mit einem Heizlüfter frostfrei zu halten», erklärt Andreas Niederhäuser.
«Heizstrahler sorgen für einen frostfreien Melkbereich und machen die Arbeit für das Personal angenehmer.»
Andreas Niederhäuser, BFH-HAFL
Frost im Bereich des Melkroboters auf jeden Fall vermeiden
Absolut tabu sei Frost auch im Bereich des Melkroboters. Streifenvorhänge können dies verhindern, stellen aber auch ein Hindernis beim Tierverkehr dar. Für offene Melkroboter seien die Vorhänge aber die einzige Alternative in der Frostperiode, so Niederhäuser.
Besonders gefährdet bei Frost ist die Funktionsfähigkeit der Tränken und Wasserleitungen. Gefahr drohe vor allem in den Stallbereichen ohne hohe Frequenz wie etwa bei den Kälber- und Aufzuchtställen sowie den Abkalbebuchten. Niederhäuser rät, Umlauftränken oder beheizte Systeme einzusetzen und die Heizungen regelmässig zu kontrollieren. Stroh oder Holzstücke auf offenen Wasseroberflächen verzögern ausserdem eine Eisbildung und erleichtern das Aufbrechen. «Eine tägliche Sichtkontrolle aller frostgefährdeten Stellen spart Ärger und Kosten», ergänzt Niederhäuser.

Eine Isolation hilft, teure Wärmeenergie einzusparen
Im Schweinestall ist in den unterschiedlichen Bereichen, je nach Alter der Tiere, auch auf eine unterschiedliche Gestaltung in Sachen Frostschutz zu achten. Matthias Schick, Tierhaltungs- und Stallbauberater, ordnet ein: «Der optimale Temperaturbereich bei Schweinen liegt zwischen 22 und 33 Grad für Ferkel und zwischen 5 und 15 Grad für säugende Sauen. Deshalb orientiert sich der Bau der einzelnen Bereiche im Stall direkt an den jeweiligen Ansprüchen der Ferkel, der säugenden Sauen und der Galtsauen.»
Eine Isolation der Aussenhaut des Stallgebäudes sei auf jeden Fall von Vorteil und helfe, teure Wärmeenergie einzusparen, so Schick. Gleichzeitig hilft die Isolation auch bei Frost, um heikle Bereiche wie zum Beispiel die Wasserleitungen und die Rohrleitungen von Flüssigfütterungssystemen vor dem Einfrieren zu schützen. Um ein Einfrieren von Tränkeleitungen im Schweine- oder Geflügelstall zu verhindern, können diese als Kreislaufleitungen installiert werden.
Im Geflügelstall helfen zudem auch Tränkenwärmer bzw. Heizplatten vor dem Einfrieren der Tränkeleitungen. Weiterhin könne in Kaltbereichen wie etwa bei den Galtsauen eine Begleitheizung installiert werden. «Bei PV-Anlagen kann man hier über den Eigenstromverbrauch günstig Energie nutzen», empfiehlt Matthias Schick. Bei Leitungen in Wänden ist es ratsam, diese bei der Installation zu isolieren.
«Eine guten Isolationsschicht ist immer hilfreich.»
Matthias Schick, Berater
Keine Zugluft im Liegebereich von Schweinen
Gemäss der Fachinformation Tierschutz des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ist es ausserdem wichtig, dass der Liegebereich von im Kaltstall gehaltenen Schweinen keine Zugluft aufweist und dass er eingestreut, trocken sowie den Temperaturbedürfnissen der Schweine entsprechend gestaltet ist. «In Aussenklimaställen müssen deshalb Liegekisten oder ähnliche Einrichtungen vorhanden sein, in denen Temperaturen wie im Warmstall erreicht werden können, oder die Schweine müssen die Möglichkeit haben, sich im Tiefstreubett einzugraben», schreibt das BLV. Die Isolierung des Bodens könne analog einer Tiefstreuliegefläche mit Stroh, Sägemehl, Chinaschilf oder Ähnlichem, wie zum Beispiel einem Holzboden, erfolgen, so das BLV weiter.
Geflügel kommt mit Kälte gut zurecht, der Stall aber nicht
Auch im Geflügelstall seien Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes nicht empfehlenswert, obwohl Geflügel Kälte recht gut vertragen könne, erklärt Matthias Schick. Insbesondere im Kotbereich und bei den Tränken kann es im Geflügelstall zu Frostschäden kommen. Sowohl im Schweine- als auch im Geflügelstall ist, um dies zu vermeiden, auf eine Isolation von Boden, Wänden und Decken zu achten.
«Diese Isolation ist ebenfalls im Sommer von Nutzen, um die Tiere vor übermässiger Hitze zu schützen. Bei Neubauten ist die Bodenplatte unbedingt mit einer Isolation von unten zu versehen», sagt Schick. Falls keine Bodenisolation vorhanden ist, weil zum Beispiel ein Altbau genutzt wird, könne mithilfe einer entsprechend dicken und trockenen Einstreu eine Isolationsschicht erzeugt werden.
Insbesondere um die Tränkestellen herum sollte auf trockene Einstreu geachtet werden. «Dies kann auch über eine gezielte Luftführung und unter Umständen sogar in Kombination mit einer Wärmerückgewinnung erfolgen. Auch Ammoniakemissionen können dadurch deutlich reduziert werden», erklärt der Tierhaltungsberater.


