Kurz & bündig
- Warzen an den Zitzen können das Melken erschweren, Euterentzündungen begünstigen und sich im Bestand ausbreiten.
- Mit konsequenter Hygiene, der Absonderung betroffener Tiere und regelmässiger Kontrolle der Jungtiere lässt sich die Ausbreitung begrenzen.
- Problematische Warzen müssen tierärztlich und unter Schmerzausschaltung entfernt werden.
- Bei starkem Bestandsbefall besteht die Option, eine stallspezifische Impfung einzusetzen.
Warzen, auch «Feigen» genannt, sind bei Rindern keine Seltenheit. Die meist gutartigen Veränderungen an der Haut (seltener auch an der Schleimhaut) werden durch das bovine Papillomavirus verursacht. Bei RiWarzen, auch «Feigen» genannt, sind bei Rindern keine Seltenheit. Die meist gutartigen Veränderungen an der Haut (seltener auch an der Schleimhaut) werden durch das bovine Papillomavirus verursacht. Bei Rindern kommen verschiedene Typen von Papillomaviren vor, welche je nach Virustyp unterschiedlich aussehen. Sie reichen von kleinen, fadenförmigen oder reiskornartigen Wucherungen bis zu gestielten, knollenartigen, pilz- oder blumenkohlartigen Gebilden.
Übertragen werden die Viren vor allem durch direkten Kontakt zwischen Tieren. Betroffen sind insbesondere Rinder bis zum Alter von zwei Jahren. Häufig sitzen die Warzen am Unterbauch, an der Innenseite der Schenkel, am Kopf, Hals oder am Euter und an den Zitzen.
In diesen Fällen werden Warzen zum Problem
Problematisch sind Warzen vor allem dann, wenn sie an ungünstigen Stellen wachsen. An den Zitzen können sie das Melken und den Milchfluss erschweren und dadurch das Risiko für eine Euterentzündung erhöhen. Sitzen sie am Auge, kann die Lidfunktion beeinträchtigt werden. Je nach Lokalisation sind auch Lahmheiten oder andere Funktionsstörungen möglich.
Bei stark wachsenden Zubildungen kann zudem Gewebe absterben. Weil die Durchblutung im Inneren der Warze nicht ausreicht, kommt es zu Zellzerfall und teilweise zu einem unangenehmen Geruch. Die Haut zwischen zahlreichen Warzen kann sich zusätzlich bakteriell entzünden. Bei warmen Verhältnissen kann es sogar zu Madenbefall kommen, wenn Fliegen ihre Eier im veränderten Gewebe legen.
Was gegen Warzen hilft und wann eine Behandlung sinnvoll ist, erläutern die Wiederkäuerklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern und Drogistin Michelle Krügel.
Gute Hygiene bremst die Ausbreitung
Da Papillomaviren sehr widerstandsfähig sind und bereits kleine Hautverletzungen als Eintrittspforte dienen können, kommt der Hygiene im Stall eine wichtige Rolle zu. Es gilt, befallene Tiere möglichst von gesunden Tieren zu trennen. So lässt sich der direkte Kontakt und damit das Ansteckungsrisiko reduzieren. Auch beim Zukauf von Tieren ist Vorsicht geboten. Tierhaltende sollen Tiere mit sichtbaren Warzen nicht in einen bisher warzenfreien Bestand einstallen.
Material, das mit befallenen Tieren in Kontakt kommt, kann zur Weiterverbreitung des Virus beitragen. Deshalb sollten Halfter, Handschuhe, Nadeln und weiteres Material nicht unbedacht gleichzeitig für erkrankte und für gesunde Tiere verwendet werden.
Bei Kühen ist auch bei der Melkhygiene Vorsicht geboten. Warzen an den Zitzen können sich über die Melkgeräte und die Hände des Melkers/der Melkerin weiterverbreiten. Das Tragen von Handschuhen kann helfen, die Übertragung zu begrenzen. Wenn es der Arbeitsablauf erlaubt, sollten Kühe mit Warzen an den Zitzen zuletzt gemolken werden. Bei einem stärkeren Bestandsproblem kann sich der Einsatz einer viruziden Zitzentauchlösung bewähren.
Zudem spielt die allgemeine Widerstandsfähigkeit der Tiere eine Rolle. Eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung wird als unterstützende Massnahme zur Begrenzung des Auftretens von Warzen genannt.

Entfernen nur mit Schmerzausschaltung
Solange die Warzen klein sind und keine Probleme verursachen, ist eine Behandlung in der Regel nicht nötig, da die Warzen normalerweise von selbst zurückgehen. Anders sieht es aus, wenn sie die Funktion beeinträchtigen. Besonders bei Jungtieren, deren erste Abkalbung bevorsteht, lohnt sich ein Blick auf die Zitzen. Sind diese stark mit Warzen besetzt, kann das Melken nach der Abkalbung erschwert sein.
In solchen Fällen kann der Tierarzt die Warzen chirurgisch entfernen. Warzen dürfen nicht einfach abgerissen werden. Das kann zu starken Blutungen führen und verursacht dem Tier ohne entsprechende Schmerzausschaltung unnötige Schmerzen. Die Entfernung ist deshalb ein tierärztlicher Eingriff. Der Eingriff erfolgt unter lokaler Schmerzausschaltung. Besonders sorgfältig muss dabei vorgegangen werden, wenn die Wucherungen nahe am Strichkanal liegen. Eine Verletzung des Strichkanals gilt es unbedingt zu vermeiden.
Bei einem starken Befall einzelner Tiere oder wenn in einem Bestand wiederholt Probleme auftreten, kann eine Impfung in Betracht gezogen werden. Einen kommerziell verfügbaren Impfstoff gibt es nicht. Stattdessen wird in speziellen Fällen ein stallspezifischer Impfstoff hergestellt. Dafür entnimmt man typische Warzen von einem oder mehreren betroffenen Tieren der Herde und verwendet sie im Labor zur Herstellung des Impfstoffes.
Bei bereits befallenen Tieren kann eine solche Impfung die Abheilung etwas beschleunigen. Bei jüngeren, noch nicht infizierten Tieren kann sie zudem dazu beitragen, das Ausmass eines späteren Befalls zu reduzieren.
Tiere kontrollieren und frühzeitig reagieren
Die Papillomaviren, die Rinderwarzen verursachen, sind nicht auf den Menschen übertragbar. Bei einzelnen Warzen besteht auch meist kein Grund zur Panik. Treten die Wucherungen jedoch bei mehreren Tieren auf oder nehmen sie im Bestand deutlich zu, ist eine frühzeitige Reaktion erforderlich. Befallene Tiere abzusondern, die Melkreihenfolge anzupassen und gemeinsam mit dem Tierarzt die Hygienemassnahmen zu überprüfen, kann helfen, die weitere Ausbreitung zu begrenzen.
Gerade bei Jungrindern lohnt sich eine regelmässige Kontrolle der Haut. Denn die meisten Warzen bilden sich zwar von selbst zurück, doch an Euter und Zitzen können sie später erhebliche Probleme verursachen. Eine frühzeitige Erkennung gibt dem Betrieb mehr Möglichkeiten, darauf zu reagieren.
Heilpflanzen gegen Warzen
Drogistin und Tierheilpraktikerin Michelle Krügel von «üsi drogerie» in Münsingen BE gibt Tipps, welche pflanzlichen Mittel sich für die Behandlung von Warzen bei Rindern eignen.
- Schöllkraut: Schöllkraut wird traditionell bei Warzen eingesetzt. Der gelbe Pflanzensaft wirkt reizend und kann das Warzengewebe schädigen. Für die Anwendung empfiehlt Michelle Krügel eine verdünnte Tinktur (1:1 mit Wasser), die abends auf die Warze aufgesprüht werden kann.
- Apfelessig: Die enthaltene Säure kann das Warzengewebe aufweichen. Da Apfelessig die Haut reizen kann, sollte er ebenfalls verdünnt (1:1 mit Wasser) angewendet werden. Auch hier ist die Anwendung am Abend empfehlenswert.
- Ätherisches Lemonmyrtenöl: Lemonmyrtenöl wird aufgrund seiner antiviralen und antibakteriellen Eigenschaften eingesetzt. Ätherische Öle sollten jedoch nicht unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Michelle Krügel empfiehlt eine Mischung aus 30 ml Mandelöl und 6 Tropfen ätherischem Lemonmyrtenöl. Diese kann täglich auf die betroffene Stelle aufgetragen werden.
- Knoblauch: Knoblauch enthält Allicin, dem unter anderem antivirale Eigenschaften zugeschrieben werden. Gleichzeitig kann Knoblauch die Haut reizen. Als mögliche Anwendung nennt Michelle Krügel eine Salbe aus 50 g Salbengrundlage und einer gepressten Knoblauchzehe.
Bei der Anwendung pflanzlicher Mittel am Euter ist besondere Vorsicht geboten, da das Eutergewebe besonders empfindlich ist. Im Hinblick auf mögliche Rückstände in der Milch empfiehlt Michelle Krügel deshalb, am Euter auf die Anwendung von Knoblauch und ätherischen Ölen zu verzichten. Grundsätzlich sollte die Behandlung zudem von der Art und Beschaffenheit der jeweiligen Warze abhängig gemacht werden.
Haftungsausschluss: Die Wirkungen und Nebenwirkungen der Heilpflanzen gegen Warzen sind nichtvollständig aufgelistet. Die Schweizer Agrarmedien AG übernimmt keinerlei Haftung für die Folgen der Anwendung.
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